Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Der Sport ist doch die Schule des Lebens“

Romy Groß-Angerer und Tobias Angerer engagieren sich für den heimischen Langlauf-Nachwuchs

Romy Groß-Angerer und Tobias Angerer
+
Romy Groß-Angerer und ihr Mann Tobias Angerer haben einen vollen Terminkalender. Die beiden Ex-Profi-Sportler engagieren sich ehrenamtlich im nordischen Nachwuchs-Bereich.

Der Terminkalender von Romy Groß-Angerer und ihrem Mann Tobias Angerer ist gut gefüllt. Bei beiden gleichzeitig einen Gesprächstermin zu bekommen, ist nicht einfach.

Traunstein - Die Aufgaben der Vizepräsidentin des Bayerischen Skiverbandes (Nordisch & Biathlon), gleichzeitig Sportwartin beim SV Chiemgau, und des Vizepräsidenten im Deutschen Skiverband (DSV) sind vielfältig und zeitintensiv: „Aber wir machen das gern. Wir können schließlich nicht von den Vereinen, ihren Trainern, den ehemaligen Athletinnen und Athleten und letztlich den so elementar wichtigen Eltern erwarten, dass sie sich für die gute Sache engagieren – und selbst nichts machen“, sagt Romy.

Sie und ihr Mann wollen stets mit gutem Beispiel vorangehen und dabei (neue) Wege und (innovative) Möglichkeiten aufzeigen, wie die Kinder und Jugendlichen verstärkt zum Sport „zurückfinden“ können. „Denn Corona hat schon was ausgelöst“, sagt der ehemalige Weltklasse-Langläufer Tobias Angerer, zweifacher Gesamtweltcupsieger und mit elf Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften dekoriert. Es sei noch nicht fünf vor zwölf, die Entwicklung sollte jedoch rasch gestoppt werden. Die Anzahl der Wintersport-anbietenden Vereine in Bayern ging seit 2018 zwar „nur“ um 30 auf 1141 zurück, dennoch „ist es freilich um jeden einzelnen extrem schade“, wissen beide.

Beim SV Chiemgau ist im Skilanglauf kein Abwärtstrend erkennbar, im Gegenteil: „Wir haben 450 Kinder zwischen sechs und 15 Jahren, eine stattliche Zahl“. Die Betreuung durch die Vereine, das Training im Schüler- und Jugendteam sowie die ganze Logistik der Langlaufserie erfordern einen enormen Aufwand. Im Sommer ist die engagierte Sport-Familie aus Traunstein in erster Linie mit Organisatorischem beschäftigt. Im Winter, also während der Saison, wenn letztlich „alles läuft“, sind die Angerers an den meisten Wochenenden unterwegs: Romy mit dem SVC bei den Schüler-Cup-Bewerben, Tobias beruflich mit seinen Langlauf-Camps oder bei Sponsoren-Events im Weltcup…

Lanze für das Ehrenamt brechen

Ihre Herzen hängen am nordischen Wintersport. Für das Ehrenamt brechen sie jede Lanze: „Das ist so wichtig, das A und O unseres Engagements. Darum muss es gestärkt werden. Ohne die Hilfe so vieler Menschen wäre das alles nicht möglich“, sagt Romy, die ehemalige Biathletin. Hauptberuflich ist sie heute als Rechtsanwältin tätig. Um das Quantitative ist ihr nicht bang: „Wir haben genug Nachwuchs.“ Und freilich freut sie sich, wenn sich außergewöhnliches Talent darunter befindet: „Es ist jedoch nicht unsere Aufgabe, jemanden in die Weltspitze zu bringen. Die wenigsten werden Weltmeister.

„Wenn es jemand schafft, dann ist das wie ein Lotto-Gewinn“, sagt Tobias, der weiß: „Es hängt an so vielen Faktoren. Das Elternhaus, Glück mit Verletzungen, die richtigen Trainer im richtigen Moment. Ich selbst war kein Riesentalent. Aber ich durfte wachsen, mich entwickeln. Irgendwann hat es Klick gemacht, das ist später durchaus noch möglich“.

Dem Traunsteiner Paar geht es in erster Linie darum, dass sich die Kinder bewegen und echte Freude an ihrem Sport entwickeln.

Darum sind sie froh, dass sich der Langlaufsport so positiv Richtung „mehr Attraktivität“ entwickelt hat. „Zu meiner Anfangszeit sind wir teilweise noch stundenlang durch den Wald gelaufen, abseits jeglichen Publikums, irgendwo eintönig und stupide“, erinnert sich Tobias Angerer. Doch schon während seiner aktiven Zeit konnten neue, innovative Ideen im Weltcup umgesetzt werden: Die „Tour de Ski“, deren erste Auflage 2006/07 Angerer gewann, war ein großer und wichtiger Schritt. Heute gibt es Sprint- und Massenstart-Rennen, mehr Team-Bewerbe, sogar mitten in Großstädten.

So kam der Sport zu den Menschen. „Wir können den Kindern jetzt viel mehr anbieten als früher. Beispielsweise in Dresden.“ In den vergangenen fünf Jahren war dort der Weltcup zu Gast, im Anschluss gab es jeweils die „Schulsportwoche auf Ski“. Tobias Angerer zufrieden: „Dabei konnten wir insgesamt fast 3000 Kinder auf die Skier und in den Schnee bringen.“ Zu seiner aktiven Zeit hätten sie sich die Abwechslung im Training selbst gesucht: „Wir sind mit den Langlaufskiern über Geländeschanzen gesprungen, Slalom gefahren“, erinnert sich der 45-Jährige, der sich seit Ausbruch des Krieges in Europa zudem im Traunsteiner Verein „Athletes for Ukraine“ engagiert.

Von 2014 bis 2018 studierte Angerer in Ismaning Sport-Marketing beziehungsweise -Management und schuf sich nach der aktiven Karriere mit seiner eigenen Vermarktungsagentur ein neues berufliches Standbein. „Ich bin froh, mich nebenbei beim DSV für den Nachwuchs einbringen zu können. Da gibt es ein unerschöpfliches Reservoir an Themen“, sagt der gebürtige Traunsteiner. „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen ,einfach‘ etwas für ihr späteres Leben mitgeben. Wenn sie in Bewegung bleiben, ist viel gewonnen. Dazu braucht es keine Medaillen bei Weltmeisterschaften. Wir hoffen, dass sie sich später engagieren. Das kann bereits mit 16 Jahren beginnen. Wir schätzen ihre Erfahrung in den Vereinen, im Gauschülertraining, im Jugendbereich…“

Langlaufen war weiter möglich

Die Angerers, die sich 2006 bei einer Party von Ex-Langlaufkollege René Sommerfeldt kennenlernten und 2009 heirateten, wollen nicht nur in der eigenen Suppe schwimmen: „Die Kinder sollen im Sommer Fußball oder Tennis spielen, Klettern und sich dabei ausprobieren. Wir animieren sie sogar dazu und haben kein Konkurrenzdenken. Im Herbst kommen sie dann wieder zu uns. Diese Vielfältigkeit kann für die Bewegungsabläufe und das Koordinative nur förderlich sein. Allein können wir das doch alles gar nicht leisten.“

Wenn sie schließlich als Jugendliche irgendwann bei einer Sportart hängenbleiben würden, hätten die Trainer und Betreuer das Ziel erreicht. Sie hatten noch Glück, sagen sie: „Die Corona-Beschränkungen betrafen vor allem den Hallensport. Dort brach viel weg. Unsere Outdoor-Sportart konnten wir mit dem gebotenen Abstand fast uneingeschränkt weiter ausüben.

„Im Grunde sind wir gut durch diese schwierige Zeit gekommen“, schätzt Romy die unkomplizierte Vorbereitung ihres Sports: „Klar, wir sind auf Schnee angewiesen. Ist er da, können wir fast überall Langlaufen, weil wir nicht die technischen Voraussetzungen wie der Biathlon-Sport oder das Skispringen benötigen. Die Gruppen-Dynamik brach freilich erstmal weg.“ Die Teilnehmerzahlen bei den Rennen nach Corona präsentierten sich allerdings erfreulicherweise stabil.

Kritik üben Romy und Tobias an der Politik: „Sie erkennt oft nicht den Mehrwert, die der Sport für die Gesellschaft mit sich bringt. Wenn wir durch die Bewegung kreative Kinder und Erwachsene generieren, haben wir eine gesunde Bevölkerung mit weit mehr Abwehrkräften, dadurch weniger Krankheiten und Verletzungen. Und der Staat würde viel Geld in der medizinischen Versorgung und im Gesundheitswesen sparen.“ Neue Strukturen – „von oben mitinitiiert und gefördert“ – würden helfen.

Sie bedauern, dass Sport in den Schulen schon lange nicht mehr ein Nummer-Eins-Fach sei: „Der Sport ist doch die Schule des Lebens“. Die Angerers widmen diesem Thema ihr zentrales Engagement. Und wenn sie einmal gar nichts vom Wintersport wissen wollen, schauen sie ihrem Sohn Jonathan beim Fußball oder der zweitältesten Tochter beim Handball zu. Als noch C-Jugendliche ist Torhüterin Karlotta beim SBC Traunstein bereits mit den etwas älteren B-Jugend-Kolleginnen in der Bezirksoberliga unterwegs.

Bittner 

Kommentare