Ex-AfD-Politiker aus Ruhpolding zu Gast bei Markus Lanz

Markus Plenk packt aus: "Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein"

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Der Ex-AfD-Mann Markus Plenk aus Ruhpolding erzählt von seinem Ausstieg aus der Partei.
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München/Traunstein - Die bayerische AfD hat im April dieses Jahr ihren Fraktionschef verloren: Markus Plenk verließ die Partei. Wegen Morddrohungen stand er zeitweise sogar unter Polizeischutz. Bei Markus Lanz sprach er nun über seine Beweggründe und Zukunftspläne. Auch die AfD Traunstein hat sich bereits zu seinem Auftritt  beim ZDF zu Wort gemeldet.

Im April kündigte der ehemalige AfD-Politiker und Landtagsabgeordnete Markus Plenk an, aus der AfD auszutreten: "Ich habe es satt, die bürgerliche Fassade für eine fremdenfeindliche Partei zu sein." Das sagte Markus Plenk im April dem "Spiegel". Zu dieser Zeit war der 50-jährige Biobauer und Unternehmensberater noch Fraktionschef der AfD im bayerischen Landtag. Es folgte der Austritt aus Partei und Fraktion. In der ZDF Talkshow von Markus Lanz sprach er am 13. Juni über Beweggründe und Zukunftspläne.

„Ich bekam danach sehr viele Drohungen, anonyme Anrufe, wurde beschimpft und beleidigt. Das war eine sehr unangenehme Zeit“, erzählt er in der Talkrunde bei Markus Lanz. Und der Insider packt noch weitere Details über die AfD aus. 

Seine Mitgliedschaft in der AfD erklärte der Landwirt unter anderem damit, dass er darauf gehofft habe, dass sich die liberaleren Kräfte in der Partei durchsetzen. Auf die Frage, warum er nicht zur CSU gegangen ist: „Die hätten erst mal geguckt, wer ich überhaupt bin. Ich hätte dort natürlich nicht so schnell was erreichen können.“ 

Er habe dann aber feststellen müssen: „Von langer Hand vorbereitet hat man schon im Wahlkampf versucht, bestimmte Kandidaten zu pushen und andere zu behindern, um am Ende des Tages für die rechtsradikalen Kräfte in der AfD eine Mehrheit in der Fraktion zu haben.“ 

Den Ausschlag für seinen Austritt hätte schließlich die Tatsache gegeben, dass zwei Fraktionsmitarbeiter mit lupenreiner Neo-Nazi-Vergangenheit erst nach langer Diskussion entlassen worden seien. "Da war für mich die rote Linie überschritten. Mit Neonazis mache ich mich definitiv nicht gemein."

Da habe er dann beschlossen, dass er nicht mehr das bürgerliche Aushängeschild der AfD sein wolle. „Bis hierhin und nicht weiter.“ Jetzt möchte der Biobauer zur CSU wechseln. Denn: Die CSU sei für ihn als Liberal-Konservativer das Naheliegendste.

„Von Tag ein an war es ein Kampf gegen Rechtsextremismus“

„Von Tag eins an war es ein Kampf gegen Rechtsextremismus innerhalb der Fraktion. Man musste aufpassen, dass man selbst und die Vernünftigen in der Fraktion nicht irgendwelchen Intrigen zum Opfer fallen", sagt Plenk. Seinen Computer habe er in dieser Zeit mit auf die Toilette genommen. Aus Vorsicht, wie er sagt. Er fürchtete, dass ihm von Parteikollegen etwas angehängt werden könnte.

AfD äußert sich und weist Vorwürfe zurück

Nach dem Auftritt von Plenk bei Lanz meldet sich der AfD-Kreisverband Traunstein nun in einer Pressemeldung zu Wort. In der Meldung heißt es im Wortlaut:

"Von den durch Herrn MdL Markus Plenk seit seinem Parteiaustritt am 08.04.2019 getätigten Äußerungen und Vorgehen, zuletzt in der Sendung bei Markus Lanz am 13.06.2019, distanzieren wir uns als Kreisverband Traunstein ausdrücklich, so Vorsitzender Robert Bock.

Die Äußerungen, „die AfD sei eine fremdenfeindliche bzw. im Kern rechtsradikale Partei“ weisen wir nachdrücklich zurück, da dies nicht der Wahrheit entspricht. Die durch Herrn Markus Plenk getätigten Vorwürfe sind Pauschalisierungen, welche er während seiner Partei Zugehörigkeit in der AfD, gegen diese selbst scharf kritisiert hat.

In ihrem Grundsatzprogramm hat sich die AfD als eine demokratische und konservative Partei ohne fremdenfeindliche oder rassistische Töne positioniert.

Herr MdL Markus Plenk hat sich gerade während seiner Zeit, in der er seine Ämter als stellvertretender Vorsitzender des KV-Traunstein, als Vorsitzender des Bezirks Oberbayern und als Fraktionsvorsitzender innehatte, geweigert internen Gruppen, wie Telegram oder Facebook beizutreten. Den Kampf gegen die angeblich unhaltbaren Zustände, hat Herr MdL Plenk intern selbst unterlassen.

Die Liebäugelei mit der CSU durch Herrn MdL Markus Plenk verwundert uns als Vorstandschaft des KV-Traunstein sehr, so Vorsitzender Robert Bock. Der Wahlslogan „Die AfD hält, was die CSU verspricht“, wurde im Landtagswahlkampf 2018 in Bayern von Herrn Plenk sehr gern genutzt und favorisiert. Hat sich die CSU seit MdL Plenks Mitgliedschaft bei der AfD etwa erneuert, oder war dies eine gezielte Erschleichung eines Mandates?"

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