Ein Gespräch mit Dr. Peter Ramsauer

"Ramses" wird 66 Jahre alt: Ursprünglich wollte er nur "gegen den Stachel löcken"

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Zusammen mit dem Ramsauer - Fan Michael Schmidt aus Chieming.

Traunstein - Am Montag, 10. Februar, wird Dr. Peter Ramsauer, 66 Jahre alt, „Ramses“, wie er von vielen Freunden seit Jahrzehnten genannt wird. Es gibt keine große Feier. Lediglich CSU-Bürgermeister und –Vorsitzende aus der Region sind zu einem Weißwurst-Frühstück geladen und natürlich ein privates Fest mit der Familie.

66 – die Schnapszahl ist jedoch willkommener Anlass für ein Gespräch mit dem früheren Verkehrsminister (2009 bis 2013) im Kabinett Merkel, der seit 1990 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Traunstein und Berchtesgadener Mitglied des Deutschen Bundestags ist.


Von seiner familiären Tradition her hat Peter Ramsauer keine „politischen Wurzeln“. Er stammt aus der Talmühle in Traunwalchen, die erstmals 1553 in alten Schriften erwähnt ist. Seine Vorfahren waren Müller, auch er selbst ist Müllermeister, legte 1980 seine Meisterprüfung vor der Handwerkskammer in München ab. „Wir waren eine völlig unpolitische Familie“, erinnert er sich. Sein Vater starb, als er 12 Jahre alt war, so dass die Mutter seine jüngere Schwester Anneliese und ihn alleine aufziehen musste.

Interesse an Politik im Landschulheim Marquartstein geweckt

Wie kamen Sie dann dazu, Politiker zu werden? Sein politisches Interesse sei sehr früh im Staatlichen Landschulheim Marquartstein geweckt worden, wo Ramsauer neun Jahre lang das Internat besuchte und 1973 das Abitur ablegte. „Zwei Lehrer dort haben eigentlich mein Leben in die Richtung zum Politiker und zum Musiker gelenkt“, erzählt er im Gespräch mit unserer Berichterstatterin. Ein Lehrer, dem er noch heute dankbar ist, sei Dr. Peter Stolberg, damals Lehrer für Geschichte, Sozialkunde und Deutsch gewesen. 


Als früherer Kriegsteilnehmer konnte Stolberg stundenlang leidenschaftlich von den fürchterlichen Erlebnissen im Krieg erzählen. Ramsauer kann ihn noch heute in Gesten und Stimme lebendig nachahmen, wie ihn viele seiner Schüler in seiner jahrzehntelangen Lehrtätigkeit erlebt haben.

Das politische Klima sei natürlich in den Zeiten um die 68er Jahre eher links gerichtet gewesen, so dass Ramsauer schon um „gegen den Stachel zu löcken“ den Bayernkurier, aber auch den „Vorwärts“ gelesen habe, erinnert er sich. Es habe ihm schon bald viel Spaß gemacht, „was um einen herum ist, mitzugestalten“. So trat er schon als Oberstufenschüler der Jungen Union bei, gründete die „Schülerunion in Bayern“ mit, wurde 1973 Ortsvorsitzender der Jungen Union in Traunwalchen... usw. Immer nach dem Motto „Wir wollen unsere Zukunft nicht anderen überlassen“.

Alternative: Konzertpianist

Der zweite Lehrer am Landschulheim, der Ramsauer nachhaltig prägte, war sein Musiklehrer Franz Weilnhammer, der selbst Konzertpianist war. Schon als Efljähriger übte er freiwillig mindestens zwei Stunden Klavier am Tag. Im Internat hatte er bald einen eigenen Schlüssel zum so genannten „Musikpavillon“, so dass er jederzeit ungestört spielen konnte, in höheren Klassen sogar „sechs bis sieben Stunden am Tag“.

Von diesen beiden Lehrern habe er das Wichtigste für sein Berufsleben in der Politik gelernt. Einen politischen Auftritt vergleicht er mit einem Bühnenauftritt als Konzertpianist: „Wenn man das Publikum nicht in den ersten 30 Sekunden für sich einnehmen kann, schafft man es danach nicht mehr“, weiß Ramsauer. „Das Publikum muss sich umarmt fühlen“ – man müsse den Leuten in die Augenschauen und intuitiv das Richtige sagen und tun, „vor allem authentisch sein“. Dazu gehöre auch viel Erfahrung und natürlich gehe es manchmal auch schief, aber aus Fehlern könne man lernen.

Was tun bei Buh-Rufen?

Sind Sie schon mal mit Buh-Rufen empfangen worden? „Erst neulich von den Bauern in Seeon“, gibt der Politiker sofort ein aktuelles Beispiel. In der Rheinischen Post schrieb der bekannte Politikjournalist Gregor Mayntz dazu, Ramsauer habe es geschafft, die Buh-Rufe der aufgebrachten Bauern nach einer Minute in Applaus zu verwandeln. Wie? Er verstärkte seinerseits die Kritik an der Agrarpolitik noch und wendete die Vorwürfe aber gegen die seiner Meinung nach verfehlten agrarpolitischen Forderungen der Grünen, womit er die Bauern wieder auf seiner Seite hatte. So ein Manöver sei allerdings nur mit viel politischer Erfahrung möglich, und jede Situation sei wieder anders, so Ramsauer. 

Für ganz wichtig hält er es, dass ein Politiker niemals Unsicherheit oder gar Angst ausstrahlen dürfe. Wie „die Beute vor dem Jäger“ oder Schulkinder bei einem jungen Lehrer, etc., spüre das Publikum die Unsicherheit sofort und reagiere entsprechend. Entscheidend sei es auch, „sich sprachlich nicht zu verstellen.“ Denn auch dieses „Unauthentizität“ spüre das Publikum ganz schnell und sie komme nie gut an.

„Maul halten können“

Welche persönlichen Eigenschaften sind für einen Politiker besonders wichtig? „Zuverlässigkeit, Verschwiegenheit, Demut, niemals Duckmäuser sein, die eigene Linie authentisch vertreten“. Besonders das „Maul halten können“ sei manchmal gegenüber Freund und Feind unabdingbar, sagt der studierte Betriebswirtschaftler, der 1985 zum Thema „Wirtschaftliche Ziele und Effekte der Gebietsreform in Bayern“ in München promovierte.

Allen jungen Kollegen empfiehlt er eine „starke innere Distanz zum politischen Geschäft“. Die fachliche Eignung sei nur eine der vielen Eigenschaften eines Politikers, „sich im politischen Machtpoker zurechtzufinden“. Die andere sei „ein gewaltiges Nervenkostüm“. Er habe zwar schon von Anfang ab „gute Nerven gehabt, aber sich noch dickere wachsen lassen“.

„Das Nest zu Hause brauche ich unbedingt“

Peter Ramsauer ist seit 1987 mit seiner Frau Susanne verheiratet, einer ehemaligen Hauwirtschaftslehrerin aus Bergen und Vater von vier erwachsenen Töchtern. Sein Leben -- vielfach ein 14-Stunden Tag, unter der Woche oft in Berlin sei nicht selten „eine Zumutung für die Familie“ gewesen. Aber eigentlich sei er bodenständig, denn „das Nest zu Hause brauche ich unbedingt“. Immer habe er versucht, die Familie – schon mit den noch ganz kleinen Töchtern - mitzunehmen und in das politische Leben zu integrieren, zum Beispiel bei Festzügen oder auch Besprechungen im Kanzleramt bei Angela Merkel, wenn die Kinder ohne weiteres - mit genug Spielzeug versorgt - derweil spielen konnten.

Wenn die Ramsauers heute das Familien- und Eheleben vieler Politikerkollegen anschauen, „dann kommen wir uns vor wie Exoten“, sagt Ramsauer. Es sei wirklich ein großer Glücksfall, dass es bei ihnen so gut gehe. Er habe auch seine Zweifel, ob jemand ein Staatswesen tatsächlich geordnet führen könne, wenn „in seinen vier Wänden alles drunter und drüber geht“.

Gegen Ende des Gesprächs im Traunsteiner Gasthof Schnitzlbaumer kommt zufällig ein junger Mann, der eigentlich nur kurz nach dem Weg fragen möchte, aber dann stutzig wird, weil ihm Peter Ramsauer irgendwie bekannt vorkommt. Als Michael Schmidt aus Chieming schließlich erfährt, wen er vor sich hat, scheint es für ihn wie Geburtstag und Weihnachten zusammen. Er macht begeistert Selfies zusammen mit Ramsauer, holt sich ein persönliches Autogramm und lässt sich sehr gerne mit ihm fotografieren. „So etwas erlebe ich oft und das ist immer wieder schön“, freut sich Ramsauer. Ganz offensichtlich macht ihm sein „Rund-um-die Uhr-Beruf“ noch immer viel Spaß, so dass er ihn hoffentlich noch viele Jahre ausüben kann. 

Christiane Giesen

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