Prozess um Tötung von Manuela K. aus Bergen

„Ich hab‘ nur einen Mord gemacht“: In diesem Telefonat verriet sich der Angeklagte

Mord-Prozess um Tod von Manuela K. aus Bergen am Landgericht Traunstein.
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Mord-Prozess um Tod von Manuela K. aus Bergen am Landgericht Traunstein: Links der Angeklagte mit seinem Verteidiger Harald Baumgärtl, rechts ein Foto von Manuela K.

Manuela K. aus Bergen wurde Anfang vorigen Jahres getötet und ihre Leiche zerstückelt im Wald versteckt - ist ein 61-jähriger gebürtiger Traunsteiner dafür verantwortlich? Heute steht am Landgericht der zweite Verhandlungstag im Mord-Prozess an.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein 61-jähriger Traunsteiner steht wegen Mordes vor Gericht
  • Er soll die 59-jährige Manuela K. aus Bergen ermordet und im Anschluss zerstückelt haben
  • Der Angeklagte zeigte sich am ersten Verhandlungstag voll geständig
  • Beamte geben am zweiten Verhandlungstag ihren Eindruck vom Tatort wider
  • Bekannte Frauen von Manuela K. berichten über die Eigenschaften der Verstorbenen
  • Im Telefongespräch mit einer Bekannten gesteht der Angeklagte die Tat

Update, 16 Uhr - Am Telefon verraten

Bergen/Traunstein - Vor Gericht wird nun ein Telefonat abgespielt. Es stammt vom 6. März 2020, einen Tag bevor der Angeklagte von der Polizei festgenommen wurde. Das Telefon des Angeklagten wurde damals schon von der Polizei abgehört. Der 61-Jährige sprach mit einer Bekannten aus Kuchl bei Salzburg, die er ebenfalls im Internet kennenlernte – und lieferte dabei faktisch ein Geständnis ab.

„Hast Du im Lotto gewonnen oder eine Bank ausgeraubt?“, fragte ihn die Frau (62), weil er sich eine neue Couch gekauft hatte. „Nein, ich hab‘ nur einen Mord gemacht“, antwortete der Angeklagte und lachte dabei. „Es wird aber niemand vermisst, das hätte ich in den Nachrichten gehört“, antwortete die Frau und bekam als Antwort: „Dann hab‘ ich es gut gemacht.“ Vor Gericht sagt die Zeugin, dass sie all das für einen Witz hielt.

Für die Polizei könnte dieses Telefonat wohl ausschlaggebend gewesen sein, den gebürtigen Traunsteiner festzunehmen. Einen Tag später, am 7. März, erfolgte der Zugriff auf dem Parkplatz des Globus-Supermarktes in Freilassing. Auch eine Frau aus Traunreut sagt als Zeugin aus, die sich „sehr oft“ mit dem Angeklagten traf. Ihr fiel auf, dass er Ende Januar/Anfang Februar 2020 plötzlich „kalt“ geworden sei.

Der Prozess am Traunsteiner Landgericht wird nun unterbrochen und am kommenden Montag, 22. März, um 9 Uhr fortgesetzt.

Mit dieser Buddha-Statue hat der Angeklagte Manuela K. erschlagen.

Update, 12.45 Uhr - Zeuginnen sprechen über Manuela K.

Was für eine Frau war Manuela K.? Darum drehen sich jetzt die Aussagen einiger Zeuginnen. Sie waren Freundinnen und Nachbarinnen der getöteten 59-Jährigen. „Manuela hatte keine Hemmungen, mir alles zu erzählen, auch Privates“, berichtet eine Freundin dem Gericht. Sie sei eine offene, freundliche und hilfsbereite Frau gewesen – und nach dem Tod ihres Mannes habe sie „nach Liebe gelechzt“.

Etwa drei Jahre vor der Tat sei ihr Mann verstorben. Seitdem habe sich Manuela K. mit vielen verschiedenen Männern getroffen. Auf fünf Dating-Portalen im Internet sei sie angemeldet gewesen, so die Zeugin: „Die Männer haben oft gewechselt.“ Einer dieser Männer war dann auch der 61-jährige gebürtige Traunsteiner, der nun auf der Anklagebank sitzt, weil er Manuela K. ermordet haben soll. Als ihr Beuteschema beschreibt die Freundin Männer, die groß, nicht dick, gut situiert und Raucher waren.

„Wenn sie von einem Mann enttäuscht wurde, war sie am Boden zerstört“, beschreibt die Zeugin. In den Angeklagten sei sie „total verliebt“ gewesen und habe immer nur das Beste erzählt. Angeblich erzählte ihr der Angeklagte, dass er in Österreich eine große Tischlerei mit 30 Angestellten führe – mit der Wahrheit hatte das nichts zu tun, den der 61-Jährige war nur einfacher Beschäftigter einer Schreinerei in Salzburg.

Als Frührentnerin habe Manuela K. nicht mehr arbeiten müssen. „Sie meinte, ihr gehe es finanziell sehr gut“, berichtet die Zeugin. Einerseits habe sie zuletzt ein Haus im Landkreis München verkauft, andererseits habe sie auch sehr bescheiden gelebt. „Aber sie erzählte auch neuen Leuten immer sehr schnell, dass sie keine finanziellen Sorgen hatte“, so die Freundin. Auch eine Nachbarin sagt vor Gericht aus: „Ich habe sie immer wieder gewarnt, sie solle beim Online-Dating bloß vorsichtig sein und nicht gleich zu viel Privates erzählen.“

Der Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass sich Manuela K. auch gegenüber dem Angeklagten schnell als wohlhabend ausgab – was ihr vermutlich zum Verhängnis wurde. Geht es nach der Anklage, ermordete der verschuldete 61-Jährige die Frau, um an ihr Geld zu kommen. Dieses Motiv streitet der Mann bisher ab. 

Nun werden weitere Zeugen aus dem privaten Umfeld der Getöteten und des Angeklagten erwartet. 

Update, 10.50 Uhr - Beamte sagen vor Gericht aus

Rund zehn Tage, nachdem Manuela K. in ihrer eigenen Wohnung in Bergen getötet wurde, betrat die Polizei zum ersten Mal die Räumlichkeit – und fast alles schien unauffällig. Davon berichtet nun eine Polizistin dem Gericht. „Auf den ersten Blick war alles ordentlich“, so die Beamtin: Keine Verwüstungen, der Kühlschrank gefüllt, der Mülleimer halbvoll. Auch auf einen Selbstmord habe es keine Hinweise gegeben. Der Angeklagte gab am ersten Prozesstag an, die Wohnung nach der Tat gründlich von den Blutspuren gereinigt zu haben.

„Die Wohnung machte einen aufgeräumten, sauberen Eindruck“, so die Polizistin im Zeugenstand. Auch im Keller, dort wo der 61-jährige Angeklagte die Leiche lagerte und später zerstückelte, sei nichts auffällig gewesen. Aber: eine Matratze im Bett fehlte. Es war die Matratze, die der Angeklagte nach eigenen Angaben im Waginger See versenkte, weil Blutspuren darauf zu sehen gewesen sein sollen. Bereits am ersten Prozesstag sagte ein Polizist aus, dass auch einem Polizei-Spürhund beim ersten Betreten der Wohnung nichts auffiel.

Recht früh nahm die Polizei Kontakt zum Angeklagten auf. Von Manuela K.s Nachbarn kam der Hinweis auf ihren aktuellen „Freund aus Oberösterreich“. Beim ersten Telefonat mit ihm habe er der Polizistin gesagt, er habe Manuela K. seit dem 8. Januar auch nicht mehr gesehen – der Tag vor der Tat. Zur Polizistin habe er gesagt, dass er ebenfalls nichts mehr von ihr gehört habe und ihr deshalb ein „böses E-Mail“ geschrieben habe.
Die weiteren Zeugen, die heute am Traunsteiner Landgericht erwartet werden, stammen aus dem nahen Umfeld des Angeklagten und Manuela K. Auch Ex-Freundinnen des 61-Jährigen werden geladen. 

Vorbericht, 8.25 Uhr - Der zweite Verhandlungstag startet

Der 61-jährige Angeklagte war bereits am ersten Prozesstag voll geständig: Er bekannte sich dazu, Manuela K. am 9. Januar 2020 mit einer Buddha-Statue geschlagen und sie dann erwürgt zu haben. Die Leiche soll er einige Tage später zerstückelt und sie in Taschen verpackt haben. Nach seiner Festnahme zeigte der gebürtige Traunsteiner der Polizei die Stelle im Wald bei Knappenfeld, an der er sie ablegte.

Am Montag, 15. März, wird der Prozess ab 9 Uhr vor dem Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Der Angeklagte, der in Oberösterreich wohnte und zuletzt als Schreiner arbeitete, muss sich wegen Mordes und besonders schwerem Raub mit Todesfolge verantworten. Er lernte Manuela K. kurz zuvor auf einer Dating-Plattform im Internet kennen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sie aus Habgier ermordete - denn der 61-Jährige hatte Mietschulden, einen Totalschaden am Auto und war arbeitslos. Etwa 86.000 Euro, Goldplättchen und Edelsteine soll er nach der Tötung von Manuela K. erbeutet haben.

„Ich habe Frau K. nicht getötet, um an Geld zu kommen. Ich wusste ja nicht mal, dass so viel Geld da ist“, gab der Angeklagte am ersten Prozesstag an. Viel mehr sei es zwischen den beiden zu einer körperlichen Auseinandersetzung nach dem Sex gekommen. Der Mann kam schon oft mit dem Gesetz in Konflikt. Er selbst sagte, schon über 20 Jahre lang im Gefängnis gesessen zu sein. Manuela K. wurde 59 Jahre alt. Weitere Prozesstermine sind aktuell für den 22., 23., 25. und 26. März, jeweils ab 9 Uhr, geplant.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

xe

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