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Prozess gegen BMW-Lenker (28) um tödlichen Unfall auf Miesbacher Straße

„Tut mir unendlich leid“: So erklärt der Golf-Fahrer sein Überholmanöver 

der Angeklagte am zweiten Prozesstag
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Der inzwischen 28-jährige Angeklagte aus Riedering beim zweiten Prozesstag vor dem Traunsteiner Landgericht. Er muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten, weil er ein überholendes Auto auf der Miesbacher Straße in Rosenheim laut Staatsanwaltschaft nicht einscheren ließ - bei dem anschließenden Frontalunfall im November 2016 verloren zwei junge Frauen vom Samerberg ihr Leben.

Im Revisionsprozess um den schrecklichen Verkehrsunfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim vom November 2016 geht es heute in den zweiten Verhandlungstag. Aussagen wird einer der wohl wichtigsten Zeugen.

Update, 17.46 Uhr - So erklärt der Golf-Fahrer sein Überholmanöver 

Wie schildert der überholende VW-Golf-Fahrer die Situation aus dem November 2016 heute? Auch er ist jetzt als Zeuge geladen. Dass er am Rosenheimer Ortsausgang von den beiden BMW überholt wurde, daran erinnert er sich auch noch. Die Insassen der beiden Autos kannte er nicht. Außerorts habe er dann zu den BMW wieder aufgeschlossen. „Die wurden dann wieder langsamer, langsamer als 70 km/h. Drum wollte ich überholen.“

Während des Überholens habe er dann zum hinteren BMW-Fahrer auch hinübergeschaut, er habe dann ebenfalls beschleunigt, so dass sich die Lücke zwischen den Autos schloss. Etwa zwei Autolängen habe der Abstand davor betragen. „In diesem Sekundenbruchteil habe ich mich falsch entschlossen und wollte auch noch den vorderen BMW überholen“, so der Zeuge. Plötzlich habe seine Beifahrerin geschrien, erst dann habe er das entgegenkommende Auto der Samerbergerinnen bemerkt. Er habe nur noch das Lenkrad etwas nach links reißen können.

Verteidigerin Stuff ist skeptisch: „Wenn die BMW wieder langsamer fuhren als Sie selbst, warum haben sie dann nicht beide BMW gleichzeitig überholen wollen? Vor allem wenn nur maximal zwei Autolängen zwischen den beiden Autos Abstand war?“ Nach viereinhalb Jahren hat aber auch der heute 28-jährige Golf-Fahrer keine Antwort. Auch er wurde schon zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und verletzte sich bei dem Frontalzusammenstoß schwer. Er erlitt unter anderem eine Lungenquetschung und einen Schlüsselbeinabriss. „Ich war nicht unschuldig. Mir geht es auch nicht gut damit. Der Unfall tut mir unendlich leid.“

Der Prozess wird am Mittwoch, 2. Juni, fortgesetzt. Dann werden vor allem Polizeibeamte als Zeugen aussagen. 

Update, 15.50 Uhr - BMW-Fahrer bleiben dabei: Golf hatte genug Zeit und Platz zum Einscheren

Es ist ein zentraler Prozesstag heute am Traunsteiner Landgericht – die weiteren Unfallbeteiligten werden aussagen und los geht es mit dem Beifahrer des Angeklagten. „Wir sind nicht gerast und haben auch kein Rennen gefahren. Nichts“, stellt der 26-jährige Freund des jungen Mannes auf der Anklagebank fest. Über anderthalb Stunden dauert seine Vernehmung.

Was passierte aus Sicht des Beifahrers an jenem Abend? Den Golf-Fahrer mit Ulmer Kennzeichen habe man nicht gekannt und habe ihn am Ortsausgang überholt, weil er auffällig langsam unterwegs gewesen sei. „Nachdem wir längst überholt hatten, hab‘ ich von hinten ein Blitzen gesehen, vielleicht hat er aufgeblendet.“ Dann habe der Golf-Fahrer plötzlich überholt. „Als er auf unserer Höhe war, hat man schon Licht vom Gegenverkehr gesehen. Wir hatten gewartet, dass er rechts einschert, aber er blieb stur auf der linken Spur.“

Immer wieder betont der Beifahrer des Angeklagten, dass niemand verstanden habe, warum der VW Golf nicht die Spur gewechselt habe: „Warum reagiert der nicht? Er hat nicht gebremst, nicht geblinkt, er ist einfach schnurstracks weitergefahren.“ Der Angeklagte sei in dieser Situation vom Gas gegangen. Kurz vor dem Frontalzusammenstoß habe er beim Golf-Fahrer noch eine kurze Lenkbewegung nach links gesehen - „dann hat es schon gescheppert“. Alle Beteiligten seien geschockt gewesen, der Angeklagte habe den Notruf gewählt und ein Warndreieck aufgestellt.

Richterin Heike Will fragt detailliert nach: Hat man sich über den Ulmer Golf-Fahrer unterhalten? Wie lange nach dem ersten Überholen blendete er auf? Warum bremste man nicht sofort, sondern fuhr noch an der Unfallstelle vorbei? „Wir waren geschockt. Das war so unreal. Man sieht, was passiert ist, aber kapiert es gar nicht.“ 50 bis 70 Meter sei die Lücke zwischen ihm und dem vorderen BMW gewesen, die der Golf zum Einscheren Platz gehabt hätte, sagte der Zeuge in früheren Vernehmungen. Auch von fünf Autolängen war schon einmal die Rede. Jetzt beruft sich der 26-Jährige auf die früheren Aussagen, die Erinnerung werde schließlich nicht frischer.

Dass man in Zusammenhang mit dem schrecklichen Ereignis beschuldigt werden könnte, sei den jungen Männern nach dem Unfall gar nicht klar gewesen. „Deshalb gab es auch keine Absprachen.“ Nach dem Unfall sei der ganze Freundeskreis kaputtgegangen.

In Begleitung zweier Justizbeamter kommt dann der Fahrer des damals vorausfahrenden BMW als Zeuge ins Gericht. Denn der 27-jährige Kolbermoorer wurde bereits rechtskräftig verurteilt und sitzt im Gefängnis. Er hält an seiner Version fest, die sich mit dem des Angeklagten deckt: Als der Golf-Fahrer aus Ulm außerorts überholte seien rund 50 Meter Abstand zwischen den beiden BMW gewesen – in den Augen des Zeugen genug Zeit und Platz, um wieder einzuscheren.

Kein normaler Mensch überholt an so einer Stelle. Ich bin bis zum Schluss davon ausgegangen, dass er noch einschert“, so der 27-Jährige. Er habe, als er den Gegenverkehr kommen gesehen hatte, nur noch ganz kurz überlegen können, was er tun, ob er womöglich bremsen solle - „und dann war schon der Aufprall“. Genau hinter seinem BMW sei es zum Frontalzusammenstoß gekommen.

Warum er nach dem Unfall nicht sofort bremste? „Ich war geschockt und musste erst mal realisieren, was da passiert ist.“ Angesichts der Verurteilung des Zeugen wundert sich der Staatsanwalt über die sinngemäß gleiche Aussage wie in den vorherigen Prozessen. „Ich habe mir im Gefängnis viele Gedanken darüber gemacht und habe inzwischen eher das Gefühl, dass uns der Golf-Fahrer mit seinem Überholmanöver provozieren wollte“, so der Kolbermoorer. Außerdem habe – trotz der Verurteilung – auch seine Versicherung nie Ansprüche gegen ihn gestellt.

Nun wird auch noch der Fahrer des Ulmer VW-Golf, der überholte und ins Auto der Samerbergerinnen krachte, als Zeuge befragt

Vorbericht: Neuauflage vom Prozess „Miesbacher Straße“

Traunstein/Rosenheim - Im Prozess gegen einen 28-Jährigen aus Riedering wird am Dienstag, 1. Juni, ein zentraler Zeuge vor dem Traunsteiner Landgericht erwartet. Es ist jener Golf-Fahrer aus Ulm, der bei der wilden Autofahrt dreier Männer am 20. November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim frontal in den Gegenverkehr krachte. Laut Staatsanwaltschaft ließ ihn der Angeklagte nach dem Überholen nicht mehr einscheren, deshalb sei es zu dem schrecklichen Unfall gekommen. Zwei junge Frauen (15/21) vom Samerberg, die im entgegenkommenden Auto saßen, verloren ihr Leben.

Revisionsprozess „Miesbacher Straße“ am Landgericht Traunstein

Der Angeklagte wollte sich zu Prozessbeginn am vorigen Donnerstag nicht zu den Vorwürfen äußern. Er muss sich wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung verantworten. Zwei Zeugen wurden bisher gehört: Die Schwester der 15-jährigen Verstorbenen, die ebenfalls im Auto saß und schwer verletzt wurde, sowie der Vater der 21-jährigen Verstorbenen. „Was mit uns Familien passiert, kann man sich nicht vorstellen“, so der Vater - denn es ist bereits das dritte Mal, dass der Fall vor den Gerichten landet.

Bereits im März 2019 fiel ein Urteil am Amtsgericht Rosenheim, gegen das Berufung eingelegt wurde. Das Urteil im Berufungsprozess vom 12. November 2019 am Landgericht wurde dann jedoch vom Bayerischen Obersten Landesgericht wegen eines Formfehlers kassiert. Zu zwei Jahren und drei Monaten Haft sowie Führerscheinentzug wäre der Riederinger damals verurteilt worden. Die Urteile gegen die beiden anderen Unfallbeteiligten wurde dagegen bereits rechtskräftig. Der überholende Fahrer des VW Golf bekam eine Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten. Ein weiterer BMW-Fahrer erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten, weil er den Überholenden nicht einscheren ließ.

Der Prozess am Landgericht in Traunstein wird am Dienstag um 9.30 Uhr fortgesetzt. Weitere Verhandlungstage sind für 2., 8., 9., 10. und 15. Juni vorgesehen. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

xe

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