Prozess vor dem Landgericht Traunstein

Ex-Freunde zum Mord verführt?

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Der 35-jährige Angeklagte (Links) und der 48-jährige Haupttäter.(Hier klicken für eine Groß-Ansicht des Bildes)
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Garching/Traunstein - Zusammen mit zwei Ex-Freunden soll eine 40-Jährige versucht haben, den Vater ihres Kindes zu töten. Beiden habe sie dabei eine Beziehung in Aussicht gestellt.

Wegen versuchten Mordes müssen sich seit diesem Dienstag zwei Angeklagte - eine 40-jährige Frau und ihr 48-jähriger Ex-Freund - vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Ein dritter Angeklagter ist der Beihilfe zum Mord angeklagt. Bei ihm handelt es sich um einen 35-jährigen Mann, der ebenfalls früher eine Beziehung mit der Beschuldigten unterhielt.

Die beiden Hauptangeklagten sollen gemeinsam einen Plan ausgeheckt haben, um den 55-Jährigen Ex-Freund der Frau, mit dem sie auch eine gemeinsame Tochter hat, umzubringen.

Die 40-jährige Angeklagte.

Die 40-Jährige soll zu diesem Zweck Skizzen und Fotos von der Wohnung des Kindsvaters an den 48-Jährigen weitergegeben haben. Zudem soll sie ihm auch nahegelegt haben, das Opfer mit einem Messerstich in den Halsbereich oder die Nieren umzubringen. Laut Staatsanwaltschaft war der Grund für den Mordversuch der Frau, dass sie den Umgang des 55-Jährigen mit der gemeinsamen Tochter verhindern wollte.

Ende Februar 2014 soll der 48-Jährige dann zur Tat geschritten sein. Laut Anklage habe er gegen 22.30 Uhr die Wohnung des Opfers betreten. Der Schlüssel habe von außen in der Tür gesteckt. Anschließend sei er ins Schlafzimmer des Geschädigten gegangen und habe ihm mit einem Messer in den Hals gestochen. Durch den Stich wurde die Arteria vertebralis, also ein Ast der Schlüsselbein-Arterie, vollständig durchtrennt. Ohne eine Notoperation hätte das Opfer den Angriff wohl nicht überlebt. Der Angeklagte soll anschließend wieder vom Tatort geflohen sein. Als Beweggründe für den Mordversuch sah die Staatsanwaltschaft, dass er so versucht habe, die Beziehung mit der 40-Jährigen wieder aufleben zu lassen.

Der dritte Angeklagte sei ebenfalls in die Planungen des Tötungsversuchs involviert gewesen. Er soll die 40-Jährige in ihrem Vorhaben, ihren Ex-Partner umzubringen, bestärkt haben. Mit einer Vielzahl von WhatsApp-Nachrichten soll er auf eine zeitnahe Tatausführung hingewirkt haben.

Sein Ziel sei es gewesen, die Beziehung mit der Angeklagten danach öffentlich zu machen. Laut Anklage habe ihm die 40-Jährige nämlich klar gemacht, dass dies erst möglich wäre, wenn der 55-jährige Kindsvater tot sei.

Die Aussagen der Angeklagten

Der 48-jährige Haupttäter räumte vor Gericht ein, die Tat begangen zu haben. Er bestritt allerdings, in Tötungsabsicht gehandelt zu haben: "Ich wollte ihn nicht ernsthaft verletzen. Ich wollte ihm erst in die Schulter oder den Arm stechen. Ich habe gar nicht gewusst, wo ich ihn getroffen habe." Der vorsitzende Richter Erich Fuchs zweifelte dies allerdings an: "Sie hatten doch vorher schon mit der Angeklagten den Plan gefasst, ihn in den Hals zu stechen. Und genau so ist es ja auch gekommen."

Als Motiv nannte der 48-Jährige den Wunsch, mit seiner Ex-Freundin wieder zusammen zu kommen. Zudem habe sie ihm sehr glaubwürdig geschildert, dass der 55-Jährige mit der gemeinsamen Tochter abhauen wollte. "Ich wollte ihr helfen, damit unsere Beziehung wieder auflebt", so der Angeklagte.

Auch die 40-jährige Angeklagte legte ein Geständnis ab. Sie habe die Tat zusammen mit ihrem Ex-Freund geplant. Auch habe sie ihm Skizzen und Fotos der Wohnung des Opfers übergeben. Auf die Frage, warum sie den Tod des 55-Jährigen gewollt habe, meinte sie: "Ich weiß es nicht." Anschließend versuchte sie aber ihren 48-jährigen Mitangeklagten zu belasten. "Er wollte ihn aus Eifersucht umbringen." Sie habe gedacht, die Mordpläne seien nur eine Spinnerei des Angeklagten gewesen. Richter Fuchs zweifelte ihre Aussage an: "Sie waren verpflichtet, ihrem Ex-Freund den Umgang mit der gemeinsamen Tochter zu gewähren. Und das wollten sie mit allen Mitteln verhindern. Das war der Grund für den Plan." Auf die Vorwürfe reagierte sie mit Trotz und meinte, so wäre es nicht gewesen.

Den dritten Angeklagten versuchte sie hingegen mit ihrer Aussage vollständig zu entlasten. "Er hatte damit nichts zu tun." Bei seiner Einlassung vor Gericht beteuerte dieser auch seine Unschuld. "Ich habe nicht gedacht, dass sie das ernst meint, mit dem Mord. Sonst hätte ich das auch sofort mit ihr abgebrochen." Er habe hinter den WhatsApp-Nachrichten seiner Ex-Partnerin etwas anderes vermutet. "Ich dachte, dass es nur ein Vorwand war, um mich von ihrer Wohnung fernzuhalten, weil sie wieder etwas mit ihrem anderen Ex-Freund angefangen hat."

Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt.

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