Tachertinger wegen Messerattacke im Trostberger Nachtleben angeklagt

Gutachter: „Mit Waffe muss er sich im Drogenrausch allmächtig gefühlt haben“

Prozess gegen Tachertinger um versuchten Totschlag im Trostberger Nachtleben am Landgericht in Traunstein.
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Prozess gegen Tachertinger um versuchten Totschlag im Trostberger Nachtleben am Landgericht in Traunstein.

Trostberg/Traunstein - Bis in die Lunge soll ein junger Tachertinger seinem Kontrahenten ein Messer hineingerammt haben - nun steht der 20-Jährige vor Gericht. Am Freitag sagen unmittelbar Beteiligte aus.

Update, 15.30 Uhr - Gutachter: „Mit Waffe muss er sich im Drogenrausch allmächtig gefühlt haben“


Jetzt machen die Ergebnisse der Blutuntersuchung beim Angeklagten deutlich: Er stand während der Tat unter dem Einfluss von Amphetamin, außerdem hatte er zum Tatzeitpunkt rund zwei Promille Alkohol im Blut. „Zusammen mit der Waffe muss er sich im Drogenrausch allmächtig gefühlt haben“, bewertet es ein psychiatrischer Gutachter angesichts dessen, dass der Tachertinger alleine fünf Leuten gegenüberstand.  Bei den Gesprächen mit dem Gutachter in der Untersuchungshaft habe er „bedeckt und sehr distanziert, aber höflich“ gewirkt. Auch vor Gericht gibt sich der Angeklagte sehr zurückhaltend, beinahe teilnahmslos. Nachfragen zu seinem Drogenkonsum will er nicht beantworten. Der Sachverständige erkennt bei dem 20-jährigen Lehrling aber keine Alkohol- oder Drogensucht und darüber hinaus auch keine seelischen oder Persönlichkeitsstörungen.  Wie schwer die Verletzungen waren, die dem 24-jährigen Geschädigten aus Altenmarkt durch den Messerstich zugefügt wurden, macht die Aussage des Gerichtsmediziners klar. Per Hubschrauber musste der junge Mann von Trostberg nach München-Großhadern verlegt werden. Wegen Blutungen der Lunge war eine Notoperation nötig. „Ohne den Eingriff hätte er nicht überlebt“, so der Gerichtsmediziner. Er spricht von einer „konkreten Lebensgefahr“. Der Prozess wird am Dienstag, 8. September, um 9 Uhr am Traunsteiner Landgericht fortgesetzt. Dann sollen auch die Plädoyers gehalten werden und ein Urteil fallen. 

Update, 11.30 Uhr - Geschädigter sagt aus


Er war unbeteiligt, wollte nur einen Streit schlichten - und bekam letztendlich ein Messer in den Rücken. Beim Prozess um den versuchten Totschlag im Trostberger Nachtleben sagt nun der Hauptgeschädigte aus, ein 24-Jähriger aus Altenmarkt. 

Mit einer Gruppe von Bekannten und seiner Freundin saß er schon im Auto, wollte nur noch heim. Es war schon nach 5 Uhr in der Früh an jenem 29. Dezember 2019. Nachdem der Angeklagte sich dem Auto näherte und den Fahrer zur Rede stellen wollte, sei es dann zur ersten Auseinandersetzung gekommen. „Ich wollte schlichten, damit der Streit endet und wir heim können“, so der Altenmarkter. Drum sei auch er ausgestiegen, „obwohl ich mit der ganzen Situation eigentlich überhaupt nichts zu tun hatte“. 

Doch der Angeklagte, ein 20-jähriger Lehrling aus Tacherting, sei auch auf ihn losgegangen, ein Schlag verfehlte das Gesicht. „Ich hab ihn dann in den Schwitzkasten genommen und ihn nach unten gedrückt“, berichtet der Altenmarkter dem Traunsteiner Landgericht. Doch dann habe er im Rücken ein Brennen, ein Stechen gespürt, ihm wurde kalt. Jemand schrie: „Achtung! Messer!

Insgesamt 20 Tage verbrachte der 24-Jährige dann in den Krankenhäusern von Trostberg und München-Großhadern. Das Klappmesser mit Sieben-Zentimeter-Klinge drang bis in die Lunge, sie füllte sich mit Blut. „Früher bin ich viel Berggegangen, jetzt tu‘ ich mich schon bei Treppen schwer. Konditionell ist gar nichts mehr da“, so der Hauptgeschädigte. Die Ärzte hätten ihm eine Kondition „wie bei einem Kleinkind“ attestiert, die er erst wieder aufbauen müsse. Auch psychisch hat er noch immer mit der Messerattacke zu kämpfen. 

Vor dem Traunsteiner Landgericht wurde nun auch das Handyvideo eines Anwohners gezeigt. In den gut 30 Sekunden, die das Ende der Auseinandersetzung zeigen, sind spitze, angsterfüllte Schreie der Frauen zu hören, die ebenfalls mit im Auto saßen. „Nein!“, „Ein Messer!“, „Hör auf!“

Der zweite Geschädigte, der Fahrer, sagte ebenfalls als Zeuge aus. Ihn wollte der Angeklagte zur Rede stellen. Mutmaßlich ging es bei den beiden um Marihuanageschäfte. Nach kurzer Diskussion sei er „mit Anlauf auf mich zugesprungen und schlug mir ins Gesicht.“ Dann kam der schlichtende 24-jährige Altenmarkter ins Spiel. Den Stich konnte er nicht sehen, setzte sich danach aber auf den Angreifer und fixierte ihn am Boden. Eine der Frauen habe dem Angeklagten dann das Messer aus der Hand genommen. 

Der Vorbericht:

Die Tat soll sich am 29. Dezember vorigen Jahres gegen 5.15 Uhr am Trostberger Heimatmuseum ereignet haben: Nach einem Streit zwischen dem 20-Jährigen aus Tacherting und einer kleineren Gruppe - es ging angeblich um Marihuanageschäfte - soll der Angeklagte während einer Rangelei ein Klappmesser gezogen und zugestochen haben. Die Spitze der sieben Zentimeter langen Klinge landete in der Lunge seines Kontrahenten, der trotz starken Blutverlustes überlebte.

Prozess um versuchten Totschlag im Trostberger Nachtleben

Am ersten Prozesstag am Mittwoch, 2. September, zeigte sich der Tachertinger weitgehend geständig. „Alles ging so schnell, ich war betrunken. Ich hatte panische Angst und hab‘ dann zugestochen.“ Denn vor dem Messerstich sei er in den „Schwitzkasten“ genommen worden. Außerdem berichtete der junge Mann, dass er nach reichlich Alkohol und etwas Amphetamin den „Rausch seines Lebens" gehabt habe. Die Tat hätte er nicht geplant, er habe seine Kontrahenten zufällig getroffen.

Am heutigen Freitag, 4. September, wird der Prozess am Traunsteiner Landgericht fortgesetzt. Erwartet werden die Zeugenaussagen der unmittelbar Beteiligten und unter anderem auch des Geschädigten. Der Altenmarkter, damals 23 Jahre alt, erlitt nach dem Messerstich einen Blutverlust von bis zu 25 Prozent und befand sich laut Staatsanwaltschaft in Lebensgefahr. Laut Anklage hat er mit bleibenden Schäden zu kämpfen.

Angeklagt ist der 20-Jährige wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Der Prozess beginnt um 9 Uhr. chiemgau24.de wird aktuell aus dem Landgericht berichten.

xe

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