27-Jähriger Angeklagter psychisch krank

Vater in Reischach mit bloßen Händen getötet: Urteil gefallen

Traunstein/Reischach - Er soll seinen eigenen Vater mit bloßen Händen erwürgt haben - doch der 27-Jährige ist psychisch krank. Am Dienstag musste er sich trotzdem vor dem Landgericht wegen Mordes verantworten.

Update, 17.15 Uhr: Urteil gefallen

Der vorsitzende Richter Erich Fuchs verkündet das Urteil: Wegen der psychischen Erkrankung und der Schuldunfähigkeit wird Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Auch jetzt schon befindet sich der 27-jährige Reischacher im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum. Er leidet an einer paranoiden Schizophrenie.


"Ein extrem tragisches und trauriges Geschehen", fasst das Gericht die Tat vom 20. Juni 2019 zusammen. Der Angeklagte litt an jenem Tag unter einem akuten Krankheitsschub, meinte, er wäre Jesus und müsse den "Teufel" umbringen. 

Der "Teufel" war in den Augen des Angeklagten an jenem Abend ausgerechnet sein Vater. Er fühlte sich fremdgesteuert und erwürgte seinen Vater als dieser im Bett lag und schlief. Die Mutter wurde auf das Geschehen aufmerksam und musste die Tat mitansehen.


Rechtlich bewertet das Landgericht Traunstein die Tat als Totschlag, nicht als Mord, weil das Gericht keine Heimtücke erkennen konnte. "Es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es wieder zu schweren Straftaten kommen kann", so der vorsitzende Richter Fuchs. 

Dazu kommt die Drogensucht des Angeklagten, weshalb eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet wird. Das Urteil ist rechtskräftig.

Update, 16.31 Uhr: Angeklagter: "Ich will mich entschuldigen"

In den Plädoyers sind sich Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung großteils einig: Wegen seiner psychischen Krankheit ist der 27-jährige Reischacher schuldunfähig. Er kann für die Tat wegen seiner Krankheit nicht bestraft werden. Einigkeit herrscht auch darüber, dass der Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus bleiben soll.

"Seine Krankheit hat er nicht im Griff, er kommt auch nicht ohne THC aus, deshalb kommt auch keine Bewährung in Frage", so Staatsanwalt Markus Andrä. Auch für die Nebenklage steht fest: "Er soll erst wieder rauskommen, wenn klar ist, dass sowas nicht mehr passiert." Gegen eine Bewährung spricht sich auch der Verteidiger aus.

Nur in der Einschätzung der Tat gehen die Meinungen auseinander: Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war es Mord, die Verteidigung sieht die Mordmerkmale nicht gegeben und plädiert auf Totschlag. Die letzten Worte des Angeklagten: "Ich will mich entschuldigen, auch wenn es bei so einer Sache eigentlich keine Entschuldigung gibt. Ich will keine Drogen mehr nehmen, ich habe Angst davor."

Update, 14.20 Uhr: Mutter schildert dramatische Szenen von Tötung ihres Mannes

Sie musste zusehen, wie der Sohn ihren Mann tötete - jetzt sagt die Mutter des Angeklagten aus Reischach vor dem Landgericht aus. "Ich hab' Geräusche aus dem Schlafzimmer gehört und hab dann gesehen, wie er auf meinem Mann kniete und ihn gewürgt hat, alles voller Blut", so die Zeugin. Das Blut stammte wohl von Bissen. Wie ein "Schraubstock" habe der Sohn die Hände um den Hals des Mannes gelegt.

Die Mutter schlug auf ihren Sohn ein, doch es half alles nichts: "Er hatte solche Kräfte, es war unerklärlich." Zuvor in der Nacht sei die Mutter schon skeptisch geworden. Der 27-jährige Sohn habe davon gesprochen, dass sein Chef Gott und er Jesus sei - es müsse nur noch der "Teufel" umgebracht werden, dann seien alle erlöst. "Da dachte ich mir schon 'Scheiße, jetzt hat er wieder was genommen'."

Nachdem der Vater tot im Bett lag sei der Sohn auch auf die Mutter losgegangen, auch sie habe er gewürgt: "Ich hatte da schon mit allem abgeschlossen. Ich dachte es wäre vorbei und hatte nicht mal Angst", so die Zeugin, die teils mit ihren Tränen kämpft, teils wieder ganz ruhig und beherrscht aussagt. Doch plötzlich habe der Sohn dann von ihr abgelassen. Sie habe "immer ein sehr inniges Verhältnis" zu ihrem Sohn gehabt.

"Ich möchte, dass er weiter behandelt wird", äußert die Mutter ihren Wunsch dem Gericht. Weitere Zeugen werden nicht mehr gebraucht. Am Nachmittag geht es weiter mit den Gutachtern, Plädoyers und auch ein Urteil soll schließlich noch fallen.

Update, 11.10 Uhr: Durch Drogenkarriere in religiöse Wahnvorstellungen gerutscht?

"Es ist alles weg. Wie es nach dem Streit weitergegangen ist, weiß ich nicht mehr. Ich weiß dann nur noch, dass ich mit dem Kopf gegen die Mauer gelaufen bin und Sirenen gehört habe", so der 27-jährige Reischacher vor Gericht. Er äußert sich selbst, gibt dem Gericht ruhig Auskunft zu allen Fragen - doch an den mutmaßlichen Mord kann er sich wohl nicht mehr erinnern.

Der Mann, der seinen Vater erwürgt haben soll, erzählt dem Landgericht viel von seiner Kindheit und Jugend. Früher gab es Gewalt im Elternhaus und schon im Alter von zwölf Jahren habe er Haschisch konsumiert. Im Laufe der weiteren Jugend kamen auch Schmerzmittel gegen eine Spastik und Speed dazu. Das Cannabis baute er schließlich selbst an. Auch Alkohol spielte eine immer größere Rolle im Leben des Angeklagten.

Mehrmals verlor der Angeklagte wegen Drogenkonsums den Führerschein, auch von einem Selbstmordversuch berichtet er. "Eine Woche vor Tat habe ich keinen Alkohol mehr getrunken, weil ich beweisen wollte, dass ich das schaffe", so der Angeklagte.

Trotzdem habe er durchschnittlich noch täglich drei Gramm Cannabis geraucht. Religiöse Wahnvorstellungen bekam er, seit eine Freundin mit ihm Schluss machte. "Seitdem dachte ich, dass ich Jesus bin."

Momentan ist der Reischacher im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum in Behandlung. "Das beste für mich wäre, wenn ich weiterhin behandelt werde und keine Drogen mehr nehme", so der Angeklagte. Auch sein Anwalt berichtet von großen Erinnerungslücken bei seinem Mandanten: "Nach meinen ersten Besuchen konnte er sich immer wieder nicht mehr an mich erinnern." Der 27-Jährige bedauere aber "zutiefst, was passiert ist".

Auch die Mutter des 27-Jährigen soll heute noch vor Gericht aussagen.

Update 10.01 Uhr: Im Vater den "Teufel" gesehen - und ihn dann mit bloßen Händen ermordet?

"Der Beschuldigte war in dem Glauben Jesus zu sein. Er war davon überzeugt, dass er nur noch den Teufel töten müsse und dann die Welt ein Paradies sein würde. Stimmen befahlen ihm den Teufel auszutreiben", verliest Staatsanwalt Markus Andrä die Anklageschrift. Der Teufel war in den Augen des 27-jährigen Angeklagten sein eigener Vater.

Am 20. Juni 2019 soll er deshalb gegen 5 Uhr seinen Vater mit bloßen Händen erwürgt erwürgt haben. Er lag im Bett und schlief. "Zudem biss er seinem Vater mehrfach in den Hals", heißt es in der Anklage. Der Vater verstarb an Sauerstoffmangel. Zuvor soll es zwischen Vater und Sohn zu einem Streit gekommen sein, weil der 27-Jährige daheim laut Musik hörte und einen Kreis aus Teelichtern in seinem Zimmer aufbaute.

Die Mutter soll ihn nach dem mutmaßlichen Mord auf den Balkon gesperrt haben, wovon der Angeklagte dann aber in ein Waldstück geflohen sein soll. Laut Staatsanwaltschaft zog sich der Reischacher dann in einem Abwasserkanal aus und schlug seinen Kopf gegen eine Betonwand. Er verletzte sich dabei erheblich und wurde anschließend festgenommen.

Laut Staatsanwaltschaft habe der 27-Jährige an einer akuten Psychose mit Wahnvorstellungen gelitten. Das Unrecht der Tat habe er deswegen nicht einsehen können und habe, laut Staatsanwaltschaft, im Zuge der Schuldunfähigkeit seinen Vater ermordet.

Wie erklärt der Angeklagte das Tatgeschehen? Äußert er sich selbst? Nun wird seine Aussage erwartet.

VORBERICHT: 27-Jähriger glaubte, Jesus zu sein

Es war die Nacht auf 20. Juni 2019 in der 3000-Seelen-Gemeinde Reischach (Landkreis Altötting). Um 5 Uhr soll der 27-jährige Sohn zum Vater ins Schlafzimmer gegangen sein und ihn mit bloßen Händen erwürgt haben. Der Mann erstickte. Am Dienstag steht er deshalb wegen Mordes vor dem Landgericht Traunstein.

Der 27-Jährige gilt aber als schuldunfähig, weil er psychisch krank ist und an Wahnvorstellungen leidet. Auch in jener Nacht habe der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft eine solche Wahnvorstellung gehabt: er habe geglaubt, Jesus zu sein und den Teufel töten zu müssen. 

innsalzach24.de berichtet aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht.

xe

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Kommentare