Ehemalige "Heilig-Geist-Glocke" eingebaut:

Sparzer Josephskircherl hat wieder eine Glocke 

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Das Josephskircherl hat wieder eine Glocke. Die Rund 300 Jahre alte ehemalige „Heilig-Geist-Glocke“ klingt bald über Traunstein aus der Sparzer Filialkirche

Traunstein - Das Sparzer Josephskircherl hat endlich wieder eine Glocke - und zwar die ehemalige "Heilig-Geist-Glocke". Das Glockenfest wird am 12. April stattfinden:

Die Sparzer Filialkirche St. Joseph hat wieder eine Glocke. Endlich, wie Viele erfreut sagen, die mit dem langwierigen Projekt beschäftigt sind und waren, das sich über mehrere Jahre hinzog. Am Montag und Dienstag dieser Woche wurde die neue/ alte Glocke von der Regensburger Fachfirma Georg Rauscher Turmuhrenfabrik eingebaut und das erste Mal probegeläutet. Am Samstag, den 12. April, wird die Glocke dann offiziell und feierlich geweiht und hoch über Traunstein wird dann das Erstläuten aus Sparz zu hören sein.

Beginn vor gut zwei Jahren

Los ging es mit der Umsetzung vor gut zwei Jahren. Hatte man doch mit der 1720 gegossenen Kirchenglocke der 1959 abgerissenen Heilig-Geist-Kirche auf eine echte Rarität Zugriff erhalten, die in einer Garage in der Pfarrei Heilig Kreuz eingelagert war. Gab es doch früher Planungen, die Glocke in der Pfarrei klingen zu lassen, was aber nie verwirklicht wurde. Die Glocke, die knapp drei Zentner schwer und auf „fis2“ gestimmt ist, wurde von den Münchner Glockengießern Mathias Langeneckher und Anton Bernhard Ernst gegossen. In einer Zwei-Tagesfahrt wurde sie dann wohl nach Traunstein gebracht. Das alte Joch, das in Sparz nicht mehr verbaut werden konnte, trägt gut sichtbar die Jahreszahl 1721.

Traunsteiner, und hier insbesondere die Vorstandschaft und Mitglieder des Vereins „Freunde der Benediktglocke Traunstein e.V.“, die sich in Traunstein gemäß ihrer Satzung für das Glockenwerk in den Kirchen und Kapellen der Stadt zuständig fühlen, engagierten sich dafür, dass die Jahrhunderte alte Glocke in Traunstein verbleibt und verhinderten auch eine früher angedachte Weitergabe nach Afrika. Pfarrer Pater Ferdinand Zech von Heilig Kreuz als damaliger „Glockenverantwortlicher“ gab grünes Licht für die Sanierung der zur Kirchenstiftung Sankt Oswald gehörenden Glocke.

Sparzer Josephskircherl hat wieder eine Glocke 

Schon bei der ersten Begutachtung der Glocke durch Sören Draack, Mitarbeitern der Georg Rauscher Turmuhrenfabrik zeigte sich dieser von der Glocke sehr angetan. Nur beim Joch der Glocke schüttelte er den Kopf und lehnte es ab, dieses zu sanieren und in Sparz einzubauen. Nun wurde die Glocke mit einem neuen Joch und allem nötigen Zubehör wie Strom und Elektrokabel geliefert. Ist doch bei entsprechender Verlegung einer Stromleitung ein elektrisches Läuten geplant, was aber bisher noch nicht umgesetzt wurde. Bis die Leitungsverlegung jedoch realisiert ist  (hier wäre eine Stromleitung von der Schule oder der angrenzenden Turnhalle in Sparz bis zum Kircherl nötig) muss die Glocke von Hand geläutet werden – die Firma Rauscher hat hier einstweilen ein Seil zum Läuten angebracht.

Knapp eineinhalb Tage waren die beiden Mitarbeiter der Firma beschäftigt, um die Glocke nebst Zubehör auszuladen, mit einem handbetriebenen Seilzug in den Zwiebelturm zu ziehen und fachmännisch zu befestigen. „Es gab keinerlei Probleme, es hat alles wunderbar geklappt“ betonte Frank Richter von der Firma Rauscher. Dabei wäre der Termin zum Einbau der schon seit längerem fertigen Glocke fast noch geplatzt. Kamen aus dem Erzbischöflichen Ordinariat doch bis zuletzt bautechnische Bedenken.Letztlich gab es jetzt doch „grünes Licht“ für den Einbau in das 1757 konsekrierten (geweihten) Sparzer Josephskircherl, das in den Jahren 1823, 1904 und zuletzt 1974 umfassend saniert wurde.

Insbesondere auch seit dem Wegzug der Sparzer Schwestern wurde das Kircherl, von dem aus man einen wunderschönen Blick über Traunstein hat und dessen Holzbankerl vor der Kirche zum Verweilen einlädt, kaum mehr genutzt. Auch müsste bei der nicht frostsicher erbauten Kirche etwas gegen die Feuchtigkeit getan werden, wie sich im Innenraum des kleinen Gebäudes zeigt. Auch an der Außenfassade weißt das Schmuckstück einige Schäden auf. Aber vielleicht trägt ja nun auch die „neue“ Glocke zur Belebung und zur verstärkten Nutzung des Josephskircherl bei, in dessen unmittelbarer Nähe sich auch der in Ernst-Rappel-Weg umbenannte und derzeit gerade in Restauration befindende Kreuzweg liegt.

Kirchenpfleger Hannes Huber betont, dass man sich über das elektrische Läuten beziehungsweise den fehlenden Strom Gedanken mache. Eine Solaranlage werde geprüft, könnte sich aber aus Gründen des Denkmalschutzes als schwierig erweisen. Man gehe jetzt aber ohnehin die nötige Dachsanierung mit der Eindeckung mit neuen Schindeln an und wolle in diesem Zusammenhang auch die Statik des Glockenturms untersuchen lassen. „Wünschenswerkt wäre natürlich ein elektrisches Mittagsläuten“ betonte der Kirchenpfleger im Gespräch mit ihrer Zeitung. Bis dies – aufgrund der fehlenden Elektrik oder der Statik - realisierbar sei, „hänge sie gut und wird manuell geläutet.“

„Weltkriegswunde geheilt“

Die Vorstandschaft des Vereins „Freude der Benediktglocke Traunstein e.V.“ freut sich über die „neue“ Glocke in Sparz. Es sei eine seit 1942 bestehende „Weltkriegswunde“ geheilt worden, die durch die kriegsbedingten Metallsammlungen entstanden sei, wobei die Glocke Gott sei Dank vor einem Einschmelzen zu Rüstungszwecken verschont blieb. „Es freut mich, dass es gelungen ist, ein ehrwürdig klingendes Stück alte Stadtgeschichte zu erhalten und wieder seiner Funktion zurückzugeben“ betont Karl Schulz, Zweiter Vorsitzender des Vereins. Man leiste hier auch ein Stück Denkmalpflege. „Die Glocken, die wir in diesen wenigen Jahren in mehreren Kirchen mit zigtausend Euro an Spendengeldern ‚zukunftsfähig‘ gemacht haben, werden uns weit überdauern und weit über unsere Zeit hinaus klingen.“ Die sanierte Glocke klinge jetzt wieder dort, wo sie letztlich immer schon beheimatet sei: Im vormaligen Bezirk Heilig-Geist. Der Verein, der mit diesem Projekt eine weitere „Glockenlücke“ Traunsteins schließt, hatte zuvor schon unter anderem die Sanierung der Glocke in der Kirche St. Georg und Katharina im Stadtpark initiiert. Viele Bürger hatten sich in den Sanierungen mit Spenden beteiligt.

Dabei hat Schulz die Hoffnung, dass sich eine Lösung realisieren lässt, in der das Kircherl mit Bodenstrahler in der Nacht angestrahlt werden kann, ähnlich des Kircherls über Vachendorf. „Dann wäre das Kleinod richtig im Fokus der Stadt“ hofft der stellvertretende Vorsitzende.

Glockenfest am 12. April

Feierlich eingeweiht werden soll die Glocke am Samstag, den 12. April, mit dem Erstläuten um 14.30 Uhr und einem anschließendem gemütlichen „Ausklang“ in der Zieglerwirtsstube im Heimathaus. Der Verein „Freunde der Benediktglocke e.V.“ bittet für das kostenintensive Glockenprojekt in Sparz um Spenden auf das Konto 8220 469 bei der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg (Bankleitzahl 710 520 50) unter dem Stichwort „Glocke Sparz“. Auf Wunsch stellt der Verein gerne eine Spendenquittung aus.

awi

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