24-Jähriger leidet an psychischer Krankheit

Attacken mit Axt und Messer in Traunreut: Urteil gefallen

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Der Prozess um die lebensgefährlichen Messerstiche am Parkplatz der Traunpassage beginnt am Landgericht Traunstein. Die Tat ereignete sich am 22. Mai in Traunreut. Der Angeklagte ist wegen einer paranoiden Schizophrenie wohl schuldunfähig.

Traunreut/Traunstein - Ein 18-Jähriger wurde mit einer Axt geschlagen, nur sechs Tage später setzte es lebensgefährliche Messerstiche auf dem Parkplatz der Traunpassage gegen einen weiteren jungen Mann. Der Angeklagte wurde nun verurteilt.

Update, 16.31 Uhr - Attacken mit Axt und Messer in Traunreut: Urteil gefallen 

Das Traunsteiner Landgericht hat geurteilt: Der 24-jährige Traunreuter wird in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. „Das ist die einzige Möglichkeit, weil er an einer paranoiden Schizophrenie leidet“, so der Vorsitzende Richter Erich Fuchs. Die beiden Taten am 16. und 22. Mai wertet das Gericht als gefährliche Körperverletzungen

„Der Angeklagte hat mit Tötungsvorsatz gehandelt“, so Fuchs - aber er sei bei beiden Attacken von diesem Vorsatz noch zurückgetreten, hat von den Geschädigten schließlich abgelassen. Die Staatsanwaltschaft plädierte zuvor noch auf versuchten Mord. Am 16. Mai attackierte er einen damals 18-Jährigen in Traunreut mit einer Axt, schlug ihm zweimal auf den Hinterkopf. Sechs Tage später dann Stiche und Schnitte in Nacken, Gesicht und Gesäß eines 21-Jährigen. „An ihm wollte er sich rächen“, so Fuchs. Denn der Angeklagte meinte, seine Freunde hätten ihm Gift verabreicht - eine Einbildung.

Bei zwei der Stiche auf dem Parkplatz der Traunpassage drang das Messer zehn Zentimeter tief ein. Der „starke Vernichtungswille“ des Angeklagten habe sich auch vor Gericht gezeigt, als der Angeklagte einem Geschädigten sagte, er hätte ihn auch erschießen können. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, binnen einer Woche können Rechtsmittel dagegen eingelegt werden. 

Update, 15.48 Uhr - Attacken mit Axt und Messer: Versuchter Mord oder „nur“ Körperverletzung?

Bei den Plädoyers herrscht große Einigkeit: Wegen seiner paranoiden Schizophrenie soll der Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. So fordern es Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung. Alle sehen es als erwiesen an, dass der 24-jährige Traunreuter am 16. Mai einen damals 18-Jährigen grundlos mit einer Axt attackierte. Auch die zweite Tat ist unstrittig: Am 22. Mai griff er einen 21-Jährigen mit einem Messer am Traunpassagen-Parkplatz an. Die Stiche gingen ins Gesicht, gegen den Kopf und in den Rücken. 

In den Augen der Staatsanwaltschaft sind damit die Straftatbestände des versuchten Mordes, der gefährlichen und der schweren Körperverletzung erfüllt. Verteidiger Michael Vogel sieht es anders. Für ihn trat sein Mandant von den Mordversuchen zurück. Er plädiert „nur“ auf gefährliche Körperverletzung.

Einen Einblick in die Gedankenwelt des Angeklagten lieferte zuvor auch der psychiatrische Gutachter: „Er leidet unter Wahnvorstellungen, man wolle ihn vergiften.“ Tatsächlich zweifelte der Angeklagte auch vor Gericht ein Haargutachten von ihm an und fragt: „Wurden da keine giftigen Substanzen festgestellt?“ Der vorsitzende Richter Erich Fuchs antwortete ihm nüchtern: „Ob Sie‘s glauben oder nicht, Sie wurden nicht vergiftet sondern leiden an einer Schizophrenie.“ Doch die psychiatrische Erkrankung habe er immer weit von sich gewiesen, so der Gutachter. 

Hier sei auch das Motiv für die Taten zu finden: „Er wollte sich rächen, weil er meinte, vergiftet worden zu sein“, so Staatsanwalt Andrä im Plädoyer. Der Tatantrieb sei in seiner Wahnvorstellung gelegen, nicht daran, dass er - wie bei der ersten Tat - keine Zigarette bekommen habe. Der Staatsanwalt betont auch, dass vor allem der Geschädigte vom Traunpassagen-Parkplatz doppelt Glück hatte: Zum einen habe das Messer nur durch Zufall keine lebenswichtigen Organe erwischt, zum anderen sei das Messer im Laufe der Auseinandersetzung abgebrochen. „Sonst würden wir hier wohl von einem vollendeten Tötungsdelikt sprechen.“ 

Nun warten die Gerichtsbeteiligten nur noch auf den Urteilsspruch des Traunsteiner Landgerichts

Update, 12.35 Uhr - Angeklagter zum Opfer: „Sei froh, dass ich Dich nicht erschossen habe“

Nun sagen die beiden Opfer vor Gericht aus, die im Mai 2020 mit einer Axt bzw. mit einem Messer in Traunreut vom Angeklagten attackiert wurden. Im Fokus steht der zweite Geschädigte, der mit einem großen Küchenmesser unter anderem im Gesicht und am Rücken verletzt wurde. „Früher waren wir gute Kumpels. Aber seit er im Februar im Krankenhaus war, hat er sich verändert. Er meinte, wir hätten versucht, ihn zu vergiften.“

Am späten Abend des 22. Mai trafen sich die beiden dann auf dem Parkplatz von McDonalds und Traunpassage. „Ich wollte mit ihm reden, habe aus Wut zuerst auch versucht, ihn zu Boden zu bringen“, gesteht der heute 21-Jährige. Nachdem sich die Lage beruhigte, kam es einige Zeit später zur verhängnisvollen zweiten Auseinandersetzung. Plötzlich habe er einen Stich in den Rücken verspürt.

Mehrere Male hat er mit dem Messen in meinen Rücken gestochen und mir damit das Gesicht zerkratzt, mich zu Boden gebracht und mir mit den Füßen gegen den Kopf getreten.“ Plötzlich ergreift der Angeklagte, der sich sonst eher ruhig verhält, das Wort. Er zeigt mit dem Finger auf den Geschädigten und sagt mit einem Grinsen im Gesicht: „Sei froh, dass ich Dich nicht erschossen habe.“ Für die Staatsanwaltschaft gilt der 24-jährige Angeklagte als psychisch krank und schuldunfähig. Er war bisher im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum untergebracht.

Zum Schluss der lebensgefährlichen Auseinandersetzung hätten sich schnell einige Leute eingemischt, die in der Warteschlange des McDrive standen. Die beiden wurden getrennt, der Notarzt wurde verständigt. Weitere Zeugen berichten vom vielen Blut auf dem Parkplatz der Traunpassage. Der 21-jährige Traunreuter zeigt dann dem Gericht die Verletzungen. Narben im Gesicht, am Kopf und am Rücken. Vor allem im Schulterbereich verspürt der junge Mann noch immer Schmerzen, verzieht das Gesicht. Fünf Tage musste er nach der Tat im Krankenhaus verbringen. Alpträume begleiten ihn bis heute

Auch der Geschädigte der ersten Attacke, vom 16. Mai, bestätigt die Tat so, wie sie dem Angeklagten von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird. Nachdem er verneinte, Zigaretten zu haben, sei er mit „irgendeiner Flasche bespritzt“ worden - „dann hat er mich in den Schwitzkasten genommen und hat mit irgendwas auf mich eingedroschen, mehrere Male auf den Kopf.“ Es war die stumpfe Seite einer Axt aus dem Baumarkt. Der 18-jährige Geschädigte konnte sich damals selbst befreien und rief eigenständig den Rettungsdienst. 

Ein Urteil wird noch für den heutigen Donnerstag erwartet.

Update, 11.33 Uhr - Zwei Mal versuchter Mord in Traunreut? Angeklagter: „Ich hatte einfach Stress“

Alles was ihm vorgeworfen wird, gibt der 24-jährige Traunreuter zu - die Hiebe mit einer Axt, die Messerstiche in den Rücken und gegen den Kopf. „Er wollte in beiden Fällen aber niemanden töten, er wollte sich nur rächen“, so Anwalt Michael Vogel. Und was sagt der Angeklagte selbst? „Ich hatte einfach Stress“, so begründet der Angeklagte die erste Tat, als er einen 18-Jährigen mit einer Axt attackierte. Er hatte sie zuvor im Baumarkt gekauft. 

Das Opfer des zweiten Angriffs, mit einem Messer am Parkplatz der Traunpassage angegriffen, kannte der Angeklagte schon rund fünf Jahre. „Kumpels“ sei man gewesen, doch der Geschädigte, ebenfalls damals 18 Jahre alt, habe sich zu einem „falschen Freund“ entwickelt. „Ich habe aus Wut auf ihn gehandelt. Ich war einfach skrupellos.“ Dem vorsitzenden Richter Erich Fuchs ist anzusehen, dass er mit dieser „Erklärung“ nicht wirklich zufrieden ist.

Auch die DNA-Spurenlage ist eindeutig. Wie eine Gutachterin erklärt, gibt es sowohl auf dem Messer, als auch auf den Klamotten jeweils DNA-Spuren des Angeklagten und der Geschädigten. Die Axt konnte nicht mehr gefunden werden. Der 24-jährige Traunreuter wurde in Kasachstan geboren, besuchte in Deutschland aber bereits den Kindergarten. In Traunreut ging der Angeklagte auf die Förderschule, schmiss zwei Ausbildungen und schlug sich immer wieder mit Leiharbeit durch. Nach eigenen Angaben litt er seit 2019 unter Depressionen. Heute wird er wegen paranoider Schizophrenie als psychisch krank eingeschätzt.

Nun werden die beiden Geschädigten als Zeugen geladen, beide zu den Tatzeiten im Mai 18 Jahre alt.

Update, 9.35 Uhr - Brutale Übergriffe mit Axt und Messer in Traunreut? Jetzt Details bekannt

Was genau soll in den beiden Nächten im Mai 2020 in Traunreut passiert sein? Der Prozess ist eröffnet und Staatsanwalt Andrä verliest die Anklageschrift. Ihm gegenüber hat der 24-jährige Traunreuter Platz genommen. Er wirkt ruhig und zurückhaltend, hat ein unscheinbares Wesen. Vertreten wird er von Anwalt Michael Vogel.

Mit einer Axt bewaffnet soll der Traunreuter am 16. Mai in der Heinz-von-Stein-Straße unterwegs gewesen sein, auf der Suche nach einem Bekannten. Gegen 0 Uhr traf er auf einen anderen, damals 18 Jahre alt und ebenfalls aus Traunreut. „Hast Du eine Kippe?“, soll der Angeklagte gefragt haben. Als der junge Mann verneinte und weiterging, sei ihm der 24-Jährige nachgegangen und habe ihm mit einem Fensterreiniger ins Gesicht gesprüht, ihn in den Schwitzkasten genommen und ihm die Axt auf den Kopf geschlagen. Der Geschädigte konnte sich befreien und flüchtete.

Nur sechs Tage später, am 22. Mai, dann die nächste Tat, die dem 24-Jährigen zur Last gelegt wird. Der Tatort nur wenige Meter weiter, am Parkplatz der Traunpassage. Gegen 22.30 Uhr traf er dort den Bekannten, den er schon vor der ersten Tat suchte. Ein Streit brach aus. „Als der Geschädigte sich abwendete und weggehen wollte, rammte der Beschuldigte ihm das Messer mindestens drei Mal in den Rücken sowie zwei Mal in den Bereich der rechten Schläfe, um ihn zu töten“, so Staatsanwalt Andrä. Er berichtet auch von mehreren Schnitten im Gesicht. Das Küchenmesser hatte eine Klingenlänge von 20 Zentimetern.

Weil die Messerspitze bei den Stichen abbrach, soll der Geschädigte, ebenfalls ein 18-Jähriger, vom Angeklagten mit einem Pfefferspray attackiert und zu Boden gebracht worden sein. Dann habe es Fußtritte gesetzt. Erst als zwei Passanten ankündigten, die Polizei zu rufen, flüchtete der 24-jährige Traunreuter. Auch in diesem Fall wirft ihm die Anklage eine Tötungsabsicht vor.

Der Angeklagte leidet laut Staatsanwaltschaft an einer paranoiden Schizophrenie. Zwei Tage nach der zweiten Tat wurde er festgenommen und ins Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum verbracht. Wegen der Wahnvorstellungen habe der 24-Jährige im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt. Angeklagt ist er wegen versuchten Mordes, sowie gefährlicher und schwerer Körperverletzung. Nun werden der Angeklagte vernommen und auch die Opfer als Zeugen geladen.

Erstmeldung:

Im Abstand von sechs Tagen ereigneten sich im Mai zwei schreckliche Taten in Traunreut. Am 16. Mai wurde ein damals 18-Jähriger in der Heinz-von-Stein-Straße mit einer Axt attackiert, weil er keine Zigaretten herausrücke wollte. Am Parkplatz der Traunpassage passierte am 22. Mai dann die nächste Tat: Zwei Stiche mit einem Küchenmesser in den Kopf, drei in den Rücken und mehrere Schnitte im Gesicht erlitt ein anderer, damals 18-Jähriger.

Messerstiche und Axthiebe in Traunreut: Prozess am Landgericht

Ab Donnerstag, 10. Dezember, ist nun ein 24-jähriger Traunreuter vor dem Landgericht Traunstein angeklagt. Er habe in beiden Fällen töten wollen, so die Staatsanwaltschaft. In der Heinz-von-Stein-Straße erlitt das Opfer durch die Axthiebe Schädelbrüche, am Traunpassagen-Parkplatz habe das zweite Opfer nur noch durch den Notarzt-Einsatz am Leben gehalten werden können. Darüber hinaus sei der 18-Jährige am Parkplatz der Traunpassage mit Fensterreiniger ins Gesicht gesprüht und am Boden liegend getreten worden.

Bei der Messerattacke am Parkplatz der Traunreuter Traunpassage soll die Messerspitze abgebrochen sein. Im Bild ein Beamter der Spurensicherung.

Der Angeklagte leidet laut Staatsanwaltschaft an einer paranoiden Schizophrenie. Zwei Tage nach der zweiten Tat wurde er festgenommen und ins Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum verbracht. Wegen der Wahnvorstellungen habe der 24-Jährige im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt. Verhandelt wird ab 8.30 Uhr vor dem Landgericht in Traunstein natürlich trotzdem. Der Mann ist angeklagt wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und schwerer Körperverletzung. Mit einem Urteil wird am 14. Dezember gerechnet.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

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