Spatenstich für Klosterkirchen-Sanierung

"Die Kultur in Traunstein zu neuen Horizonten führen"

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Symbolischer Spatenstich für den Klosterkirchenumbau. Von links: Franz-Severin Gäßler von der Regierung von Oberbayern, Oberbürgermeister Christian Kegel, Architekt Peter Färbinger und Stadtbaumeister Klaus Hechfellner.

Traunstein - Seit vielen Jahren ist es ein auch über die Traunsteiner Stadtgrenzen hinaus kontrovers diskutiertes Thema: Die Sanierung und Modernisierung des Kunst- und Kulturzentrums Klosterkirche, mit der vor rund einem Monat begonnen wurde. Seitdem sind die Bagger an der in der Ludwigstraße aktiv und auch die Archäologen graben fleißig – allerdings etwas feiner, mit kleinerem Werkzeug und das mit anderen Motiven.

Am Montag Nachmittag wurde nun der symbolische Spatenstich im Rahmen einer kleinen Feierstunde begangen. Bis zu 8,4 Millionen Euro soll das Traunsteiner Vorzeigeobjekt kosten, rund die Hälfte davon steuert die Regierung von Oberbayern über die Städtebauförderung bei. Ende 2018 soll dann die Kunst und Kultur in Traunstein in dem Ensemble wieder und neu seine Heimat finden.

Kegel: "Bürger sollen es vereinnahmen"

Es sei ein "extrem wichtiges Projekt" zeigte sich Oberbürgermeister Christian Kegel überzeugt und schloss in seinen Dank explizit auch die Traunsteiner Stadträte sowie seinen Vorgänger im Amt, Manfred Kösterke, ein. Seit 2010 hatte sich der Rat in diversen Sitzungen und Beschlüssen immer wieder mit dem Projekt befasst. "Was hier entsteht ist nicht das, was sich ein Oberbürgermeister oder der Stadtrat einbildet. Ich wünsche mir, dass es die Bürger der Stadt vereinnahmen." In dem Objekt solle sich die hohe und die breite Kultur wiederfinden, in der Klosterkirche sollen sich Menschen treffen und begegnen. "Begreifen sie dieses Ensemble als ihres" verbreitete er den Wunsch auf eine breite Bürgerakzeptanz.

Bilder vom Spatenstich für die Sanierung der Klosterkirche

Oberbürgermeister Christian Kegel sagte zu den rund 50 geladenen Gästen aus der Kommunalpolitik, Firmen, Behörden sowie der angrenzenden Ludwig-Thoma-Grundschule: "Jetzt gehen wir in die Vollen, jetzt hält uns nichts mehr auf." Dass das Klosterkirchen-Ensemble als Denkmal anders als ein klassischer Neubau eines Kulturzentrums behandelt werden müsse, sei eindeutig. „Es ist es wert, auch in der Zukunft als ein Denkmal behandelt zu werden“ betonte der Oberbürgermeister. Es sei jetzt nur eine Hülle, in eineinhalb Jahren werde es wieder mit Leben gefüllt. Barrierefrei konzipiert sei das unter Denkmalschutz stehende Objekt aus dem 17. Jahrhundert auch für Menschen mit Behinderung zugänglich und ist durch den Einbau einer Heizung auch ganzjährig benutzbar.

"Das Richtige zum richtigen Zeitpunkt"

Franz-Severin Gäßler in der Regierung von Oberbayern zuständig für die Städtebauförderung, verwies auf die hohen öffentlichen Zuschüsse von rund 4,3 Millionen Euro, die gerade im letzten Jahr erreichbar gewesen seien: "Ich habe sie fast genötigt, machen sie ihr Kulturzentrum" wies er auf letztjährige Gespräche hin. Zuschüsse in einer solchen Höhe könne man im Moment nicht mehr generieren. Man habe in Traunstein zur rechten Zeit den richtigen Beschluss gefasst betonte er, und stellte die Einzigartigkeit des Kapuzinerklosters heraus. Die Sanierung sei auch ein möglicher Startschuss für eine umfassende Verjüngung der Ludwigstraße die seit längerer Zeit mehr durch Leerstände als durch ihre Attraktivität auffällt. Er könne sich gut vorstellen, dass den Investitionen der öffentlichen Hand bald private Investoren folgen würden. Diese erwarte er dann, „wenn die Perle Klosterkirche wieder strahlt."

Architekt Peter Färbinger aus München ging nochmals auf den weiten Weg ein, den das Projekt bereits hinter sich hat, seitdem sein Büro den europaweit ausgelobten Architektenwettbewerb gewonnen hat. Das 1690 eingeweihte Kirchengebäude sowie der noch erhaltene Südflügel hätten eine wichtige stadtgeschichtliche Bedeutung. "Diese kommt durch das aktuelle Erscheinungsbild leider nicht zur Geltung.“ Er sei sich sicher, dass das Projekt nach Fertigstellung wieder eine stark stadtprägende Rolle einnehmen werde "und die Kultur in Traunstein zu neuen Horizonten führt." Er sei sich sicher, dass der Weg richtig ist, die Klosterkirche werde entscheidend mitwirken, den Begriff "Kulturstadt Traunstein" neu zu bestätigen.

Färbinger ging auf die Arbeit der Archäologen ein, die sehr akribisch mit dem Bodendenkmal umgehen würden. Man hoffe auf weitere Funde. Gräber wurden bisher entgegen erster Vermutungen nicht gefunden, wie auch Archäologe Hardy Maaß im anschließenden Rundgang erläuterte. Architekt Färbinger ging auf die planerischen Herausforderungen ein, die ein sensibler Umgang mit dem Denkmal mit sich brächten, wozu auch der Rückbau von Gebäudeteilen gehöre, die von der Funktion wie auch von der Historie nicht in das Gesamtbild passen würden. Die Fassade des Südflügels werde auf einen Zwischenstand aus dem 18. Jahrhundert zurückgebaut, die zwischenzeitlich eingebauten neueren Materialen müssten allerdings aufgrund nachgewiesener Schadstoffbelastung aufwendig entsorgt werden.

Architekt Färbinger: Schulhof wird erweitert

Die Gebäude werden wie er weiter ausführte auch unter den Aspekten des Denkmalschutzes energetisch und brandschutztechnisch ertüchtigt, ein Aufzug zur Personen- und Lastennutzung eingebaut. Der Schulhof der Ludwig-Thoma-Grundschule werde nicht nur komplett neu hergestellt, sondern erweitert. "Es wird nach der Fertigstellung keinerlei Nutzungseinschränkungen geben" beruhigte er. Der Hof habe tagsüber für die Schüler und Abends für Konzertbesucher eine Doppelnutzung.

Dass das Projekt gerade auch bei Eltern, die in der angrenzenden Ludwig-Thoma-Grundschule Kinder haben immer noch für Kontroversen sorgt, wurde vor Festveranstaltungsbeginn bei einer Mutter deutlich, die ihre Kinder von der Schule abholte und über eine dauerhafte Reduzierung des Pausenhofes durch den aufgestellten Bauzaun hindurch schimpfte, der während der Bauphase aufgestellt wurde.

Im Nachgang zu dem dann symbolisch durchgeführten Spatenstich konnten sich die Anwesenden in einem kurzen Rundgang von den vielen kleinen wertvollen archäologischen Fundstücken ein eigenes Bild machen. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde, die mit einem kleinen Umtrunk abschloss, von einem Bläserduo der Musikschule.

Andreas Wittenzellner

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