Verhandlung am Traunsteiner Landgericht

Zweiter Prozesstag: War genug Platz zum Einscheren?

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Die Anwälte der Angeklagten berieten sich am ersten Verhandlungstag noch einmal vor Beginn des Berufungsprozesses.

Traunstein/Rosenheim - Fast drei Jahre ist es her, dass bei einem Unfall in der Miesbacher Straße zwei junge Frauen getötet wurden. Drei Männer mussten sich vor Gericht verantworten, alle drei wurden verurteilt. Zwei von ihnen gingen in Berufung. Am Dienstag wird der Berufungsprozess fortgesetzt.

UPDATE, 16.15 Uhr: Wichtigste Zeugen sagen aus

Der zweite Verhandlungstag des Berufungsprozesses um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim am Landgericht Traunstein war geprägt von den Aussagen der wichtigsten Zeugen: Gehört wurden der Golffahrer, der mit den jungen Frauen vom Samerberg kollidierte, seine Beifahrerin und die Beifahrer der Angeklagten.


Rennen oder nicht?

Der 26-jährige Golffahrer aus Ulm erschien im Beisein seines damaligen Verteidigers Rechtsanwalt Stephan Rochlitz. Er wurde vom Amtsgericht Rosenheim bereits zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Diese ist inzwischen rechtskräftig. Der Mann schilderte vor Gericht ein weiteres Mal, wie es zu dem tragischen Unfall kam. Kurz vor der Kollision sei er von den beiden Angeklagten überholt worden. „Ich habe mir gedacht, die liefern sich ein Rennen.“ Hier hakte der Vorsitzende Richter Dr. Jürgen Zenkel noch einmal genauer nach. Auf seine Nachfrage hin bestätigte der Ulmer, dass es eine reine Mutmaßung sei, dass es ein Rennen war. „Ob es so war weiß ich nicht.“ Seine damalige Beifahrerin kann sich an diesen Überholvorgang auch noch erinnern. „Ich hätte aber nie gedacht, dass die irgendwie ein Rennen fahren wollten. Als sie an uns vorbei waren ist er auf einmal aufs Gas getreten. Ich wusste auch nicht was ihn da geritten hat.“ Zuvor sei er immer umsichtig und gesittet gefahren. Die Frau erlitt durch den Unfall massive Verletzungen und ist bis heute arbeitsunfähig.

Der Überholvorgang

Der Golffahrer habe nach eigener Aussage geplant, den hinteren BMW zu überholen und dann in der Lücke zwischen den BMWs einzuscheren. „Ich war zunächst leicht hinter dem zweiten BWM, dann habe ich beschleunigt, er auch. Ich holte weiter auf und wollte den vorderen BMW auch noch überholen. Aber das habe ich nicht mehr geschafft.“ Er habe das Gefühl gehabt, dass der BMW-Fahrer ihn nicht vorbei lassen wollte, habe sich provoziert gefühlt. Seine Beifahrerin konnte das nicht bestätigen. Sie verstehe bis heute nicht, warum er überhaupt überholt hat.


Widersprüche in den Aussagen

Richter Dr. Zenkel hielt dem Unfallfahrer mehrere seiner früheren Aussagen vor. Diese stehen im Widerspruch zu seinen Darlegungen am Dienstag. Etwa zur Frage nach dem Abstand zwischen den BMW oder ob die Angeklagten kurz vor der Kollision Gas gegeben oder gebremst haben. „Ist es nicht so, dass Sie sich hier etwas zurecht legen?“, fragte Dr. Zenkel. Der 26-Jährige verneinte das. „Ich habe schon immer ausgesagt, dass die Lücke geschlossen war und ich nicht einscheren konnte.“ Der Beifahrer des hinteren BMW sah das anders: „Er hätte ganz leicht vor uns noch einscheren können“, sagte er am Dienstag aus. Seiner Meinung nach habe sich der Abstand zwischen den beiden BMWs während des Überholvorgangs sogar noch vergrößert. „Der hat 100 Prozent noch Platz gehabt einzuscheren“, erinnerte sich auch der Beifahrer des vorderen BMW. Bei seiner Aussage verstrickte sich der Zeuge zunehmend in Widersprüche. Eineinhalb Jahre lang nach dem Unfall habe er keinen Kontakt zum anderen BMW-Fahrer gehabt. Über den Unfall selbst hätten sie nie gesprochen.

Wo war das Handy?

Ein weiteres Thema vor Gericht war die Handynutzung des Golffahrers. Sein Mobiltelefon habe sich zum Kollisionszeitpunkt in seiner Hosentasche befunden. Auch seine Beifahrerin bestätigte, dass „er es jedenfalls nicht in der Hand gehalten hat.“ Wo genau es sich befunden hatte wusste sie nicht mehr.

Der Prozess wird am 17. Oktober fortgesetzt. Dann werden vor der sechsten Strafkammer des Landgericht Traunstein nur noch einige weitere Zeugen gehört. Eine zentrale Rolle wird das unfallanalytische Gutachten des Sachverständigen Andreas Thalhammer spielen.

jb

UPDATE, 10.55 Uhr - Zweiter Prozesstag läuft

Am Vormittag wurde der Berufungsprozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim am Landgericht Traunstein fortgesetzt. Der zweite Verhandlungstag wird geprägt sein von den Aussagen der wichtigsten Zeugen: Gehört werden der mittlerweile 26-jährige Golf-Fahrer, der mit den Mädchen vom Samerberg kollidierte, seine Beifahrerin und die Beifahrer der Angeklagten. 

Die ausführlichen Aussagen der Zeugen wird rosenheim24.de am Ende des Prozesstages veröffentlichen!

Der Vorbericht:

Am Donnerstag, den 10. Oktober begann der Berufungsprozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim. In voraussichtlich sieben Verhandlungstagen wird der Fall am Landgericht Traunstein neu verhandelt. Nach ihren jeweiligen Verurteilungen haben sowohl der Angeklagte aus Kolbermoor, als auch sein Mitangeklagter aus Riedering Berufung eingelegt.

Im Berufungsprozess werden drei Verfahren verbunden: Die beiden gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Unfall auf der Miesbacher Straße und ein weiteres Verfahren: Der Angeklagte aus Kolbermoor wurde am 3. Dezember 2018 wegen der Teilnahme an einem verbotenen Autorennen vom Amtsgericht Rosenheim verurteilt. Er soll das Rennen nur kurze Zeit nach dem schlimmen Unfall gefahren haben. Auch gegen dieses Urteil hat der Angeklagte Rechtsmittel eingelegt

Angeklagte brechen ihr Schweigen

Nachdem sich beide Männer bei den ersten Prozessen nicht geäußert hatten, brachen sie am ersten Verhandlungstag des Berufungsprozesses ihr Schweigen. „Ich habe so oft überlegt was ich anders machen hätte sollen“, sagt der Kolbermoorer am Donnerstag den Tränen nah. Beide wissen nicht mehr genau, wie sie damals reagiert haben. Sie gingen davon aus, dass der Golffahrer aus Ulm genug Platz gehabt habe, um einzuscheren. Ein illegales Rennen verneinten sie vor Gericht. Beide leiden unter den Angriffen und Vorverurteilungen in der Presse und den sozialen Medien, wie sie angaben.

Insgesamt 31 Zeugen sollen bei dem Berufungsprozess gehört werden. Das Urteil wird für Dienstag, 12. November, erwartet.

Schuldspruch vor dem Amtsgericht Rosenheim 

Das Amtsgericht Rosenheim sprach beide Fahrer bei der ersten Verhandlung der fahrlässigen Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässigen Körperverletzung schuldig. Der BMW-Fahrer aus Riedering wurde im März 2019 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, der Fahrer aus Kolbermoor im Mai 2018 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Der Autofahrer aus Ulm wurde zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Diese ist inzwischen rechtskräftig. Er wird in diesem Prozess jedoch voraussichtlich wieder als Zeuge aussagen müssen.

Bei dem Unfall am 20. November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim wurden z wei junge Frauen tödlich verletzt. Die 15-jährige Ramona D. und die 21-jährige Melanie R. stammten beide vom Samerberg. Ramonas Schwester Lena überlebte den Crash schwerst verletzt.

Die Unfallstelle auf der Miesbacher Straße in Rosenheim. Die weißen Kreuzen haben Unbekannte aufgestellt. Sie sollen die Unschuldigkeit der Opfer erinnern.

Die beiden BMW-Fahrer, gegen die jetzt neu verhandelt wird, sollen den Golf damals absichtlich beim Einscheren nach einem Überholvorgang behindert und so den Horror-Unfall mitverursacht haben. 

**chiemgau24.de berichtet vom Prozess am Dienstag**

jb

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