Verkauf des Traunsteiner Schlachthofs besiegelt

"Keine industriell ausgerichtete Schlachtfabrik betreiben"

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Links Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel, rechts Hans Grabner, Vorstandsvorsitzender der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh Traunstein.
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Traunstein - 66 Arbeiter sind im Schlachthof an der Kotzinger Straße beschäftigt - die Stadt hat den Schlachthof nun verkauft, doch ihre Stellen sind gesichert.

Update: Pressemitteilung der Erzeugergemeinschaften

Mit Zustimmung zur notariellen Beglaubigung des Kaufvertrages durch den Stadtrat am 25. Januar geht der Schlachthof Traunstein in das Eigentum der über 4000 zusammengeschlossenen Landwirte in den beiden Erzeugergemeinschaften Traunstein und Miesbach über. Für Vorstand Hans Grabner von der EG Traunstein und Georg Westenrieder, dem Vorstandsvorsitzenden aus Miesbach, vollzieht sich damit ein weiterer Schritt in Richtung konsequenter Regionalisierung bei der Erzeugung von Rindfleisch.

Den vollen Lebenszyklus der Nutztiere unter eigener Kontrolle

"Mit dem durch uns seit 2004 von der Stadt Traunstein gepachteten Schlachthof kommen wir weiter der Verantwortung für die nach gesetzlichen Vorgaben durchzuführende Schlachtung der Tiere aus der Region nach. Wir können für die Zukunft nun aber geradliniger alle Maßnahmen umsetzen, die mit dem nachhaltigen Betrieb der Liegenschaften im Zusammenhang stehen", so Grabner.

Dies betreffe die Aufgabenbereiche Umweltschutz und Energie ebenso, wie notwendige bauliche oder technische Erweiterungen bzw. Veränderungen der Produktionsstätte im Sinne einer zeitgemäßen Bewirtschaftung. "Wir Landwirte wollen den Lebenszyklus unserer Nutztiere von Fütterung und Haltung bis zur Schlachtung unter unserer Kontrolle in Händen halten. Unser Ansinnen ist es, keine industriell ausgerichtete Schlachtfabrik zu betreiben, sondern eine überschaubare Einheit", so der Vorstandsvorsitzende der Erzeugergemeinschaft weiter. 

Schließung des Schlachthofes nun kein Thema mehr

Für die Stadt stellte sich angesichts der Haushaltsbelastungen durch den Schlachthof schon länger die Frage, ob man ihn besser schließt und abreißt. Das hätte für die landwirtschaftlichen Erzeuger der Region aber bedeutet, ihren Schlachttieren nicht akzeptable, lange Transportwege zu entfernter gelegenen Schlachthöfen zuzumuten. Dem wollten sich die Landwirte der beiden EGs nicht aussetzen. Grabner: "'Mia san mia' mag abgedroschen und überzogen selbstbewusst klingen. Aber wenn mit den kooperierenden Erzeugergemeinschaften in Miesbach und Traunstein über 4.000 Bauern ihren eigenen Schlachthof unterhalten, ergeben sich daraus für die Vermarktung Perspektiven, die bisher so nicht existent waren".

Die nun vollständige Verantwortung für den wirtschaftlichen Bestand des Schlachthofs Traunstein ist für Hans Grabner eine Herausforderung. Aber es gibt gute Gründe, aufgrund gegebener stabiler Geschäftsbeziehungen zu den Partnern aus Fleischverarbeitung und Vertrieb, durchaus positiv in die fernere Zukunft zu blicken. Wichtige Meilensteine waren für den Schlachthof Traunstein die Zertifizierung der Rinderschlachtung nach Bio-Standard und als erster Schlachthof in Deutschland auch genfrei gemäß Vorgaben durch VLOG (Verband Lebensmittel ohne Gentechnik). 

Weiterhin "tierwohlorientierte Produktionsabläufe"

Das kommt der aktuell zunehmenden Nachfrage des Marktes nach hochqualitativem Rindfleisch entgegen. Hans Grabner hat klare Vorstellungen von einer bestandssichernden Zukunftsstrategie der EG: "Wir sind fest entschlossen, mit weiteren Investitionen in tierwohlorientierte Produktionsabläufe von Viehhaltung und Fütterung am Bauernhof bis hin zum Transport zur Schlachtung, vorbildtaugliche Arbeitsprozesse in der EG zu implementieren. Das sind wir nicht nur dem Konsumenten schuldig, sondern auch unserem Selbstverständnis als moderne, verantwortlich handelnde Landwirte."

Unser Artikel vom Donnerstagnachmittag:

Die Stadt Traunstein hat den Schlachthof an die Erzeugergemeinschaften Traunstein und Miesbach verkauft, wie Oberbürgermeister Christian Kegel auf der Stadtratssitzung am Donnerstag bekannt gab. Damit ist der Schlachthof nun direkt in Bauernhand. Die Erzeugergemeinschaften sind nun für Unterhalt und Technik zuständig, verpachtet ist er an die Firma Alpenrind Bayern, die für Schlachtung und Vermarktung verantwortlich sind. 

Zu den Erzeugergemeinschaften Traunstein und Miesbach gehören insgesamt 4000 Landwirte. Das Einzugsgebiet beider Erzeugergemeinschaften reicht von Berchtesgaden über Mühldorf bis nach Bad Tölz. In Traunstein werden täglich 220 Rinder geschlachtet. 

xe

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