Anwohner-Info wegen des Übungsplatzes Traunstein-Kammer

Gebirgsjäger: "Wir sind eher ruhige Nachbarn"

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Der Standortübungsplatz Traunstein-Kammer wird um den „Reichsberger Bogen“ erweitert.

Traunstein/Kammer - Die Anwohner über die geplanten Veränderungen auf dem Standortübungsplatz Traunstein-Kammer zu informieren – das war das Ziel eines Vortrags des Standortältesten Bad Reichenhall, Oberst Stefan Leonhard, mit anschließender Fragerunde am Montagabend im Gasthaus Jobst in Rettenbach.

Der Standortälteste hatte gute Nachrichten für die Anwohner im Gepäck: Trotz der höheren Frequentierung des Übungsplatzes durch die Gebirgsjäger hätten sie keinen steigenden Übungslärm zu befürchten. „Die geplanten Maßnahmen dienen vorrangig dazu, die Verkehrs- und Betriebssicherheit auf und rund um den Übungsplatz zu verbessern“, gab er den Bürgern zu verstehen. Zusätzlich nutzte Oberst Leonhard die Möglichkeit, die Bürger über die Gebirgsjägerbrigade 23 zu informieren.

Bedeutung der Gebirgsjäger für die Region

Um 19 Uhr startete Oberst Leonhard im gut besuchten Gasthaus seinen Vortrag, in dem er die Gebirgsjägerbrigade 23 mit ihren besonderen Fähigkeiten im Kampf in schwierigem bis extremen Gelände unter extremen klimatischen Bedingungen vorstellte. Er unterstrich nicht zuletzt die wirtschaftliche Bedeutung der Soldaten für die Region: „Im Landkreis Traunstein leben derzeit rund 200 Soldatenfamilien und ebenso viele Ehemalige, die in der Region eine neue Heimat gefunden haben.“ Da auch Vertreter von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk geladen waren, ging der Standortälteste auch auf die Möglichkeiten der Bundeswehr zur Unterstützung bei der Katastrophenhilfe und auf die Nutzung des Übungsplatzes für Blaulicht-Organisationen ein.

Ausbildung für Einsätze und Landesverteidigung

Wie sich auch aus den Erfahrungen in den laufenden Konflikten in Syrien und Irak zeigt, gewinnt das urbane Umfeld immer mehr an Bedeutung in der Operationsführung. Damit die Gebirgsjäger im Rahmen ihrer Ausbildung den Orts- und Häuserkampf üben können, wird auf dem Übungsplatz eine Dorfstelle gebaut. Die fünf Übungshäuser sollen in Container-Bauweise errichtet werden. Oberst Leonhard betonte aber, dass nicht nur die Einsätze im Fokus der Ausbildung stehen dürften. Aufgrund der aktuellen politischen Lage rücke auch die Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Vordergrund. Dies mache vermehrt auch freilaufende Übungen und Gefechtsübungen notwendig.

Ziel müsse die Sicherstellung einer „reaktionsfähigen und kriegstauglichen Brigade“ sein. Da ein Großteil der Übungen der Gebirgsjäger schon jetzt nicht mehr in der Region, sondern beispielsweise in Österreich, Norwegen und anderen Übungsplätzen in ganz Deutschland stattfindet, sei die Belastung der heimischen Bevölkerung durch den Übungslärm ohnehin vergleichsweise gering. Nichtsdestotrotz seien auch die Übungsplätze in der Region weiterhin von Bedeutung, um eine standortnahe Ausbildung ohne lange Anfahrtszeiten sicherzustellen. „Wir sind aber eher ruhige Nachbarn“, versicherte Oberst Leonhard den Bürgern mit einem Augenzwinkern.

Die Einfahrt zum Übungsplatz wird durch eine Durchforstung übersichtlicher und damit verkehrssicherer.

Übungsraum für Boxer benötigt

Mit der Einführung des neuen Gefechtsfahrzeugs Boxer beim Gebirgsjägerbataillon 231 in Bad Reichenhall besteht der Bedarf an entsprechender Ausbildung im Nahbereich. Der Bad Reichenhaller Übungsplatz Kirchholz kommt dafür aufgrund seiner geringen Größe und Topografie nicht in Frage. Auch das alpine Gelände auf der Reiter Alpe ist für den Einsatz des Boxers nicht geeignet. Demnach ist Traunstein-Kammer der einzige Übungsplatz im Verantwortungsbereich des Standortältesten Bad Reichenhall, auf dem der Boxer eingesetzt werden kann.

Da aber auch der Übungsplatz Kammer nicht genug Platz und vor allem kein ausgewogenes Verhältnis von bewaldeten und freien Flächen bietet, soll er um den „Reichsberger Bogen“ erweitert werden. Das Gelände gehört noch dem Bayerischen Staatsforst und soll nach einem Verkauf an den Bundesforst von der Bundeswehr gepachtet und in den militärischen Bereich integriert werden.

Verkehrs- und Betriebssicherheit wird verbessert

Für mehr Verkehrssicherheit: An der Zufahrt zum Übungsplatz entsteht eine Fahrzeugwaschanlage.

Die bisherige Ausbildung mit dem Boxer auf dem Übungsplatz Kammer hat gezeigt, dass in die Betriebs- und Verkehrssicherheit investiert werden muss. Um eine Verschmutzung der öffentlichen Straßen zu verhindern, soll eine Fahrzeug-waschanlage an der Zufahrt zum Übungsplatz gebaut werden. Auch die unübersichtliche Einfahrt selbst soll durch eine Auslichtung verkehrssicherer gemacht werden. Die strengen Umweltauflagen werden dabei nicht außer Acht gelassen. So werden neue Ausgleichsflächen geschaffen und die gerodete Fläche an anderer Stelle mit hochwertigen Hölzern aufgeforstet. Um die Kraftfahrer der Gefechtsfahrzeuge in Geländefahrten zu schulen, soll zudem eine sogenannte „Geländefahrbahn“ als weiterer Beitrag zur Verkehrssicherheit errichtet werden.

Bevölkerung sieht Veränderungen gelassen

Nachdem Oberst Leonhard die Bürger über die geplanten Veränderungen auf dem Übungsplatz Kammer aufgeklärt hatte, gab er das Plenum frei für Fragen aus der Bevölkerung. Diese reichten von Zutrittsregelungen, über Fragen des Umweltschutzes, bis hin zu Verhaltensweisen und möglichen Lärmentwicklungen während der Übungsvorhaben. Der Standortälteste betonte, dass der Übungsplatz den Bürgern außerhalb der Übungszeiten auch weiterhin als Naherholungsgebiet diene. Einzig das Befahren des Übungsplatzes mit Fahrzeugen zu privaten Zwecken sei nach wie vor ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet, da sich die Betriebssicherheit ansonsten nicht sicherstellen ließe. Zudem ist der Übungsplatz ein Naturschutzgebiet nach den Richtlinien der „Flora-Fauna-Habitat“ und darf daher nicht über Gebühr belastet werden.

Auch die Bedenken zur Umweltverträglichkeit der neuen Waschanlage konnten ausgeräumt werden, da die Waschanlage ein autarkes System ist, bei dem das Wasser immer wieder verwendet und in einem Absetzbecken aufbereitet wird. Die Bedenken zu einer höheren Lärmentwicklung während der Übungsvorhaben konnte der Standortfeldwebel, Stabsfeldwebel Oswald Wagner, entkräften: „Wir haben während dem Schießen Messungen an der Übungsplatzgrenze durchgeführt. Die Werte liegen weit unter den vorgeschriebenen Grenzwerten.“ Zudem sei nicht mit einem merklichen Anstieg von Übungen zu rechnen. Wenn sich die Brigade im Einsatz befinde, würde die Anzahl der Übungsvorhaben ohnehin abnehmen. Oberst Leonhard zeigt sich über den Verlauf der Veranstaltung zufrieden: „Wir konnten der Bevölkerung etwaige Vorbehalte zu den geplanten Veränderungen nehmen. Die Anwohner wissen jetzt, dass sie nichts zu befürchten haben.“

Pressemitteilung Gebirgsjägerbrigade 23, Hauptmann Christian Giehl

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