Mühldorfer Pflegerin (52) soll auch Säugling fast zu Tode gebracht haben

Kripo-Beamter vor Gericht: Verletzungen im Gesicht des Heimbewohners waren „massiv“

Das Landgericht in Traunstein. Ab Donnerstag muss sich hier eine Pflegekraft aus dem Raum Mühldorf verantworten.
+
Das Landgericht in Traunstein. Ab Donnerstag muss sich hier eine Pflegekraft aus dem Raum Mühldorf verantworten.

In ihrer Tätigkeit für einen Pflegedienst und in einem Altenheim im Raum Mühldorf soll eine Pflegerin beinahe den Erstickungstod eines Frühchens verantwortet und einen Demenzkranken schwer geschlagen haben. Nun muss sie sich ab Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein verantworten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Pflegerin aus dem Raum Mühldorf steht vor Gericht
  • Sie soll einen Säugling und einen alten Mann schwer misshandelt haben
  • Die Anklage wurde verlesen, schreckliche Vorwürfe stehen im Raum
  • Frau aus Raum Mühldorf gibt zu, den Stecker beim Beatmungsgerät des Säuglings gezogen zu haben
  • Einen 83-jährigen Mann geschlagen zu haben streitet sie jedoch ab
  • Kripo-Beamter im Zeugenstand berichtet vom Vorfall in dem Seniorenheim

Update, 17 Uhr - Kripo-Beamter vor Gericht: Verletzungen im Gesicht des Heimbewohners waren „massiv“

Nun hat auch ein Kripo-Beamter aus Mühldorf ausgesagt, der den Fall im Seniorenheim untersucht hat. Im Dezember 2018 soll die Angeklagte, 52 Jahre alt und aus Mühldorf, als Pflegerin dort einen demenzkranken Bewohner mit der Fußstütze eines Rollstuhls geschlagen haben. Der Kriminalpolizist berichtet dem Traunsteiner Landgericht von deutlichen Blutspritzern auf den Fußstützen.
 
„Und auch auf den Fotos waren die Verletzungen im Gesicht und am Kopf des Mannes augenscheinlich sehr massiv“, so der Beamte. Außerdem wird durch den Zeugen bekannt, dass der damals 83-jährige Seniorenheimbewohner keine zwei Wochen nach der Tat starb - jedoch an einer Lungenentzündung. „Ob ein kausaler Zusammenhang zur Tat besteht ist natürlich nicht klar“, sagt der Kriminalpolizist aus.
 
Auch eine DNA-Gutachterin wurde als Zeugin vor Richterin Aßbichler geladen. Sie hat unter anderem die Metallteile der Fußstützen untersucht und dort mehrere DNA-Spuren gefunden - nachweisbar waren auch die Spuren der Angeklagten und des Heimbewohners. Der Prozess wird am Dienstag, 20. April, in Traunstein fortgesetzt. Dann sollen auch die Angehörigen der beiden Opfer aussagen.

Update, 14.30 Uhr - Beim Beatmungsgerät von Säugling Stecker gezogen? „Ich war überfordert“

Dass sie die Stecker des Beatmungsgerätes beim Frühchen zog, das gibt die 52-jährige Angeklagte aus Mühldorf jetzt zu. „Ich wurde nicht richtig eingearbeitet, ich war überfordert“, so die Pflegerin. Auch ihre Verteidigerin meint: „Sie war davor nur mit der Pflege älterer Menschen betreut. Aber an Beatmungsgeräten war sie nie tätig.“ Von einer anderen Pflegerin sei sie mit dem Frühchen alleingelassen worden, dann sei ihr beim Absaugen die Kanüle verrutscht. „Meine Mandantin fühlte sich unter Druck und überfordert. Aber sie wollte das Kind zu keiner Zeit schädigen“, so die Anwältin.

Und die Schläge mit einer Rollstuhl-Fußstütze gegen den Kopf eines dementen Altenheimbewohners? Die streitet sie ab. In jener Nacht auf den 10. Dezember 2018 habe sie bei dem 83-Jährigen im Heim im Kreis Mühldorf lediglich eingetrocknete, blutige Wunden an der Stirn entdeckt. Sie habe die Wunden dann gewaschen und einen Verband angelegt, der Mann sei danach wieder eingeschlafen.
 
„Manche Kollegen meinten, dass der Mann recht schwierig sei. Aber ich hatte nie ein Problem mit ihm“, so die Angeklagte. Laut Anklage habe der demenzkranke Mann 22 blutige Wunden am Kopf und im Gesicht gehabt - „warum haben Sie da nicht den Notarzt geholt“, fragt die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler. Es sei im Zimmer relativ dunkel gewesen, „und ich war der Meinung, dass es nicht so schlimm ist“. An mögliche weitere Folgen habe sie nicht gedacht, so die Verteidigerin.

Laut Staatsanwaltschaft habe der 83-jährige, demente Mann durch die Schläge 22 Wunden und ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Durch die Wucht der Schläge habe konkrete Lebensgefahr bestanden.

Update, 11.57 Uhr - Schreckliche Anklage gegen Pflegerin (52) aus Mühldorf 

Eine 52-Jährige aus Mühldorf steht jetzt vor dem Traunsteiner Landgericht. Sie soll sich 2018 für das große Leid zweier Menschen verantwortlich gemacht haben: Ein sechs Monate altes Frühchen soll sie als Pflegerin in Lebensgefahr gebracht und einen 83-jährigen Demenzkranken mit einer Rollstuhl-Fußstütze mehrmals auf den Kopf geschlagen haben.
 
Die Staatsanwaltschaft verliest nun die Anklageschrift und geht auf beide Vorwürfe im Detail ein. Das Frühchen, im nördlichen Landkreis Traunstein daheim, wurde mit erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen geboren. Es litt unter anderem an einer Unterbrechung der Speiseröhre und einer Hirnblutung. Zu Hause musste es intensivmedizinisch versorgt werden, heißt: Der Säugling war an einem Beatmungsgerät angeschlossen, Flüssigkeit musste regelmäßig abgesaugt werden.
 
Nach zwei Tagen Einarbeitung habe sie am 12. Januar 2018 dann alleine auf den Säugling aufgepasst. „Sie führte die Absaugung nicht ordnungsgemäß durch und drang mit dem Absaugschlauch zu tief in die Lunge ein“, so der Staatsanwalt. Als das Beatmungs- und Pulsgebergerät dann Alarm auslöste, habe die Mühldorferin einfach den Strom der Maschinen abgeschaltet. Weil das Kind dann keine Luft mehr bekam, sei es blau angelaufen.
 
„Aufgrund der Schreie der Großmutter kamen die Eltern des Kindes herbei und leiteten sofort medizinische Notfallmaßnahmen ein, bis zum Eintreffen des Rettungswagens“, so der Staatsanwalt. Der Säugling sei in Lebensgefahr gewesen.
 
Konkrete Lebensgefahr habe auch beim zweiten Vorfall in der Nacht auf 10. Dezember 2018 bestanden. In einem Seniorenheim im Landkreis Mühldorf habe die Angeklagte auf einen 83-Jährigen eingeprügelt, der schwer an Alzheimer-Demenz erkrankt war. „Sie nahm eine drei Kilogramm schwere Fußstütze eines Rollstuhls und schlug diese insgesamt mindestens zehn Mal auf den Kopf des wehrlosen und im Bett liegenden Geschädigten“, so der Staatsanwalt.
 
Der Mann habe 22 blutende Wunden am Kopf und im Gesicht, sowie ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Grundsätzlich sei mit dem 83-Jährigen eine Kommunikation „nahezu unmöglich“ gewesen, heißt es in der Anklage. Wegen seiner Krankheit habe er teilweise stundenlang nur einen Summton von sich gegeben.
 
Angeklagt ist die 52-Jährige nun wegen fahrlässiger und schwerer Körperverletzung sowie wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen unter Gefahr des Todes.

Gespannt sein darf man nun, ob die Frau die Vorwürfe zugibt und wie sie sich zu den mutmaßlichen Taten äußert. 

Vorbericht: Pflegerin aus Raum Mühldorf vor dem Landgericht Traunstein

Landkreis Mühldorf am Inn/Traunstein - Die Anklage (Plus-Artikel ovb-online.de) lautet auf „schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen unter Gefahr des Todes“. Gemäß Paragraph 225 des Strafgesetzbuchs wird dies mit einer „Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft“. Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn der Täter die schutzbefohlene Person durch die Tat in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung bringt. Bei den Opfern soll es sich um ein zur Tatzeit noch nicht einmal sechs Monate altes Frühchen und einen 83-jährigen demenzkranken Senior handeln.

Der Prozess am Landgericht Traunstein beginnt am Donnerstag, den 15. April. Es sind drei weitere Verhandlungstage am 20., 27. und 29. April angesetzt. chiemgau24.de wird am Donnerstag aktuell aus dem Prozess berichten.

hs

Kommentare