Aufarbeitung an katholischem Studienseminar St. Michael hat begonnen

Gewalt und Misshandlungen: Betroffene von Traunsteiner Studienseminar haben sich getroffen

Das Studienseminar St. Michael in Traunstein heute
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Wie war der Alltag am Studienseminar St. Michael in Traunstein in den 70er, 80er-Jahren? Eine Frage, die Direktor Wolfgang Dinglreiter klären will.

Traunstein - Nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen physischer und psychischer Gewalt und Missbrauchs im Traunsteiner Studienseminar St. Michael bis Mitte der 1980er-Jahre hat die Erzdiözese ehemaligen Seminaristen ein Gesprächsforum angeboten.

Im Traunsteiner Studienseminar St. Michael waren der spätere Papst Benedikt XVI. und sein Bruder Georg Ratzinger waren Schüler. Jahrzehnte später muss sich das Bistum mit schweren Vorwürfen bezüglich physischer und psychischer Gewalt und sexuellem Missbrauchs gegen Seminaristen befassen. Nach den Vorwürfen eines ehemaligen Schülers gegen das Studienseminar, insbesondere gegen den ehemaligen Leiter Engelbert Siebler, hat in der Einrichtung die Aufarbeitung begonnen.


Nach Misshandlungen am Studienseminar St. Michael in Traunstein haben sich Betroffene getroffen

Nach Bekanntwerden der Misshandlungsvorwürfe im Traunsteiner Studienseminar ging das Erzbistum München und Freising auf die Betroffenen zu. Ehemaligen Seminaristen wurde ein Gesprächsforum angeboten. „Ein erstes Treffen hat bereits stattgefunden“, so der Direktor des Traunsteiner Studienseminars St. Michael, Wolfgang Dinglreiter im Gespräch mit chiemgau24.de. Die Veranstaltung soll vor allem dem Zuhören und der Aufklärung sowie einer offenen und differenzierten Aufarbeitung der Vergangenheit dienen.


Den Betroffenen sei es darum gegangen, Vertrauen aufzubauen, die Erfahrungen der anderen kennenzulernen, für die eigenen Erlebnisse Platz zu finden und Vernetzung zu ermöglichen. Auf Wunsch der Betroffenen wurde das Gespräch von Robert Köhler vom Verein Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer moderiert. Die Betroffenen konnten sich in einem vertraulichen Rahmen austauschen.

Der Direktor des Traunsteiner Studienseminars St. Michael, Wolfgang Dinglreiter will Betroffenen die Möglichkeit geben sich auszutauschen und erlittenes Unrecht aufzuarbeiten.

„Uns ist wichtig, dass die Betroffenen sich treffen können und sich überlegen können, was sind die nächsten Schritte“, erzählt Dinglreiter. Im ersten Treffen seien die Erfahrungen ausgetauscht worden. „Mehr wollten die ehemaligen Seminaristen nicht nach außen tragen. Auch wie viele Teilnehmer da waren, wollen sie für sich behalten.“ Auf Grundlage dieses ersten Gesprächsforums werde mit der Gruppe nun entwickelt, welche weiteren Schritte der Aufarbeitung sinnvoll und nötig seien. Weitere Betroffene können unter kontakt@aufarbeitung-seminar-traunstein.de direkt Kontakt zu der Gruppe aufnehmen.

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