Nach Berufungsprozess um Unfall in Miesbacher Straße in Rosenheim

Anwälte über das Urteil: "Viele Indizien, aber keine Beweise"

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Die Anwälte der Angeklagten berieten sich am ersten Verhandlungstag noch einmal vor Beginn des Berufungsprozesses. Links: Harald Baron von Koskull, rechts: Dr. Andreas Michel

Traunstein/Rosenheim - Im Berufungsprozess um den Unfalltod zweier junger Frauen vom Samerberg hat das Landgericht Traunstein die beiden Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt. Die Verteidiger hatten zuvor Freisprüche beantragt. So reagieren sie auf das Urteil. 

"Ob das Urteil rechtskräftig wird oder nicht, wird sich zeigen", sagt Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull, der den BMW-Fahrer aus Kolbermoor vertritt, im Hinblick auf eine mögliche Revision. Ob man als Verteidigung zufrieden ist mit diesem Urteil, darauf antwortet von Koskull ironisch: "Hochzufrieden, endlich ist er im Gefängnis. Das ist die selbe Spekulation, die leider dazu geführt hat, dass offensichtlich diese intensive Medienberichterstattung dazu geführt hat, dass die Justiz, wie der Vorsitzende gesagt hat, bei vielen Indizien aber keinem Beweis meinen Mandanten verurteilt hat unter Missachtung meiner Meinung nach des Grundsatzes 'im Zweifel für den Angeklagten'."


Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel vertritt den BMW-Fahrer aus Riedering. Er kündigte bereits an, gegen das Urteil weitere Rechtsmittel einzulegen: "Wir legen Revision ein. Zunächst warten wir auf das schriftliche Urteil, für das das Gericht jetzt fünf Wochen Zeit hat", so Michel gegenüber rosenheim24.de. Dann hat der Anwalt einen Monat Zeit um die Revision zu begründen. Danach folgt die Prüfung durch das Revisionsgericht. Michel rechnet damit, dass im Frühjahr 2020 eine Entscheidung über die Revision fallen werde. Zum Verfahren selbst sagt der Rechtsanwalt: "Der Golf-Fahrer hat drei Fehler gemacht: Erstens hat er gebremst und wieder Gas gegeben, dann sagt er, er war am hinteren BMW schon vorbei und hat nicht eingeschert und dann hat er noch ausgesagt, dass Platz da gewesen wäre." 


Fahrer des überholenden Golf ist bereits verurteilt

Im Berufungsprozess wurden drei Verfahren verbunden: Die beiden gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Unfall auf der Miesbacher Straße und ein weiteres Verfahren: Der Angeklagte aus Kolbermoor wurde am 3. Dezember 2018 wegen der Teilnahme an einem verbotenen Autorennen vom Amtsgericht Rosenheim verurteilt. Er soll das Rennen nur kurze Zeit nach dem schlimmen Unfall gefahren haben. Auch gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Rechtsmittel eingelegt

Am 12. November wurde vor der sechsten Strafkammer des Landgericht Traunstein das Urteil im Berufungsprozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim verkündet. Die Männer haben sich nach Auffassung des Gerichts der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen schuldig gemacht. Bei einem der BMW-Fahrer kommt noch die Verurteilung wegen eines verbotenen Autorennens eine Woche vor dem ersten Prozess um den Unfall in der Rosenheimer Innenstadt dazu. Der Angeklagte aus Riedering wurde zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, der Angeklagte aus Kolbermoor zu zwei Jahren und fünf Monaten. Zudem wird den Angeklagten der Führerschein für ein Jahr und sechs Monate beziehungsweise zweieinhalb Jahre gesperrt. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Haft für einen der BMW-Fahrer gefordert, für den anderen drei Jahre und drei Monate. Die Verteidiger hatten zuvor Freisprüche für ihre Mandanten beantragt.

Zwei junge Frauen tot

Bei dem Unfall am 20. November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim wurden z wei junge Frauen tödlich verletzt. Die 15-jährige Ramona D. und die 21-jährige Melanie R. stammten beide vom Samerberg. Ramonas Schwester Lena überlebte den Crash schwerst verletzt.

Sie starben, als ihr Kleinwagen von einem Golf GTI frontal gerammt worden war. Die 25 und 26 Jahre alten Angeklagten saßen am Steuer zweier BMW. Sie sollen den überholenden Golf nicht mehr rechtzeitig zwischen ihren Fahrzeugen reingelassen haben, weshalb es laut Anklage zu dem tödlichen Unfall gekommen war. Der Fahrer des Golf GTI aus Ulm ist bereits zu 20 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

jb

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