Prozess um versuchten Totschlag in Trostberger Nachtleben

Zeugin berichtet, wie sie Angreifer das Messer entriss

Traunstein/Mühldorf am Inn: Nachbarn im November 2019 erstochen - Mann wegen Totschlags vor Gericht
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Messer in den Rücken gerammt? Prozess um versuchten Totschlag am Landgericht Traunstein (Symbolbild).

Traunstein/Trostberg - Seit 9 Uhr läuft der Prozess gegen einen Mann aus Tacherting, der einem anderen ein 7 cm langes Messer in den Rücken gerammt haben soll. chiemgau24.de berichtet live aus dem Gerichtssaal:

Update, 16.24 Uhr - Zeugin entriss dem Angreifer das Messer


Nun wird die Zeugin vor Gericht geladen, die dem Angeklagten das Messer abnahm, mit dem er zuvor einen mutmaßlich lebensgefährlichen Stich setzte. Die Frau gehörte zur Gruppe, auf die der Angeklagte in jener Nacht in der Trostberger Altstadt „wütend“ angerannt kam. Sie selbst kannte den Mann bis dato nicht. 

Die Frau bestätigt dem Gericht, dass es nach einem ersten Schlag zu einer Rangelei kam. Die Gruppe habe den Angeklagten dann zu Boden bringen können. „Plötzlich schrie jemand ‚Er hat ein Messer abgekriegt‘“, so die Zeugin. Die Umstehenden hätten dann die Arme des Tachertingers fixiert, die Frau entriss ihm geistesgegenwärtig das Messer - und versteckte es, damit es außer Reichweite für alle Beteiligten war. 

„Es war ein riesiges Tohuwabohu. Aber dafür, dass er ein Messer abgekriegt hat, blieb er noch relativ ruhig“, so die Zeugin über den Geschädigten Altenmarkter. Während der Angeklagte zuvor noch völlig in Rage gewesen sein soll, habe er nach dem Messerstich einen „entsetzten Eindruck“ gemacht, berichtet die Frau. 

Außerdem berichtete ein Bewohner der Trostberger Altstadt dem Gericht von dem Tumult unterhalb seines Fensters. Den Stich habe er nicht erkennen können, jedoch habe er mehrfach „Messer“-Rufe gehört - und er habe gesehen, wie der mutmaßliche Angreifer nach der Tat von der Gruppe zu Boden gestoßen wurde. 

Der Prozess wird am Freitag, 4. September, vor dem Traunsteiner Landgericht fortgesetzt. Dann werden weitere direkt Beteiligte als Zeugen aussagen, unter anderem auch der Hauptgeschädigte.

Update, 12.04 Uhr - Angeklagter gesteht Messerstich: „Hatte den Rausch meines Lebens“


„Alles ging so schnell, ich war betrunken. Ich hatte panische Angst und hab‘ dann zugestochen“ - im Kern ist der 20-jährige Angeklagte geständig. Er gibt zu, während einer Rangelei seinen Kontrahenten im Trostberger Nachtleben einen Messerstich verpasst zu haben. Die Tat sei jedoch nicht geplant gewesen, man habe sich nur zufällig getroffen. 

Hintergrund sollen „Unstimmigkeiten“ bei Marihuanageschäften gewesen sein. „Das wollte er klären“, so Anwalt Baumgärtl. Die ganze Auseinandersetzung habe „keine zehn Minuten“ gedauert, so der Angeklagte. Auch den ersten Schlag gegen den Fahrer des Autos gibt der junge Mann zu. Da sei das Messer aber noch nicht im Spiel gewesen. Danach sei er von den umstehenden Personen zu Boden gebracht worden. 

Das Messer habe der 20-Jährige dann „im Affekt“ gezogen: „Ich wollte ja niemanden töten, wollte nur raus aus dieser Situation.“ Nach dem Messerstich sei er selbst „geschockt“ gewesen. Geplant sei die Tat nicht gewesen, vielmehr habe er in jener Nacht nur feiern wollen. Viel Alkohol sei geflossen, dazu habe er etwas Amphetamin geschnupft: „Ich hatte den Rausch meines Lebens.“ 

Mehrfach entschuldigt sich der Tachertinger vor Gericht beim Geschädigten, der ebenfalls mit einer Anwältin im Gerichtssaal erschienen ist. Das sieben Zentimeter lange Klappmesser, das vor Gericht gezeigt wird, landete bis zum Schaft in der Lunge des Kontrahenten. Er verlor bis zu 25 Prozent seines Blutes. Nun werden die Zeugen vernommen. Das Gericht ist gespannt, wie die anderen Beteiligten die Tat schildern.

Update, 10 Uhr - Prozessbeginn am Traunsteiner Landgericht

Der Prozess um Messerstiche im Trostberger Nachtleben hat nun vor dem Landgericht in Traunstein begonnen. Auf der Anklagebank sitzt ein 20-jähriger Lehrling aus Tacherting. Er macht einen ruhigen und zurückhaltenden Eindruck, neben ihm seine Anwälte Harald Baumgärtl und Michael Fraunhofer

Die Anklageschrift wird verlesen: In den frühen Morgenstunden des 29. Dezember 2019 sollen sich die Taten am Trostberger Heimatmuseum ereignet haben. Ein Auto mit drei Insassen soll der junge Mann aufgehalten und den Fahrer zum Aussteigen aufgefordert haben. Begonnen haben soll es laut Staatsanwalt Andrä dann mit einem Faustschlag ins Gesicht des Fahrers. Dann sei das Klappmesser ins Spiel gekommen, Klingenlänge sieben Zentimeter. 

Den ersten Stich habe der Fahrer noch mit der Hand abwehren können, sei an der Hand verletzt worden, so die Staatsanwaltschaft. Als einer der Beifahrer schlichten wollte, traf ihn der Angeklagte mit dem Messer am Mundwinkel. Während einer Rangelei habe der Tachertinger das Klappmesser dann in den Rücken des Beifahrers gerammt: „Die Klinge drang vollständig ein. Die Lunge des Geschädigten wurde verletzt“, so Staatsanwalt Andrä.

Für den Geschädigten habe konkrete Lebensgefahr bestanden, bis zu 25 Prozent Blut habe der Mann nach der Messerattacke verloren. Nur weil der Mann schnell behandelt wurde, habe er überlebt, meint der Ankläger. Trotzdem blieben „gravierende Dauerschäden“ in der Lunge. Der Angeklagte sei nach der Tat einfach in ein Spielcasino gegangen. 

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ist der 20-jährige Tachertinger angeklagt. Ist er geständig? Wird er sich überhaupt zur Tat äußern?

Vorbericht - Tachertinger wegen versuchten Totschlags vor Gericht

In der Nacht vom 29. Dezember ist in Trostberg ein Streit mehrerer junger Männer eskaliert. Die Beteiligten sollen in der Nähe des Museums in Streit geraten sein. Mit zunehmender Dauer sei es dann zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen, wie die Polizei damals mitteilte. Der Clinch soll dann derart eskaliert sein, dass ein Messer gezogen wurde. 

Ein 20-jähriger Tachertinger soll dem 23-jährigen Geschädigten aus Altenmarkt ein Messer in den Rücken gerammt und ihn verletzt haben. Laut Polizei brachten Freunde den Verwundeten in das Trostberger Krankenhaus. Der 20-Jährige muss sich daher nun wegen versuchten Totschlags vor der Jugendkammer des Landgericht Traunstein verantworten.

Das Gericht setzte drei Verhandlungstage an: 2., 4., und 8. September, jeweils 9 Uhr.

jb

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