Lehrling aus Tacherting verurteilt

Lebensgefährlicher Messerstich im Trostberger Nachtleben: Urteil gefallen

Trostberg/Traunstein - Ohne Notoperation wäre ein 24-Jähriger ums Leben gekommen - wegen eines Messerstichs im Trostberger Nachtleben wird am Dienstag, 8. September, wohl das Urteil gegen einen Tachertinger fallen.

Das Wichtigste in Kürze:


  • Ein 20-jähriger Mann aus Tacherting steht vor Gericht
  • Er soll einem 24-Jährigen ein Messer bis in die Lunge gerammt haben
  • Die Verhandlung am Landgericht in Traunstein wird fortgesetzt
  • Ein Urteil wird am heutigen Dienstag (8. September) erwartet
  • Es kommt zur Aussprache zwischen Angeklagtem und Geschädigtem
  • Lehrling aus Tacherting wird zu drei Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt

Update, 14.30 Uhr - Lebensgefährlicher Messerstich im Trostberger Nachtleben: Urteil gefallen


Drei Jahre und drei Monate Jugendhaft, so lautet das Urteil des Traunsteiner Landgerichts. Der 20-jährige Tachertinger ist schuldig der vorsätzlichen und gefährlichen Körperverletzung. Die Verurteilung erfolgte nach Jugendstrafrecht. Der Lehrling hat in den frühen Morgenstunden des 29. Dezember 2019 in der Trostberger Altstadt einen 24-jährigen Altenmarkter mit einem Messerstich in die Lunge schwer verletzt. 

Die vorsitzende Richterin Heike Will spricht von einer „lebensgefährlichen Stichverletzung“ mit einem Blutverlust von bis zu 25 Prozent. „Unbehandelt wäre er verstorben“, so die Richterin. „Sie hatten sicher nicht geahnt, welche weitreichende Folgen es für Ihr Leben und für das Leben das Geschädigten nehmen würde“, so das Gericht. Der Angeklagte hatte bei der Tat knapp 2,5 Promille Alkohol im Blut und stand unter dem Einfluss von Amphetamin. 

Hintergrund für den Streit waren Meinungsverschiedenheiten nach einem früheren Marihuanageschäft zwischen dem Angeklagten und einem weiteren Geschädigten. Hierbei setzte es bereits einen Faustschlag. Der 24-jährige Hauptgeschädigte wollte den Streit dann nur schlichten und ging dazwischen. Als der Angeklagte von ihm in eine Art „Schwitzkasten“ genommen wurde, setzte es den Messerstich. 

Angeklagt war der junge Mann ursprünglich wegen versuchten Totschlags, doch ein Tötungsvorsatz konnte vom Gericht nicht nachgewiesen werden. Das Urteil - drei Jahre und drei Monate Jugendhaft - liegt damit wesentlich näher am Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Sie forderte drei Jahre und neun Monate Haft. Die Verteidigung forderte lediglich zwei Jahre und eine Prüfung, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann. 

Update, 11.35 Uhr - Messerstich im Trostberger Nachtleben: Lange Haft oder Bewährung?

Ein lebensgefährlicher Messerstich nach einer Rangelei im Trostberger Nachtleben - muss der 20-jährige Angeklagte dafür jahrelang ins Gefängnis oder kommt er vielleicht sogar mit einer Bewährungsstrafe davon? Die Plädoyers vor dem Traunsteiner Landgericht sind gehalten und sie weisen in unterschiedliche Richtungen.

„Was da passiert ist, hat nur Verlierer zurückgelassen“, so Staatsanwalt Andrä. Darüber sind sich alle einig. Auch Tat und Tathergang sind geklärt, alle gehen vom selben Geschehen aus und sind der Meinung, dass Jugendstrafrecht angewandt werden soll. Aber: Die Staatsanwaltschaft fordert im Plädoyer drei Jahre und neun Monate Haft, die Verteidigung fordert maximal zwei Jahre und hält eine Bewährungsstrafe für möglich. 

Mit ganzer Klingenlänge von sieben Zentimeter habe der Angeklagte dem 24-jährigen Altenmarkter das Messer in den Rücken gestochen: „Er nahm es in Kauf, dass jemand stirbt. Es war ihm auch egal, welche Körperregion er trifft und die Verletzungen waren ganz erheblich“, so Staatsanwalt Andrä. Er sieht einen „bedingten Tötungsvorsatz“. 

Die Nebenklage stellt im Plädoyer die Folgen des Altenmarkters in den Mittelpunkt. Der 29. Dezember 2019 hätte sein Leben „ganz drastisch verändert“: Unruhiger Schlaf, körperliche Erschöpfung und Ängstlichkeit in manchen Alltagssituationen - „alles ist für ihn schwieriger geworden“.

Und wie argumentiert die Verteidigung? Die Zeugen hätten von einem „Aggressionsrausch“ beim angeklagten Tachertinger berichtet, er habe - unter Drogen- und Alkoholeinfluss - im Affekt gehandelt. Daher könne man ihm keinen Tötungsvorsatz unterstellen, so Anwalt Harald Baumgärtl. Auch der zweite Verteidiger, Michael Fraunhofer, spricht von einer Kurzschlusshandlung. Außerdem habe sich der Angeklagte in einer „notwehrähnlichen Situation“ befunden, als er sich aus dem Griff des Hauptgeschädigten befreien wollte. 

„Es tut mir leid was geschehen ist, ich würde es gerne rückgängig machen. Das knappe Jahr in U-Haft hat mir die Augen geöffnet“, so die letzten Worte des Angeklagten. Nun fehlt nur noch das Urteil des Gerichts unter Vorsitz von Richterin Heike Will.

Update, 10.28 Uhr - Trotz Schmerzensgeld und Aussprache: Opfer „noch immer aufgewühlt“

Der Prozess gegen einen 20-jährigen Lehrling aus Tacherting neigt sich dem Ende entgegen. Auch am dritten und letzten Prozesstag verhält er sich ruhig und zurückhaltend auf der Anklagebank zwischen seinen beiden Verteidigern. Fast wirkt er abwesend. Aller Voraussicht nach wird das Landgericht heute ein Urteil gegen den jungen Mann fällen. 

Dem Gesetz nach gilt er mit 20 Jahren als heranwachsend. Obwohl ihm keine „schädlichen Neigungen“ und eine positive Sozialprognose attestiert wurden, spricht sich die Jugendgerichtshilfe dafür aus, nicht Erwachsenen-, sondern Jugendstrafrecht anzuwenden. Sie sieht beim Angeklagten Reifeverzögerungen. In der Regel hält sich das Gericht an die Empfehlung der Jugendgerichtshilfe. 

Angeklagter und Hauptgeschädigter, ein 24-Jähriger aus Altenmarkt, gehen heute einen Schritt aufeinander zu. Der Prozess wurde kurz nach der Eröffnung für 15 Minuten unterbrochen - es kam zur Aussprache in einem Nebenraum in Begleitung von Polizisten. Die beiden konnten persönlich miteinander sprechen. „Ich bin noch immer aufgewühlt“, so der Altenmarkter nach der Aussprache. Eine Entschuldigung des Angeklagten nahm er aber an.

Vor dem Prozess wechselte außerdem ein Umschlag den Besitzer - vom Angeklagten zum Hauptgeschädigten. Der Inhalt: 5.000 Euro Schmerzensgeld in bar. Bekannt wurde aber darüber hinaus, dass der Angeklagte nicht das erste Mal gewalttätig wurde. Schon einmal setzte es ein Urteil wegen Körperverletzung. Im Prozess werden nun die Plädoyers erwartet.

Vorbericht, 8. September, 8 Uhr:

Bis in die Lunge soll ein junger Tachertinger seinem Kontrahenten in den frühen Morgenstunden des 29. Dezember vorigen Jahres in der Trostberger Altstadt ein Messer hineingerammt haben. Der Geschädigte, ein 24-jähriger aus Altenmarkt, wollte eigentlich nur einen Streit schlichten und war ansonsten unbeteiligt. Zuvor habe der angeklagte Tachertinger, 20 Jahre alt und Lehrling, einem Weiteren aus der Gruppe bereits einen Faustschlag versetzt. Zwischen den beiden ging es wohl um Meinungsverschiedenheiten nach Marihuanageschäften.

Urteil im Prozess um Messerstich im Trostberger Nachtleben?

Während der Rangelei soll der Tachertinger ein Klappmesser gezogen und zugestochen haben. Die Spitze der sieben Zentimeter langen Klinge landete in der Lunge seines Kontrahenten. Eine Zeugin konnte dem Mann dann das Messer wegnehmen, als er fixiert am Boden lag. Der Altenmarkter verlor viel Blut und musste im Nachgang in München notoperiert werden. „Ohne den Eingriff hätte er nicht überlebt“, so ein Gerichtsmediziner beim jüngsten Prozesstag. Wegen der Lungenverletzungen attestierten die Ärzte dem geschädigten Altenmarkter danach eine Kondition „wie bei einem Kleinkind", die er erst wieder aufbauen müsse.

Am heutigen Dienstag, 8. September, wird die Verhandlung am Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Erwartet werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und der Verteidigung. Auch ein Urteil soll am Dienstag fallen. chiemgau24.de wird aktuell aus dem Landgericht berichten.

xe

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