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Über das schwierige Verhältnis einer Stadt mit seinem Ehrenbürger

Traunstein hadert mit Papst Benedikt: „Er hat sich schuldig gemacht und ist kein Vorbild“

Missbrauchsgutachten: Protest gegen Papst Benedikt in Traunstein
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Missbrauchsgutachten: Protest gegen Papst Benedikt in Traunstein

Der Umgang Papst Benedikts mit sexuellem Missbrauch in der Kirche schlägt weiter hohe Wellen. In seiner „Vaterstadt“ Traunstein wächst die Skepsis - jetzt gab es eine weitere Protestaktion an der Papst-Büste mit Worten, die kaum deutlicher sein könnten. Nur: Wie soll es weitergehen?

Traunstein - Er verbrachte hier seine Jugend, ging hier zur Schule und wurde hier später zum Priester geweiht - lange waren viele Traunsteiner stolz auf die Verbindung zwischen ihrer Stadt und Joseph Ratzinger. Auch später, als Papst Benedikt XVI., bezeichnete er Traunstein als seine „Vaterstadt“ und die nahm den „Titel“ dankend an: Eine Bronzebüste steht vor der Stadtpfarrkirche, der Platz vor dem Landratsamt ist nach dem Papst benannt, der Benedikt-Radwanderweg führt durch die Stadt, man wirbt mit einem „braunen Schild“ an der Autobahn mit Joseph Ratzinger und Ehrenbürger ist er sowieso. Doch das Band bekommt immer mehr Risse.

Missbrauchsgutachten: Protest gegen Papst Benedikt in Traunstein

Wir sind hier um zu zeigen, dass Papst Benedikt kein Vorbild ist“, sagt Martin Zillner im Gespräch mit chiemgau24.de. Er ist Vorstand der „Grünen Jugend Traunstein“, die am Montag (31. Januar) zur Protestaktion gerufen hat. 40 Menschen kamen in der Spitze bei einsetzendem Schneesturm an der Papstbüste zusammen. In Traunstein gebe es ja einen richtigen „Papst-Kult“, aber er habe sich mit seinem Verhalten in den Missbrauchsskandalen der Katholischen Kirche „schuldig gemacht“, so Zillner.

Missbrauchsgutachten: Protest gegen Papst Benedikt in Traunstein

Vor der Stadtpfarrkirche St. Oswald wird viel diskutiert und sich echauffiert: „Er soll sich endlich entschuldigen“ hört man da, oder „da gehört mal g‘scheit aufgeräumt“. Auch Pfarrer Konrad Roider mischt sich unter die Leute. Auf Konfrontation ist er nicht aus, aber um Differenzierung bemüht. „Man muss bedenken, sowas trifft natürlich auch die Menschen, die hinter der Kirche stehen“, sagt er etwa. Und man solle Benedikt XVI. jetzt doch die Möglichkeit geben, sich persönlich zu äußern. So ganz scheint es nicht zu überzeugen. Sogar der hauptamtliche Kirchenmusiker der Traunsteiner Stadtkirche steht mit einem Schild in der Hand neben der Papstbüste: „Endlich auspacken - sonst einpacken“, ist darauf zu lesen.

Martin Zillner von der Grünen Jugend reicht, was im Münchner Missbrauchsgutachten steht, über das jetzt so viel diskutiert wird. Einen 300 Kilogramm schweren Betonblock hat er mit seinen Mitstreitern vor die Stadtpfarrkirche gehievt und Zitate angebracht. Darunter eines von Benedikt XVI. selbst, das auch im Missbrauchsgutachten zitiert wird: „Pfarrer (Name geschwärzt) ist als Exhibitionist aufgefallen, aber nicht als Missbrauchstäter im eigentlichen Sinn. Die Tathandlungen bestanden jeweils im Entblößen des eigenen Geschlechtsteils vor vorpubertären Mädchen und in der Vornahme von Masturbationsbewegungen. In keinem der Fälle kam es zu einer Berührung.“ Eine jener Aussagen, die Zillner am meisten auf die Palme bringen.

Missbrauchsgutachten: Protest gegen Papst Benedikt in Traunstein

Es geht darum, was Joseph Ratzinger früher, als Erzbischof von München und Freising, vom sexuellen Missbrauch Minderjähriger in seinen Reihen wusste, was er vertuschte, was er ignorierte - und wie er heute damit umgeht. Im Zuge des Missbrauchsgutachtens wurde klar, dass Ratzinger mehr über Sex-Täter in den Reihen seiner Erzdiözese wusste, als er zuerst zugab. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing fordert inzwischen: Der emeritierte Papst Benedikt soll die Opfer im Missbrauchsskandal um Verzeihung bitten.

Wie geht der Landkreis Traunstein in Zukunft mit Papst Benedikt XVI. um? Ehrenbürger ist er hier schließlich nicht nur in Traunstein, sondern auch in Surberg und Tittmoning. Die drei Kommunen kündigten bereits vorige Woche an, eine Kommission einzusetzen. Die Vorwürfe aus dem Missbrauchsgutachten sollen eingeordnet werden, um mögliche Konsequenzen für die „örtliche Erinnerungs- und Würdigungskultur“ zu ziehen. „Breite und intensive Diskussionen“ wurden auch von Seiten der Stadt Traunstein angekündigt. Wozu sie führen werden? Auch in Marktl oder Altötting, die enge Verbindungen mit Joseph Ratzinger haben, hält sich die Kommunalpolitik bisher noch eher zurück.

xe

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