Stichwahl Traunstein

OB-Wahl: Kegel und Kösterke im Interview

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Traunstein - 104 Stimmen machten am Sonntag den Unterschied aus zwischen Freud und Leid. Wir haben mit den beiden Kandidaten jetzt über das knappe Wahl-Ergebnis gesprochen:

Die Traunsteiner Bürger haben entschieden: In der Stichwahl zum Oberbürgermeister setzte sich für Insider nicht ganz überraschend der Herausforderer Christian Kegel (SPD) gegen den amtierenden Rathauschef Manfred Kösterke (UW) durch. 50,76 Prozent (3.492 Stimmen) waren es am Ende der Auszählung der 28 Stimmbezirke für den gebürtigen Niederbayern Kegel, Kösterke brachte es auf 49,24 Prozent (3.388 Stimmen).

Sportlich fair respektierte der unterlegene amtierende Oberbürgermeister den Wählerentscheid und gratulierte nach Auszählung und Bekanntgabe aller Ergebnisse im Foyer des Traunsteiner Rathauses. Der siegreiche Kandidat, der aus dem Strahlen, Händeschütteln und Umarmen gar nicht mehr herauskam, war vollkommen überwältigt von dem Triumph. Die Wahlbeteiligung für die Oberbürgermeister-Stichwahl lag bei. Von den 15.431 Wahlberechtigten gaben 6.939 ihre Stimme ab, 6.880 Wahlzettel waren gültig.

Schaffte den Sprung in das Rathaus: SPD-Herausforderer Christian Kegel gewann die Stichwahl zur Traunsteiner Oberbürgermeisterwahl.

44,97 Prozent

Die Spannung war bereits bei der ersten Trendmeldung im Traunsteiner Rathaus fast zum Greifen: 28 Stimmen Vorsprung hatte Kegel nach der Auszählung von fünf Stimmbezirken. Dieser setzte sein „Markenzeichen“, ein gewinnendes Lächeln auf, zeigte sich aber weiter hochgespannt. Amtsinhaber Kösterke war zu dieser Zeit nicht im Rathaus, sondern im Wahlstudio im Landratsamt Traunstein.

Auch unter den rund 80 anwesenden Wahlinteressierten im Rathaus-Foyer war die Spannung zu spüren. Die Einen – dem „SPD-Lager“ zuzurechnen, freuten sich über den „richtigen“ Kandidaten und die parallel gezeigten ersten Prozente für „ihren“ Landratskandidaten Josef Konhäuser. Aber auch viele UW-Mitglieder blickten ebenso wie weitere Besucher gespannt auf die beiden Bildschirme mit den sich laufend aktualisierenden Ergebnissen. Kegel selbst hielt sich bei dem Ergebnis mit Äußerungen verständlicherweise noch zurück, freute sich aber über sein bisheriges gutes Abschneiden: „Das Ergebnis wird sensationell!“ Und ironisch fügte er hinzu: „Ich weiß eines sicher: Ich werde auf alle Fälle über 40 Prozent haben.“

„Die ganze Welt umarmen“

Händeschütteln und viele freudige Umarmungen: Der künftige Traunsteiner Oberbürgermeister Christian Kegel (rechts) umarmt Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl.

Rund eine dreiviertel Stunde nach der Schließung der Wahllokale war die Überraschung perfekt: Der 49-jährige Gymnasiallehrer am Chiemgau-Gymnasium, Christian Kegel, hatte am Ende einen hauchdünnen Vorsprung von 104 Stimmen auf den, inzwischen in das Rathaus gekommene, Oberbürgermeister Kösterke. Dem Gewinner wurden ein lang anhaltender Applaus und Glückwünsche dargebracht. Und dieser bedankte sich reihenweise mit einer gut gemeinten Umarmung. Dabei wurden die Parteigrenzen kräftig überschritten wie sich an den freudigen Dankesworten und einzelnen Umarmungen auch an die politischen Mitbewerber aus CSU und Grünen zeigte.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke gratulierte dem siegreichen Herausforderer und wandte sich kurz an die Anwesenden. Er dankte den vielen Wahlhelfern für die geleistete Arbeit und auch seinem Gegenkandidaten für einen fair geführten Wahlkampf. „Er machte aber auch im Gespräch mit ihrer Zeitung deutlich, dass seine Enttäuschung groß sei. Er verwies auf die geleistete sechsjährige Arbeit, die der Wähler aber in seiner Wahlentscheidung so nicht beurteilt habe, dass es für ihn gereicht habe. „Aber der Wähler hat entschieden und das habe ich zu akzeptieren.“

104 Stimmen wahlentscheidend

Schaffte den Sprung in das Rathaus: SPD-Herausforderer Christian Kegel gewann die Stichwahl zur Traunsteiner Oberbürgermeisterwahl.

Der unterlegene Oberbürgermeister hatte gerade in den Briefwahlbezirken auf mehr Stimmen gehofft, weil er dort auch seine Stärken in der ersten Wahl hatte. Für Kösterke ist der Wahlausgang dabei besonders bitter, da er aufgrund der geänderten Perioden von Oberbürgermeister und dem Traunsteiner Stadtrat auch nicht für den neuen Stadtrat kandidieren durfte, und dem künftigen Rat nicht mehr angehören wird. Er werde trotzdem mit seinem Team am Wahlabend feiern, sagte er und lobte auch die Unterstützung durch die Traunsteiner UW: „Wir haben einen guten und fairen Wahlkampf geliefert.“ Kösterke betonte, dass er sich jetzt in Ruhe Gedanken über seine weitere Zukunft machen werde: „Ich habe einen Beruf und den werde ich dann auch wieder ausüben“ sagte der gelernte Rechtsanwalt.

Auch der künftige Oberbürgermeister Kegel, der das Amt nach der Beendigung der offiziellen Amtszeit Kösterkes im Juli diesen Jahres antreten wird, ergriff das Mikrophon und bedankte sich bei seinen Mitstreitern aber auch bei seiner Familie: „Ihr habt mich in der vergangenen Zeit selten gesehen und ich kann euch versprechen, das wird sich auch in Zukunft nicht groß ändern.“ Er dankte dem scheidenden Oberbürgermeister für die geleistete Arbeit in den vergangenen sechs Jahren. Er sei froh, dass er nun noch drei Monate Zeit habe, um sich auf das Amt vorzubereiten, das er dann bestmöglich übernehmen wolle. „Ich will die Geschicke Traunsteins mit ihnen allen und dem Traunsteiner Stadtrat gestalten“, sagte Kegel.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD): „Diese Stimmung war schon nach den Gesprächen am Infostand am Maxplatz gestern zu erwarten. Aber dass es ganz knapp werden würde, damit habe ich auf jeden Fall gerechnet.“

Ernst Haider (UW-Fraktionsvorsitzender im Traunsteiner Stadtrat): „Ich bin völlig überrascht und perplex. Wir haben gedacht, dass er es wieder schafft.“

Ingrid Boedecker (SPD-Fraktionsvorsitzende im Traunsteiner Stadtrat): „Unglaublich, das ist einfach unglaublich!“

Andreas Wittenzellner

Rubriklistenbild: © Andreas Wittenzellner

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