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Riederinger (28) wegen tödlichem Unfall auf Miesbacher Straße vor Gericht

Die Plädoyers von Verteidigung, Staatsanwaltschaft und die „letzten Worte“

Samerberg-Prozess Miesbacher Straße Rosenheim Landgericht Traunstein Revision
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Der inzwischen 28-jährige Angeklagte aus Riedering vor dem Traunsteiner Landgericht. Er muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten, weil er ein überholendes Auto auf der Miesbacher Straße in Rosenheim laut Staatsanwaltschaft nicht einscheren ließ - bei dem anschließenden Frontalunfall im November 2016 verloren zwei junge Frauen vom Samerberg ihr Leben. Rechts im Bild Verteidigerin Iris Stuff.

Rosenheim/Traunstein - Jetzt wird es spannend: Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung werden heute ihre Plädoyers im Prozess zum tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim halten - und eine letzte Zeugin wird gehört.

Update, 15.05 Uhr - Die Plädoyers von Verteidigung und Staatsanwaltschaft

Jetzt holt die Verteidigerin Iris Stuff zu ihrem Plädoyer aus. All die Erkenntnisse, die BMW-Fahrer hätten die Lücke zum Wiedereinscheren geschlossen, könnten nur auf der Aussage des „dubiosen Golf-Fahrers“ basieren – doch in dessen Aussagen über all die Jahre erkennt Stuff viele Widersprüche. „Es müssten die Alarmglocken läuten, wenn über die Jahre eine Aussage immer konkreter anstatt schwammiger wird“, so Stuff. Denn anfangs habe der Golf-Fahrer nur vermutet, die Lücke wäre zu klein gewesen – zum Schluss sei er sich dann sicher gewesen.

Überhaupt habe der Golf-Fahrer, der der einzig wirkliche Belastungszeuge sei, eine „groteske Story“ abgeliefert: „Andere, Böse, liefern sich vor ihm ein Rennen, an dem er sich nicht beteiligt hat.“ Objektiv sei dagegen die Aussage seiner Beifahrerin gewesen – und die habe nicht angegeben, dass die Lücke zwischen den beiden BMW zu klein gewesen sei. Verteidigerin Iris Stuff ist sich sicher, dass sich der Golf-Fahrer auf einer Straße mit zwei Fahrbahnen in dieselbe Richtung wähnte, denn: „Warum hat er nur mit Halbgas überholt? Und warum hat er dabei nicht nach vorne geschaut?“

Stuff richtet sich in ihrem Plädoyer auch an die Familien der getöteten Frauen: „Seien Sie gewiss, wir haben allergrößten Respekt vor Ihrer Trauer.“ Die Verteidigerin fordert einen Freispruch für den 28-jährigen Riederinger. Seine Unschuld stehe fest – und ein falscher Schuldspruch wäre nicht zu entschädigen.

Staatsanwalt Jan Salomon ist genau gegenteiliger Ansicht. Wie die Nebenklage fordert auch er, die Berufung zu verwerfen – was zwei Jahre und drei Monate Haft für den Angeklagten bedeuten würde. Die BMW-Fahrer hätten die Lücke zum Einscheren für den Golf-Lenker geschlossen. Der Ulmer sei in seinen Aussagen glaubwürdig gewesen, „und er hat sich selbst belastet und steht dazu – anders als der Angeklagte“, so Staatsanwalt Salomon.

Er verweist auf die Widersprüche der BMW-Insassen, was die Abstände zwischen den Autos betrifft. Mal sei von 20 Metern die Rede gewesen, mal gar von 150 bis 200 Meter. Und der Staatsanwalt vermutet Absprachen zwischen den BMW-Insassen noch am Unfallort. Schließlich sei bis zur ersten Befragung durch die Polizei genügend Zeit gewesen.

Zum Schluss wendet sich der Staatsanwalt auch noch ganz persönlich an den Angeklagten: „Sie haben beschleunigt und bewusst die Lücke geschlossen. Ihnen war bewusst, dass Gegenverkehr kommen könnte. Sie wollten es einem auswärtigen Golf-Fahrer zeigen.“ Nichts spreche zugunsten des Angeklagten, nicht mal die lange Verfahrensdauer.

Und der Angeklagte selbst? In den „letzten Worten“ hätte auch er nochmal die Gelegenheit, sich zu äußern. Zu hören bekommt man aber nur eine Standardformulierung: „Ich schließe mich den Ausführungen meiner Verteidigerin an.“ Das Urteil fällt am kommenden Freitag (25. Juni) um 13 Uhr vor dem Landgericht in Traunstein.

Update, 12.55 Uhr - Angeklagter ein „Auto-Verrückter“?

Nun geht es an die Plädoyers – und sie sind teils gespickt mit markigen Worten. Rechtsanwalt Christian Schluttenhofer, der die Nebenklage für die Familie der getöteten 15-Jährigen vom Samerberg vertritt, beginnt. Er bezeichnet den Angeklagten als „Auto-Verrückten“, der offensichtlich nicht in der Lage sei, die Straßenverkehrsordnung einzuhalten.

Die beiden BMW-Fahrer hätten den Ulmer Golf-Lenker auf der Miesbacher Straße zum Überholen provozieren wollen, worauf sich dieser eingelassen habe: „Als Ortsunkundiger wurde er in eine Falle hineingedrängt“, so Schluttenhofer. Während die Aussage des Golf-Fahrers für den Nebenklagevertreter „glaubwürdig“ ist, seien die Zeugenaussagen aus dem Umfeld der BMW-Fahrer „eine Katastrophe“ gewesen.

Schluttenhofers Argumente, dass die Lücke zwischen den beiden BMW zu klein gewesen sein muss: Der Beifahrer des hinteren BMW habe Splitter auf die Straße prasseln hören – deshalb müsse er knapp hinter seinem Vordermann gefahren sein. Auch dass der Angeklagte noch durch die Unfallstelle hindurchgefahren ist, sei als Beweis zu werten, dass der Abstand zwischen den beiden Autos gering gewesen sein muss.

Rechtsanwalt Wilhelm Graue vertritt die Familie der getöteten Fahrerin, die im Alter von 21 Jahren ihr Leben lassen musste. Auch für ihn ist die Zeugenaussage des Ulmer Golf-Fahrers „absolut glaubwürdig“. Und er geht auf die Version der Verteidigung ein, der Golf-Fahrer habe sich womöglich auf einer Autobahn wähnen können: „Es hat nie etwas anderes im Raum gestanden, als dass es eine Landstraße war.“ Beide Nebenklagevertreter fordern, die Berufung zu verwerfen – heißt: Das erste Urteil vom Amtsgericht Rosenheim, nach dem der Angeklagte zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wurde, soll aufrecht erhalten werden.

Auch der Vater der getöteten Fahrerin vom Samerberg meldet sich noch kurz zu Wort: „Es hätten auch alle drei Autos bremsen können. Bremsen ist immer die beste Option, dann wäre ein ganz anderer Unfall passiert. Aber die einzige, die vor dem Unfall gebremst hat, war meine Tochter.“ 

Update, 11.14 Uhr - Krankenschwester: Golf-Fahrer sei zusammengebrochen

Es wird die letzte Zeugin im Prozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße sein. Eine 33-jährige Krankenschwester, die den Golf-Fahrer nach dem Frontal-Crash auf der Intensivstation behandelte. Was erzählte ihr der Golf-Fahrer? Nach dem Überholen des ersten BMW hätten die beiden die Lücke zum Einscheren geschlossen.
Und sie berichtet, dass der Golf-Fahrer „zusammenbrach“, als er durch eine Polizistin erfuhr, dass bei dem Unfall zwei Menschen ums Leben kamen.

Bevor es nun gleich an die Plädoyers geht, verliest Anwältin Iris Stuff noch eine Erklärung für ihren Mandanten, der bisher im ganzen Prozess noch kein Wort sagte. „Auch nach tausendfachem Hinterfragen kann sich mein Mandant keinen Schuldvorwurf machen“, so die Verteidigerin. Er habe zu keiner Zeit die Lücke zwischen den BMW verringert. „Mein Mandant hat ihn in keiner Form behindert.“
Mit einem knappen „Ja“ beantwortet der 28-jährige Angeklagte die Frage der Richterin, ob die Angaben seiner Verteidigerin stimmen. 

Vorbericht

Welche Strafe soll der 28-jähriger Riederinger bekommen? Oder wäre ein Freispruch angemessen? Heute sind Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung am Zug und halten ihre Plädoyers. Der Prozess zum tödlichen Frontalunfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim im November 2016 wird um 9.30 Uhr am Traunsteiner Landgericht fortgesetzt. Das Urteil wird dann am nächsten Freitag (25. Juni) fallen. Angeklagt ist der Mann unter anderem wegen fahrlässiger Tötung.

Plädoyers im „Samerberg-Prozess“ zum tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße

Außerdem wird am Freitag noch eine Zeugin erwartet, die sich erst kürzlich bei der Polizei meldete. Eine Intensivkrankenschwester, die den überholenden VW-Golf-Fahrer in der Klinik behandelte. Sie erschien bereits am jüngsten Prozesstag am Dienstag vor Gericht, aber vom Golf-Fahrer lag noch keine Schweigepflichtsentbindung vor. Auch das Verkehrsgutachten wurde zuletzt vorgestellt - doch die entscheidende Frage, ob die Lücke für den Golf groß genug war, um beim Überholen wieder einscheren zu können, konnte nicht geklärt werden.

Am ersten Verhandlungstag waren die emotionalen Aussagen der Angehörigen der verstorbenen Frauen zu hören. Am zweiten Prozesstag sagte der Fahrer des vorausfahrenden BMW, sein Beifahrer sowie der Beifahrer des Angeklagten aus. Und auch der überholende Golf-Fahrer wurde zum ersten Mal in den Zeugenstand gerufen. Am dritten Prozesstag brachte Verteidigerin Iris Stuff eine neue Version ins Spiel: Wähnte sich der ortsunkundige Golf-Fahrer beim Überholen auf einer Autobahn und blieb deshalb so konsequent auf der linken Spur?

Am vierten Verhandlungstag am Dienstag sagten Angehörige des Golf-Fahrers sowie andere Autofahrer aus, die das „Trio“ kurz vor dem Unfall durch Rosenheim fahren sahen - bereits davor fielen sie durch ihren Fahrstil auf. An Prozesstag Nummer fünf wurde der Golf-Fahrer erneut geladen. Er schien inzwischen etwas verunsichert. Am sechsten Prozesstag sagte die Beifahrerin des VW Golf aus und belastete den Lenker. Außerdem erschien ein Überraschungszeuge, der als erster überhaupt behauptete, den kompletten Unfall beobachtet zu haben.

Zwei Unfallbeteiligte wurden bereits rechtskräftig verurteilt: Der überholende Fahrer des VW Golf bekam eine Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten. Der andere BMW-Fahrer erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten, weil er den Überholenden nicht einscheren ließ. Nun wird zum dritten Mal gegen den Riederinger verhandelt. Sein Urteil (zwei Jahre und drei Monate Haft) wurde wegen eines Formfehlers aufgehoben.

xe

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