Richter erschüttert: "Man kann das eigentlich nicht mehr toppen"

Tochter (2) schwer sexuell missbraucht: Urteil in Traunstein gefallen

Traunstein - Ein wahrlich unappetitlicher Prozess erwartet die Beteiligten am Donnerstag am Landgericht: Ein 59-Jähriger soll seine leibliche und seine Stieftochter schwer sexuell missbraucht haben. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mann (59) soll Tochter (2) und Stieftochter (8) missbraucht haben
  • Angeklagter bricht vor Gericht in Tränen aus
  • Schreckliche Details werden in Anklageschrift verlesen
  • Gericht sichtet Videos vom Kindesmissbrauch
  • Mann ist "voll geständig"
  • Polizei bekam schon früh anonyme Hinweise
  • Urteil in Traunstein gefallen

Update, 15.40 Uhr: Tochter (2) schwer sexuell missbraucht: Urteil gefallen

Das Urteil ist gesprochen: Der 59-Jährige aus dem Achental im Landkreis Traunstein muss für sieben Jahre ins Gefängnis. Er hatte im April 2019 seine zweijährige leibliche Tochter und seine achtjährige Stieftochter mehrmals schwer sexuell missbraucht. Der Mann filmte manche der Taten auch mit dem Handy. Das ältere Mädchen schlief während der Taten, die Zweijährige war wach. In der Nacht vom 19. auf den 20. April vergriff er sich innerhalb weniger Stunden sogar an beiden Kindern. "Das ist die Spitze des Eisbergs. Man kann das eigentlich nicht mehr toppen", so der vorsitzende Richter Jürgen Zenkel.

Zenkel spricht von "ungeheuerlichen" Taten, die Familie habe mit einem "Desaster" zu tun. Der Angeklagte ist schuldig des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, des Missbrauchs von Schutzbefohlenen, der Herstellung und des Besitzes von kinderpornogafischen Schriften. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Update, 14.38 Uhr: "Monströse Taten": Plädoyers im Prozess um Kindesmissbrauch

Die Staatsanwältin wählt klare Worte: Sie spricht von "monströsen Taten". Der Angeklagte habe die Wehrlosigkeit der Kinder ausgenutzt. Dass seine leibliche Tochter, die er zweimal sexuell missbrauchte, gerade mal zwei Jahre alt war, belaste ihn zusätzlich. "Sie haben beide Töchter innerhalb einer Nacht und innerhalb weniger Stunden missbraucht, das kommt erschwerend hinzu." Sie fordert acht Jahre Haft.

"Mein Mandant weiß sehr genau, dass das durch nichts zu entschuldigen ist und steht zu den Taten", so Verteidiger Harald Baumgärtl. Er streicht das Geständnis des Angeklagten heraus, dass den Kindern gynäkologische Gutachten, Glaubwürdigkeitsgutachten oder Vernehmungen ersparte. Das Plädoyer der Verteidigung: Sechs Jahre Haft.

Die "letzten Wort" spricht der Angeklagte - wie fast alle seiner Aussagen heute - unter Tränen, schluchzend und mit leiser Stimme: "Es ist so schlimm was ich gemacht habe und Sie müssen sich damit beschäftigen und die Sachen anschauen. Das will doch kein Mensch sehen. Ich habe meine Familie zerstört. Sowas macht kein normaler Mensch und ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Aus der Schuld komme ich nie wieder heraus, egal wie lange ich sitze."

Update, 12.40 Uhr: Polizei bekam schon früh anonyme Hinweise

Schon früh, bereits im Jahr 2012, bekam die Polizei anonyme Hinweise darauf, dass der Angeklagte mit Kinderpornografie zu tun habe. Das berichtet nun eine Kriminalpolizistin als Zeugin dem Traunsteiner Landgericht. 

Es kam zu Durchsuchungen am Arbeitsplatz des 59-Jährigen, "aber das verlief sich im Sande", so die Zeugin. Man habe damals auch nicht gewusst, um welchen Mitarbeiter es sich konkret handelte.

"Bei anonymen Hinweisen ist es immer auch schwierig einzuschätzen, ob die vielleicht von einem Konkurrenten am Arbeitsplatz kommen." 2018 - im Jahr der Taten - dann die nächsten anonymen Hinweise auf Kinderpornos. Bei Durchsuchungen 2019 kam dann der Durchbruch. Die Videos hatte der Angeklagte zwar gelöscht, aber über Backup-Dateien und Thumbnails waren sie nach wie vor nachweisbar.

Auch ein psychiatrischer Gutachter sagt über den Mann aus dem Achental im Landkreis Traunstein noch aus. Er attestiert ihm unter anderem depressive Verstimmungen. Besteht beim Angeklagten eine Pädophilie? Der Sachverständige spricht eher von einer "pädophilen Nebenströmung", die in Krisensituationen beim Angeklagten akut wurde.

"Werden die Mädchen weiterhin unter den Taten leiden? Wie haben die das mitbekommen?", will das Gericht von ihm wissen. Schließlich hat die Achtjährige, seine Stieftochter, während der Taten geschlafen und seine leibliche Tochter war damals erst zwei Jahre alt. "Das kann ich schwer beurteilen. Auch ob es mögliche Spätschäden gibt wäre reine Spekulation."

Nun werden die Plädoyers gehalten, anschließend wird das Gericht ein Urteil fällen.

Update, 11.33 Uhr: Schreckliche Aufnahmen werden gezeigt

Die Tränen des Angeklagten lassen vermuten, was Anwalt Harald Baumgärtl dem Gericht jetzt bestätigt: "Mein Mandant ist voll geständig. Nicht zuletzt deshalb, um den Kindern eine Vernehmung zu ersparen." 

Aber wie erklärt sich der 59-Jährige aus dem Achental im Landkreis Traunstein die Taten? "Kurzschluss. Ich weiß es nicht. Das waren keine bewussten Vorhaben", so der Mann. Er soll nicht nur seine leibliche Tochter missbraucht haben, die zur Tatzeit zwei bzw. drei Jahre alt war, sondern auch seine Stieftochter, damals acht bzw. neun Jahre alt.

Er berichtet von Stress und Depressionen in den vergangenen Jahren. "Ich habe was gesucht, was mich von dem Stress ablenkt", so der Angeklagte. Er spricht leise und ist auch für das Gericht nur schwer zu verstehen. Seine Ehefrau habe "erst ganz zum Schluss" von dem Kindesmissbrauch erfahren. 

"Sie hatten doch immer ein inniges Verhältnis zu den Kindern?", fragt die beisitzende Richterin - "das ist das Allerschlimmste daran", so der Angeklagte.

Dann stehen für alle Prozessbeteiligten schwierige Minuten an. Auf einem großen Flachbildschirm werden die Filme gezeigt, die der Angeklagte vom Missbrauch der jungen Mädchen machte. "Bitte nicht!", entfährt es ihm - schwer erträglich ist das ganze aber wohl auch für Richter, Verteidiger, Staatsanwältin, Gutachter oder Schöffen.

Der Bildschirm wird von den Zuschauern weggedreht, auch Töne sind nicht zu hören. Über die rund drei Minuten herrscht Totenstille im Gerichtssaal. Der Angeklagte vergräbt sein Gesicht in den Händen, während die Gerichtsbeteiligten ihre Augen auf den Flachbildschirm richten müssen. 

Auch die ausgedruckten Kinderpornofotos in den Akten müssen sich Richter und Schöffen nacheinander anschauen.

Update, 10.35 Uhr: Angeklagter bricht in Tränen aus

Er schluchzt, wimmert, weint und vergräbt sein Gesicht unter seinen Armen - schon zu Prozessbeginn wirkt das Verhalten des 59-jährigen Angeklagten wie ein Geständnis. 

Die Vorwürfe sind von der übelsten Sorte: Seine Tochter und seine Stieftochter soll der Mann aus dem südlichen Landkreis Traunstein schwer sexuell missbraucht haben. Seine Tochter war bei den Taten gerade mal zwei und dann drei Jahre alt, die Stieftochter acht bzw. neun Jahre alt.

"Sie verstecken ihr Gesicht ja gleich doppelt, durch die Hände und durch die Maske, aber einmal will ich sie schon sehen", so Jürgen Zenkel, der Vorsitzende Richter, zu Prozessbeginn. Als die Staatsanwältin die Anklageschrift verliest, brechen die Tränen wieder aus ihm heraus.

Konkret geht es um sieben Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs, vorwiegend im April 2018. Seine Stieftochter habe bei den Missbrauchsfällen geschlafen, die zwei- bzw. dreijährige leibliche Tochter war laut Staatsanwaltschaft immer wach. 

Nicht in allen Fällen, aber in einigen, drang der Mann teils mit seinem Penis ein - sowohl vaginal als auch anal. Details der unappetitlichen Vorwürfe werden wir hier nicht schildern.

Die Taten sollen im gemeinsamen Haus der Familie im Achental passiert sein, wo der Angeklagte mit seiner Ehefrau wohnte. Bei zwei der Taten soll der 59-Jährige mit dem Handy draufgehalten und gefilmt haben. 

"Der Angeschuldigte missbrauchte in der Nacht von 19. auf 20. April 2019 beide Mädchen innerhalb weniger Stunden und jeweils über einen längeren Zeitraum hinweg, während seine Ehefrau in einem anderen Zimmer schlief", so die Staatsanwältin.

Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden auf Laptops darüber hinaus Kinderpornos gefunden. Auch sie zeigen in einigen Fällen Kleinkinder. Am 29. Oktober 2019 wurde der 59-Jährige festgenommen, seitdem sitzt er in der JVA Traunstein in Untersuchungshaft. Angeklagt ist der 59-Jährige wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Missbrauchs von Schutzbefohlenen und dem Besitz sowie dem Herstellen kinderpornografischer Schriften.

Wird der Angeklagte sich zu den Vorwürfen äußern? Wie erklärt er die Taten? Was ging in ihm vor? Das Landgericht Traunstein geht nun an die Vernehmung des Mannes.

Vorbericht: 

Schwerer sexueller Missbrauch - Mann (59) aus Landkreis Traunstein vor Gericht

Seine leibliche Tochter war bei den angeklagten Taten gerade mal zwei bzw. drei Jahre alt, seine Stieftochter acht bzw. neun. Ein 59-jähriger Mann aus dem Achental im südlichen Landkreis Traunstein steht am Donnerstag ab 9 Uhr vor dem Landgericht. Die Taten sollen sich vorwiegend im April 2018 abgespielt haben - im Haus, in dem der Mann gemeinsam mit seiner Ehefrau wohnte. 

Insgesamt geht es um sieben Fälle, einige Male soll der Mann laut Staatsanwaltschaft seine Taten auch mit dem Handy gefilmt haben. Geht es nach der Staatsanwaltschaft hat der Mann in der Nacht von 19. auf 20. April 2018 sogar beide Mädchen innerhalb weniger Stunden missbraucht, während die Ehefrau in einem anderen Zimmer schlief. Bei Wohnungsdurchsuchungen im April und Oktober 2019 wurden auf Laptops auch Kinderpornos gefunden. 

Angeklagt ist der 59-Jährige wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Missbrauchs von Schutzbefohlenen und dem Besitz sowie dem herstellen kinderpornografischer Schriften. chiemgau24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

xe

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