Er soll seinen Nachbarn erstochen haben

Auf schiefer Bahn: Angeklagter Mühldorfer (47) bereits 20 mal verurteilt

Mühldorf am Inn/Traunstein - Hat ein 47-jähriger Mühldorfer seinen Nachbarn aus Eifersucht erstochen? Der Prozess am Traunsteiner Landgericht wird heute fortgesetzt. innsalzach24.de berichtet live aus dem Gerichtssaal:

Update, 14.33 Uhr - Vorstrafenregister des Angeklagten weist 20 Vorstrafen auf

Jetzt kommt das Traunsteiner Landgericht zum langen Vorstrafenregister des 47-jährigen Mühldorfers: Der Mann hat schon ganze 20 Vorstrafen, beginnend in den 1990er-Jahren in Nordrhein-Westfalen. Oft ging es um Körperverletzung, Trunkenheit im Straßenverkehr, Drogenbesitz oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Aber auch wegen Diebstahl, Sachbeschädigung, Beleidigung, Drogenhandel oder Fahren ohne Fahrerlaubnis setzte es schon Urteile.


Dementsprechend saß der Angeklagte bereits im Gefängnis, wegen der Rauschgiftabhängigkeit auch schon in einer Entzugsanstalt. Zumindest von einer Heroinsucht ist der Mühldorfer laut einer Gutachterin inzwischen abgekommen. Der psychiatrische Sachverständige sagt aus, dass vor allem eine Kombination aus Stress und Alkohol beim Angeklagten zu Problemen führt. Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs fasst es so zusammen: "Wenn er Stress hat greift er zu Alkohol, um sich zu beruhigen, obwohl er weiß, dass er gerade dadurch aggressiv wird" - der Sachverständige ergänzt: "...und der Widerstand gegen Stress ist beim Angeklagten sehr sehr gering."

Obwohl der Angeklagte zur Tatzeit über zwei Promille im Blut hatte, sieht die psychiatrische Gutachterin darin aber keinen Grund für eine verminderte Schuldfähigkeit. Der Verhandlungstag ist für heute beendet. Am 4. August wird der Prozess um 9 Uhr am Traunsteiner Landgericht fortgesetzt. Es fehlen nur noch Plädoyers und das Urteil.


Update, 10.32 Uhr - Bodycam-Video eines Polizisten wird gezeigt

Schon zum Prozessauftakt konnte sich der Angeklagte kaum zu den tödlichen Messerstichen äußern, die ihm vorgeworfen werden - er sprach von einem "Blackout". Nun gibt sein Verteidiger Axel Reiter eine Erklärung für ihn ab: Der 47-jährige Mühldorfer wisse, dass er eine schwere Schuld auf sich geladen habe. "Ich muss mein Alkoholproblem bewältigen und bin bereit, alles zu tun, um mein Leben in den Griff zu bekommen", erklärte der Angeklagte über seinen Anwalt. Auch wenn es durch den Verstorbenen zuvor Provokationen gegeben habe, rechtfertige das niemals, einem Menschen das Leben zu nehmen.

Zwei Promille Alkohol wurden im Blut des Mühldorfers etwa zwei Stunden nach der Tat gemessen. Überhaupt habe der Mann auch in der Vergangenheit "chronisch viel getrunken", berichtet der Rechtsmediziner. Auch das Opfer sei stark alkoholisiert gewesen.

Vor Gericht wird nun auch ein Bodycam-Video eines Polizisten gezeigt, nachdem der Angeklagte am 19. November 2019 festgenommen wurde. Man sieht ihn schwer atmend am Gartenzaun sitzen, hinter ihm das Haus, in dem sich die tragische Tat abgespielt haben soll. "Sie werden jetzt gefilmt", sagt ihm der Beamte - mit dem Hinweis, dass seine Aussagen gerichtlich verwendet werden können. Der Angeklagte antwortet den Polizisten im Video ruhig. Er wirkt körperlich ausgelaugt.

Der filmende Polizist geht auch kurz ins Haus, dem Tatort, und berichtet seinen Kollegen auf der Straße dann, was er gesehen hat: "Da drinnen ist lauter Blut." Von einer großen Blutlache ist mehrfach die Rede. Der erhebliche Blutverlust war laut Staatsanwaltschaft auch todesursächlich. Durch die vielen Messerstiche habe im Hals des Opfers ein regelrechtes Loch geklafft. Auch die Kopfschlagader wurde durchtrennt. Doch auch das Video hilft dem Angeklagten nicht, seine Erinnerungslücken zu füllen. 

Neben Gutachten werden heute auch die Plädoyers und das Urteil erwartet. 

Vorbericht

Sechs Stiche in den Kopfbereich und 13 in den Hals zählte die Staatsanwaltschaft bei der Verlesung der Anklage auf: Mit einem Hilti-Klappmesser soll ein 47-jähriger Mühldorfer am 19. November vorigen Jahres seinen Nachbarn erstochen haben. Angeklagt ist der Mann wegen Totschlags. Am Dienstag, 21. Juli, war vor dem Traunsteiner Landgericht Prozessbeginn, am Freitag, 24. Juli wird das Verfahren gegen den Mühldorfer ab 8.30 Uhr fortgesetzt. 

Eifersucht Grund für tödliche Messerattacke in Mühldorf?

Hintergrund soll gewesen sein, dass der Angeklagte eine Affäre zwischen dem getöteten Nachbarn und seiner Ex-Freundin vermutete. "Er war für mich ein guter Mensch, ein guter Freund. Aber mehr nicht", sagte die Frau aus. Sie gab vor Gericht aber an, den genauen Tatablauf nicht mitbekommen zu haben. Auch der 47-Jährige will sich an die Tat nicht mehr erinnern können, sprach beim Prozessauftakt von einem "Filmriss", den er in der Wohnung des Nachbarn gehabt habe. "Ich habe jetzt einen Mann umgebracht. Er ist tot", rief der Angeklagte während des Notrufs ins Telefon. 

Nach der Messerattacke klaffte im Hals des Opfers ein faustgroßes Loch, so die Staatsanwaltschaft. Die Kopfschlagader wurde durchtrennt, durch den erheblichen Blutverlust starb der Mann. Die Ermittler zählten insgesamt 38 Stich-Schnittverletzungen über den ganzen Körper verteilt. Das Opfer war damals 57 Jahre alt. Am Freitag werden vor dem Traunsteiner Landgericht Gutachten erwartet, auch die Plädoyers könnten gehalten werden und möglicherweise bereits ein Urteil fallen. 

innsalzach24.de berichtet aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht. 

xe

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