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Dramatische Rettungsaktion

„Mama, da liegt ein Junge“: Siebenjährige wird mit zwei Frauen zur Lebensretterin im Traunsteiner Schwimmbad

In diesem Becken des Traunsteiner Schwimmbads wäre an Fronleichnam fast ein Unglück passiert.
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In diesem Becken des Traunsteiner Schwimmbads wäre an Fronleichnam fast ein Unglück passiert.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Diesen Fronleichnam-Feiertag werden die vier betroffenen Familien so schnell nicht vergessen. Ein siebenjähriges Mädchen und zwei 39-jährige Frauen retteten am Donnerstag im Traunsteiner Schwimmbad einem Dreijährigen das Leben.

Traunstein – Der Bub trieb bereits leblos am Boden des Schwimmbeckens. Den beiden Frauen gelang es durch ihr beherztes Eingreifen, das Kind wiederzubeleben und zu retten.

Das Mädchen aus Traunstein tauchte im Erlebnisbecken und entdeckte den am Boden treibenden Körper. Sie verständigte sofort ihre Mutter Sandra Kecht, die am Beckenrand wenige Meter entfernt im Gespräch mit einer Bekannten war.

„Mama, da liegt ein Junge am Boden“

Kecht schildert am Freitag im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung: „Meine Tochter hat gerufen: Mama, da liegt ein kleiner Junge. Sie ist noch mal getaucht und nachgeschaut.“ Im Becken seien noch andere Kinder gewesen, auch Erwachsene am Beckenrand gesessen, doch in dem allgemeinen fröhlichen Getümmel war der ertrinkende Bub niemanden sonst aufgefallen.

„Ich habe sofort Jungs zum Bademeister um Hilfe geschickt“, erinnert sich Kecht. Sie habe auch selbst mit rudernden Armen auf die Situation aufmerksam zu machen versucht. „Meine Tochter hat einfach erkannt, dass der Junge nicht taucht, sondern dass seine Arme, Beine und der Kopf herabhingen“, so die zweifache Mutter.

Frauen reagierten blitzschnell

Ihre Bekannte Christin Schönfeld aus Traunstein, mit der sie sich gerade unterhalten hatte, lief ebenfalls sofort zu der betreffenden Stelle am Beckenrand. Dort war Martina Zimmermann, die am Beckenrand geratscht und die Aufregung mitbekommen hatte, bereits im etwa ein Meter tiefen Wasser.

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„Ich wusste nicht, ob der Junge taucht, oder nicht. Aber ich dachte mir, egal, wenn er mich hinterher schimpft“, erzählt Zimmermann von den Sekunden und Minuten, die für den Buben vermutlich lebensentscheidend waren.

„Bub war leblos und hatte blaue Lippen“

Die Nußdorferin ist im fünften Monat schwanger und Mutter von drei Kindern zwischen sieben und elf Jahre. Sie tauchte hinunter zu dem mit ausgestreckten Armen treibenden Körper des dreijährigen Kindes und rettete ihn aus dem Wasser.

Am Beckenrand half Christin Schönfeld bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen. Der Körper des Buben war leblos und die Lippen blau“, erzählt Schönfeld. Sie steht im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen immer noch hörbar unter dem Eindruck des tragischen Geschehens. „Martina machte Herzmassage und ich habe den Jungen beatmet. Nach mehreren Versuchen spuckte er das erste Mal Wasser, wir haben ihn zur Seite gedreht, damit er noch besser ausspucken kann.“

„Ohne das Mädchen wäre alles anders gekommen“

Da der Junge immer noch nicht atmete, machten sie weiter. Beim zweiten Ausspucken begann der Junge zu weinen und fing an zu atmen. „Ich habe mich gleich zurückgezogen, weil andere da waren zum Helfen. Ohne das Mädchen, die ihn entdeckt hat, wäre es wahrscheinlich anders gekommen“, schildert sie.

Polizei und Rettungswagen seien rasch zur Stelle gewesen und das Kind ins Krankenhaus gebracht worden, so Kecht. Martina Zimmermann resümiert nachher: „Ich bin froh, dass alles gut ausgegangen ist und, dass ich in dem Moment nicht alleine war und mir Christin geholfen hat.“

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Die Schwangere stand selbst einmal schreckliche Sekunden in einer ähnlichen Situation durch, wie sie erzählt. Ihr Sohn war ins Wasser gerutscht und eine Bekannte fischte ihn sofort heraus. „Ich habe mich oft mit dem Gedanken beschäftigt, dass ich selbst hoffentlich einmal in so einer Situation schnell reagieren kann.“ Sie habe schon mehrere Erste-Hilfe-Kurse absolviert, doch liege der letzte auch schon wieder zehn Jahre zurück. „Ich habe einfach intuitiv gehandelt“, so Zimmermann.

Trotz der Erleichterung, dass der Junge wiederbelebt werden konnte, beschäftigte sie der Unfall am Abend und sie habe zuerst nicht einschlafen können. „So ein Bild vergisst du nicht“, schildert auch Schönfeld. Ihren Sohn habe die Sache sehr mitgenommen.

Junge hatte sich bei der Essensausgabe alleine davon gemacht

„Ich habe irgendwie das Gefühl gehabt, der kleine Junge schafft es. Bei der Wiederbelebung habe ich zu ihm gesagt: Du schaffst es, du kriegst es hin. Er hat einen guten Schutzengel gehabt“, sagt Zimmermann. Genau genommen hatte er drei. In der späteren Befragung hatte sich laut Polizeiinspektion Traunstein herausgestellt, dass der Junge zusammen mit seiner Mutter an der Essenausgabe stand, unbemerkt davon lief und anschließend alleine ins Wasser sprang. Erst als der Junge aus dem Wasser geholt wurde, fand die suchende und unter Schock stehende Mutter ihren Sohn wieder.

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