21-jähriger Altenmarkter wegen Mordes angeklagt

Verletzungen, wie sie Gerichtsmediziner noch nie gesehen hat

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Traunstein/Altenmarkt - Was hat einen 21-jährigen Altenmarkter dazu getrieben, seine Mutter mutmaßlich zu ermorden? Am Mittwochvormittag ist der Prozess am Landgericht Traunstein fortgesetzt worden.

UPDATE, 18.12 Uhr - 

Was war die Todesursache für die Mutter des Angeklagten? Gerichtsmediziner Randolph Penning sagt nun vor dem Landgericht aus - und zählt eine ganze Reihe unterschiedlichster Verletzungen auf. Zwei Verletzungen könnten laut dem Mediziner todesursächlich gewesen sein:

Zum einen könnten die Schläge mit den Spitzen eines Zimmererhammers auf den Kopf der Frau tödlich gewesen sein. Knochenscherben wurden dadurch tief ins Gehirn hineingetrieben. Zum anderen könnte der über den Kopf gezogene Plastiksack todesursächlich gewesen sein. In einem ist sich der Gerichtsmediziner aber sicher: Der Anruf eines Notarztes durch den Freund des Hauptangeklagten hätte nichts mehr ändern können. Die Frau hätte höchstens noch durch Maschinen künstlich am Leben gehalten werden können - ohne Besserungsaussicht.

Gerichtsmediziner Penning geht auch auf die Unterlippe ein, die der Sohn seiner Mutter abbiss: "Sowas ist eine Rarität bis ein Unikat", so der Gerichtsmediziner. In seinen 15.000 Untersuchungen, die er in seiner Berufslaufbahn hinter sich habe, wäre ihm so eine Verletzung noch nie untergekommen. Das Abbeißen kann er sich nur durch "menschliche Instinkte aus Urzeiten" erklären, die bei diesem Konflikt in der Nahdistanz durchgebrochen wären.

Der Prozess wird am Montag um 9 Uhr in Traunstein fortgesetzt. Ein Geständnis des Angeklagten vor Gericht gibt es nach wie vor nicht. Er lässt sich auf der Anklagebank nichts anmerken - ganz im Gegenteil zu seinem Freund, der den ganzen Verhandlungstag über zusammengekauert neben seinem Anwalt sitzt.

UPDATE, 15.45 Uhr - Weitere Zeugenaussagen

Wie durch die Zeugenaussagen von drei Polizisten jetzt klar wird, verhielt sich der Angeklagte aus Altenmarkt anscheinend ziemlich ausgebufft nach der Tat: Er rief bei der Trostberger Polizei an und meldete seine Mutter als vermisst. Sie sei nicht mehr aufgetaucht, was ungewöhnlich für sie sei, gab er nach Auskunft eines Polizisten an.

In ihrem Umfeld wusste niemand von der 53-Jährigen: Auch ihr Pferd wurde vernachlässigt - was ihre Bekannten aus dem Reitstall stutzig machte. Die Alz wurde abgesucht, die Nachbarschaft gefragt - als dann aber auch festgestellt wurde, dass größere Geldbeträge fehlten, wurde die Polizei noch hellhöriger: "Da kam uns die Vermutung, dass mehr im Raum stehen könnte", so einer der Zeugen.

Es war schon geplant, mit einem Leichenspürhund das Haus in Altenmarkt abzusuchen - ein Termin stand, doch einige Tage früher wurde die tote Frau dann schon gefunden. Als die Polizei kurz darauf den Sohn in der Nähe des Hauses traf, sei dieser gleich geständig gewesen, so einer der ermittelnden Polizisten: "Er erzählte uns auch, wer ihm geholfen hat, den Leichnam wegzuschaffen." Er habe ganz ruhig und sachlich erzählt, was passiert sei.

Update, 12 Uhr - Aussage eines Kripo-Beamten geht weiter

Langsam wird deutlicher, was den 21-Jährigen zum Streit und der grausigen Tat getrieben haben könnte. Der Kripo-Beamte berichtet weiter von der Vernehmung des Angeklagten.

"Es ist grauenhaft mit dieser psychisch Gestörten. Ich kann für nichts mehr garantieren", schrieb er nur einen Tag vor der Tat in einer SMS. In der Vernehmung mit der Polizei gab der Angeklagte an, dass sich seine Mutter stark veränderte und angeblich einen Verfolgungswahn entwickelt hätte. Sie habe sich immer wieder einsperren wollen und zu einem "Monster" entwickelt.

Schon am Dienstag sagte auch der Mitangeklagte und Freund des 21-jährigen Trostbergers aus, dass sich die Mutter mit der Zeit verändert habe und immer misstrauischer geworden sei. Er berichtete dem Gericht von starken esoterischen Zügen bei der Frau.

Auch der Bruder der Verstorbenen und Bekannte aus Reitställen bestätigten der Polizei auf Nachfrage, dass sie sich psychisch veränderte. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft wird die Frau als "psychisch krank" bezeichnet, in ärztlicher Behandlung war sie deswegen aber nicht.

Update, 10.30 Uhr - So schilderte der Angeklagte den Todeskampf seiner Mutter

Auch wenn er hier vor Gericht nichts sagt, gegenüber der Kripo war der angeklagte Altenmarkter von Anfang an voll geständig. Der Kripo-Beamte, der ihn vernahm, ist jetzt als Zeuge geladen und gibt die Aussage des 21-Jährigen wieder. Ein Streit um Geld soll es gewesen sein, der zur Auseinandersetzung führte. Diese eskalierte: Eine Verfolgungsjagd durch das Haus und Schreie - bis die Mutter über die Terrassentüre hinausfliehen wollte und um Hilfe rief. Doch der Altenmarkter habe sie nach eigenen Angaben zurück ins Wohnzimmer gezogen.

Es folgte ein Kampf zwischen Mutter und Sohn: Sie habe ihn in den Daumen gebissen, als er sich lösen konnte, biss ihr der Sohn ein Stück der Unterlippe ab - damit sie nicht mehr um Hilfe rufen konnte. Das Lippenteil spuckte er wieder aus. "Das war sehr eklig für ihn", beruft sich der ermittelnde Kripo-Beamte auf die Aussagen des Altenmarkters.

Dann bat die Mutter, sich nach diesem entstellenden Biss im Spiegel anschauen zu dürfen - eine Gelegenheit, die sie nach Aussagen ihres Sohnes wieder zur Flucht nutzte. Diesmal kam die 53-Jährige bis in den Garten. "Ein Zeuge hörte sie sogar schreien, aber er dachte, das wären Kinder", sagt der Polizist. Als ihr Sohn sie einholte, würgte er die Mutter nach eigenen Angaben bis zur Bewusstlosigkeit und zog sie wieder ins Haus.

Über 20 Minuten lang habe er sie dann beobachtet, wie sie röchelnd, blutend und mit starrem Blick am Boden lag. Nur der Fuß habe noch manchmal gezuckt, sagte der Angeklagte bei der Vernehmung durch die Polizei. Um sie von ihrem Leid zu erlösen, wie er angab, wollte er ihr zuerst das Genick brechen, was aber misslang. Dann habe er  einen Hammer geholt und ihr mehrmals auf den Kopf geschlagen.

Dann holte der 21-Jährige seinen Freund aus Trostberg. Sie verpackten und verfrachteten die Leiche ins Auto, um sie dann in einem Waldstück nahe Schnaitsee zu vergraben. Die Angaben zwischen den beiden decken sich weitgehend. Das Gericht kommt der Wahrheit also immer näher.

Der Vorbericht

Bisher deutet alles darauf hin, dass der 21-Jährige aus Altenmarkt im September 2017 seine Mutter mit einem Hammer erschlug und die Leiche daraufhin im Wald vergrub. Am heutigen dritten Prozesstag werden vom Traunsteiner Landgericht Sachverständige geladen. Sie sollen helfen, die grausame Tat weiter aufzuklären. 

Freund belastete Hauptangeklagten am Dienstag schwer

Der wichtigste Zeuge - und gleichzeitig Mitangeklagte - sagte am Dienstag aus: der 20-jährige Freund des Altenmarkters. Her half ihm beim Verpacken, Verfrachten und Verscharre der toten Mutter. Außerdem putzten die beiden am Tag nach der Tat die Blutspuren weg. Viele Vorwürfe der Staatsanwaltschaft konnte der Freund bestätigen. Der junge Mitangeklagte war vor Gericht noch immer sichtlich gezeichnet von der Tat. Es stellte sich auch heraus, dass die beiden Männer in einem äußerst engen Verhältnis stehen: "Wir waren beide voneinander abhängig", so der 20-Jährige.

Warum es zu den Streit zwischen Mutter und Sohn kam, ist noch nicht klar. Der Mitangeklagte berichtete dem Landgericht aber, dass sich die Mutter im Laufe des Jahres 2017 arg verändert hätte: Sie misstraute plötzlich dem Freund ihres Sohnes, auch der Mann verließ sie und von Polizeieinsätzen am Haus in Altenmarkt wurde berichtet. 

Die beiden Angeklagten im Gerichtssaal. Im weißen T-Shirt der Mittäter, der Haupttäter trägt einen roten Sweatpulli.

Der 21-jährige Hauptangeklagte aus Altenmarkt ist angeklagt wegen Mordes, gefährlicher und schwerer Körperverletzung. Sein Freund muss sich wegen unterlassener Hilfeleistung und Strafvereitelung verantworten. Die Öffentlichkeit wurde vom Prozess ausgeschlossen, Pressevertreter bleiben aber zugelassen

Der Prozess wird um 9 Uhr im Traunsteiner Landgericht fortgesetzt, chiemgau24.de wird aktuell berichten

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

xe

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