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Fall aus Oktober 2019 wird in Traunstein verhandelt

Gutachter: „Kann nicht ausschließen, dass die Aussagen des Angeklagten zutreffen“

Am Samstag, den 19. Oktober 2019 verletzte ein Mann auf dem Parkplatz eines Kinos in Waldkraiburg einen 41-Jährigen mit einem Messer lebensgefährlich. Drei Tage später, am Dienstag, den 22. Oktober 2019 wurde der mutmaßliche Täter in Aschau am Inn verhaftet.
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Am Samstag, den 19. Oktober 2019 verletzte ein Mann auf dem Parkplatz eines Kinos in Waldkraiburg einen 41-Jährigen mit einem Messer lebensgefährlich. Drei Tage später, am Dienstag, den 22. Oktober 2019 wurde der mutmaßliche Täter in Aschau am Inn verhaftet.

Waldkraiburg/Traunstein - Ab Donnerstag, den 10. September, kommt der Fall einer Messerstecherei auf einem Kino-Parkplatz im Oktober 2019 zur Verhandlung.

  • Wegen Schulden des einen beim anderen gerieten Ende Oktober 2019 zwei Männer auf einem Kino-Parkplatz in Streit. Einer blieb am Ende verletzt liegen, der andere flüchtete und wurde drei Tage später verhaftet.
  • Am Ersten Prozesstag vor dem Landgericht Traunstein gingen die Aussagen von Angeklagtem und Geschädigten über den Ablauf und die Hintergründe des Geschehens auseinander
  • Der Angeklagte behauptete, die Schulden seien aus Drogengeschäften der Beiden. Er habe nur zur Verteidigung ein Messer hervorgeholt, der andere sich beim Versuch auf ihn einzuschlagen verletzt.
  • Der Geschädigte behauptet, dem Angeklagten das Geld nur geliehen zu haben. Dieser habe ihn nach einer vorangegangenen Schlägerei hinterrücks mit einem Messer attackiert.
  • Ein Polizist sagte aus, der Geschädigte sei polizeibekannt.
  • Am zweiten Prozesstag am Freitag, den 11. September sagten zahlreiche Zeugen aus.

Update, 14.25 Uhr - Aussagen der Gutachter

Eine BKA-Gutachterin sagt außerdem, unter anderem, noch aus. Die Kleidung, welche der Angeklagte mutmaßlich am Tatabend trug, war vor der Sicherstellung durch die Polizei gewaschen worden. Alleine auf einem seiner Schuhe fand sich eine Blutspur, die dem Geschädigten zugeordnet werden konnte. Auch konnte kein Messer sichergestellt werden, das eindeutig als Tatwaffe zugeordnet werden konnte.

„Trotz Kleidung diese Verletzung zu verursachen, dafür brauchte es ein sehr scharfes Messer und eine gewisse Wucht des Schlages, um die dem Geschädigten zugefügten Verletzungen zu verursachen“, berichtet dann ein medizinischer Gutachter. „Ohne dass die Tatwaffe vorliegt, finde ich es zweifelhaft, dass man feststellen kann wie gezielt die Schnitte waren“, bemerkt der Verteidiger.

Die Verletzungen des Geschädigten würden zu dessen Schilderungen von Abwehrhandlungen, bei denen er verletzt wurde grundsätzlich passen. „Heißt das, dass sie wiederum nicht mit den Aussagen des Angeklagten zusammenpassen?“, will daraufhin der Verteidiger wissen. „Wodurch genau die Verletzungen zu Stande gekommen sind, das kann ich nicht bewerten“, räumt der Gutachter ein. „Ich kann also auch nicht ausschließen, dass die Aussagen des Angeklagten zutreffen.“

Die Verhandlung am Donnerstag endet damit. Der Prozess wird am Freitag, den 10. September um 9 Uhr mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt.

Update, 13.50 Uhr - Mehrere Polizisten sagen aus

Dann sagen mehrere Polizisten aus. „Wir wollten eigentlich nur eine routinemäßige Nachfrage bei einem Angehörigen des Angeklagten durchführen“, berichtet unter anderem derjenige, der den Angeklagten verhaftete. Als sie davon gerade auf der Rückfahrt waren, seien sie verständigt worden, dass der Angeklagte in Aschau gesichtet wurde. Sie hätten ihn schließlich ausfindig machen und nach kurzer Flucht widerstandslos festnehmen können.

Auch der Beamte, der Sachbearbeiter des Falls war, sagt aus. Der Geschädigte sei polizeibekannt. Bei einer Handy-Auswertung seien wütende Textnachrichten zwischen Angeklagten und Geschädigten gefunden worden, die aber keine Hinweise auf die genauen Hintergründe der Schulden oder des Streits ergaben. „Es hat einen Drohbrief an den Angeklagten gegeben, in dem ihm Gewalt wegen seines Verhaltens angedroht wurde“, berichtet er außerdem unter anderem. Dieser habe aber niemandem eindeutig zugeordnet werden können.

In der Vernehmung des Geschädigten habe dieser den Angeklagten eindeutig als Täter benannt. „Das hat mich schon verwundert.“ Er rechne den Geschädigten dem örtlichen Drogenmilieu zu. „Da kommen solche eindeutigen Aussagen selten“, merkt der Polizist an. Auf Nachfrage des Verteidigers bemerkt er, seiner Erinnerung nach habe der Geschädigte verneint, dass die Schulden des Angeklagten aus Drogengeschäften stammten.

Update, 13.15 Uhr - Geschädigter hält sich bedeckt und will nichts von Drogengeschäften wissen

Nun sagt der Geschädigte aus. Gleich zu Beginn gestikuliert er in die Richtung des zu Boden blickenden Angeklagten, fordert diesen damit auf, ihn anzusehen. „Ich kann ja verstehen, dass Sie wegen der Tat wütend sind, aber so ein Verhalten verbitte ich mir“, ermahnt ihn der Vorsitzende Richter eindringlich. „Ich will, dass er mich anschaut, nach dem was er getan hat“, gibt sich der Geschädigte kleinlaut.

Zur Frage, ob er mit Betäubungsmitteln zu tun hat, verweigert er die Aussage. Dass der Angeklagte Betäubungsmittel konsumierte, sei ihm unbekannt gewesen. „Er hat Geld gebraucht, also habe ich ihm das geliehen. Wir kannten uns schon länger.“ Mehr wolle er dazu nicht sagen. Auch auf Detailfragen des Verteidigers verweigert er immer wieder die Antwort. Der Vorsitzende Richter muss außerdem immer wieder nachhaken, bis er konkrete Aussagen erhält.

Der Angeschuldigte habe ihm Ort und Termin des Treffens in der Diskothek vorgeschlagen. „Wir haben uns dann geeinigt, hinaus auf den Parkplatz zu gehen um zu sprechen, da wir das Gespräch vertraulich halten wollten.“ Die Aussprache über die Begleichung der Schulden sei dann in einen Streit und schließlich eine Schlägerei eskaliert.

„Wer angefangen hat, das weiß ich nicht“, betont der Geschädigte. „Ich hatte schon einiges getrunken und kann mich nicht mehr genau an alles erinnern.“ Der Angeklagte sei in dem Handgemenge unterlegen gewesen, weshalb er schließlich von ihm abgelassen habe. „Die Sache war damit für mich erledigt. Ich wollte dann meinen Schwager anrufen, damit er mich abholt.“ Während er telefonierte, sei auf einmal der Angeklagte mit dem Messer hinter ihm gestanden und habe ihn dann attackiert.

„Ich bin ihm dann noch nach und schließlich zusammengebrochen. Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als ich im Krankenhaus aufgewacht bin.“ Insgesamt zehn Tage habe er dort verbringen müssen. Einige der Verletzungen würden ihm bis heute Schmerzen bereiten. Erst seit Januar könne er wieder arbeiten und habe dabei wegen der Wunden bis heute Probleme.

„Warum haben sie in der polizeilichen Vernehmung noch nicht erwähnt, dass sie dem Beschuldigten den Rücken zuwandten, als er sich ihnen mit dem Messer näherte?“, fragt der Verteidiger unter anderem nach. „Das weiß ich nicht mehr“, erwidert der Geschädigte. Der Angeklagte verfolgt die Vernehmung des Geschädigten ruhig, blickt immer wieder zu Boden.

Update, 9.20 Uhr - Kein Mordversuch sondern Selbstverteidigung

Nun lässt der Angeklagte durch seinen Verteidiger eine Erklärung zu seiner Person und seiner Sicht des Geschehens am Tatabend verlesen. Schon als Jugendlicher habe er ein Alkoholproblem entwickelt. Es folgte ein Abrutschen in die Drogensucht und immer wieder Verurteilungen und Gefängnisaufenthalte.

Am Tag der Tat habe er den Tag bereits damit begonnen, sich einen Cocktail aus Heroin und Kokain zu spritzen. Über den Tag hinweg konsumierte er 10 Dosen Bier und einen Joint. Hintergrund des Streits sei ein Drogengeschäft gewesen. Der Angeklagte hatte ihm zum Verkauf überlassenes Heroin selbst konsumiert. Daraufhin habe das Opfer sein Geld eingefordert gehabt.

Unmittelbar vor einem Treffen in einer Diskothek in Waldkraiburg habe sich der Beschuldigte erneut einen Heroin/Kokain-Cocktail verabreicht. Beim Aufeinandertreffen von Angeklagtem und Opfer sei die Stimmung sofort aggressiv gewesen. Das Opfer habe dem Beschuldigten neben seinen Schulden auch vorgeworfen, üble Gerüchte über ihn verbreitet zu haben.

Die erste Auseinandersetzung mit Fäusten habe der Geschädigte begonnen. Das Messer habe der Angeklagte gezückt, um damit die Angriffe des Geschädigten abzuwehren. Trotzdem habe der Geschädigte seine Attacken fortgesetzt und sich dabei verletzt. Der Angeklagte habe den Geschädigten zu keinem Zeitpunkt töten wollen, sondern sich mit dem Messer lediglich verteidigt.

Nach einer kurzen Pause folgen Zeugenaussagen.

Update, 9 Uhr - Mutmaßlicher versuchter Mord wegen 700 Euro

Die Anklageschrift wird verlesen. Demnach sollen der Angeklagte und der Geschädigte wegen 700 Euro in Streit geraten sein. Deshalb sei es am Abend der Tat zunächst zu einer Auseinandersetzung mit gegenseitigen Schlägen gekommen. Nachdem diese vorüber war, habe das Opfer begonnen, mit einem Schwager zu telefonieren.

Während der Mann nichtsahnend telefonierte, habe der Angeschuldigte plötzlich mit einem Messer auf seinen Oberkörper eingestochen und ihn an Brust und Bauch verletzt. Beim Versuch, sich zu schützen, sei das Opfer dann außerdem an der linken Hand und am rechten Oberschenkel verletzt worden.

Der Angeklagte sei daraufhin, im Glauben der Verletzte werde nicht überleben, geflohen. Der Geschädigte verfolgte ihn noch kurz und brach schließlich aufgrund seines erheblichen Blutverlusts zusammen. Der Verwundete wurde dann zufällig von den Türstehern einer nahen Diskothek entdeckt. Nur durch eine Notoperation konnte sein Leben gerettet werden.  

Erstmeldung:

Ab Donnerstag, den 10. September, muss sich vor dem Landgericht Traunstein ein heute 40-jähriger Mann aus Waldkraiburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor.

Messerstecherei auf Waldkraiburger Kinoparkplatz im Oktober 2019 nun in Traunstein vor Gericht

Laut dem Polizeibericht gerieten an einem Samstagabend Ende Oktober 2019 zwei Männer auf dem Parkplatz eines Kinos in Waldkraiburg in Streit. Hierbei soll einer der Männer ein Messer gezückt haben und damit auf den anderen losgegangen sein. Das 41-jährige Opfer wurde durch mehrere Stich- und Schnittverletzungen lebensgefährlich verletzt.

Dank sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen und einer Notoperation konnte das Leben des Mannes gerettet werden. Der Täter konnte sich vom Tatort entfernen. Nach Übernahme der Sachbearbeitung wurde bei der Kriminalpolizeistation Mühldorf am Inn die Ermittlungsgruppe „Kino“ gegründet, die unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft seitdem mit Hochdruck an der Festnahme des Tatverdächtigen und Aufklärung des Sachverhaltes arbeitet. 

Polizeieinsatz an Parkplatz in Waldkraiburg

 © fib/Eß
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Angeklagter wurde in Aschau verhaftet

Drei Tage darauf, an einem Dienstag, konnte der Angeklagte schließlich von Beamten der Kripo Mühldorf mit Unterstützung von Kräften der Polizeiinspektion Waldkraiburg und eines Diensthundeführers der Operativen Einsatzdienste (OED) Traunstein in Aschau am Inn festgenommen werden. Es handelt sich um einen heute 40-jährigen deutschen Staatsangehörigen aus Waldkraiburg, der in der Vergangenheit bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten sein soll. Er wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft umgehend einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl erließ. Der 39-Jährige wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert. 

Die Verhandlung beginnt am Donnerstag, den 10. September ab 9 Uhr. Als weitere Verhandlungstermine sind Freitag, der 11. September ab 9 Uhr und Dienstag, der 15. September ab 9 Uhr angesetzt. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Prozess.

hs/Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

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