39-Jähriger vor Gericht

Messerstiche auf offener Straße in Traunreut wegen zehn Euro? Freispruch!

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Traunreut/Traunstein - Zuerst Schläge mit einer Eisenstange dann gefährliche Messerstiche - und das wegen zehn Euro? Das Gericht sprach heute einen Traunreuter aber frei.

Update 19.20 Uhr: Das Urteil

"Was genau geschah wissen wir nicht", musste das Landgericht und Vorsitz von Jürgen Zenkel schließlich gestehen. Im Zweifel für den Angeklagten wurde ein 39-jähriger Traunreuter freigesprochen. Doch das Gericht stellte auch fest: Im ganzen Prozess sei arg viel gelogen worden.

Das Traunsteiner Landgericht musste das Verfahren ein zweites Mal aufrollen, denn der Bundesgerichtshof kassierte das erste Urteil, nach dem der Angeklagte zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wurde. Der BGH war der Meinung, der Angeklagte könne sich auf Notwehr berufen. 

Unser Vorbericht vom Donnerstagmorgen:

Laut Staatsanwaltschaft soll es um nichts mehr als zehn Euro gegangen sein: In den frühen Morgenstunden des 25. Februar 2017 kam es zum Treffen des späteren Opfers, ein 46-Jähriger Traunreuter, und einem Duo, von dem der Mann nun wieder vor dem Landgericht Traunstein steht. Am Donnerstag könnte ein Urteil fallen. Schon einmal gab es hier ein Urteil vor dem Landgericht - vier Jahre und drei Monate Haft - doch der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. Deshalb wird nun erneut verhandelt.  

Schlag mit einer Eisenstange "zur Begrüßung"?

Schon einige Tage vor dem Treffen im Traunreuter Norden soll dem Opfer per SMS und in Telefonaten gedroht worden sein. Als es dann soweit war soll der 46-Jährige zuerst einen Schlag mit einer Eisenstange gegen den Kopf abbekommen haben - erste Todesdrohungen sollen gefallen sein. Laut Staatsanwaltschaft folgte dann eine Rauferei, der 39-Jährige soll zum Messer gegriffen haben (Klingenlänge 20 Zentimeter): Zwei Schnitte am Hinterkopf und vor allem einen Stich in den Brustkorb erlitt das Opfer dabei - eine durchtrennte Rippe und eine gefährliche Lungenverletzung waren die Folge.

Weitere gezielte Messerstiche habe der 46-Jährige nur mit den Händen abwehren können, so die Staatsanwaltschaft. Obwohl der Mann längst am Kopf blutete, habe es danach noch weitere Schläge gesetzt. Für den 46-Jährigen habe in diesem Moment zumindest eine "abstrakte Lebensgefahr" bestanden. Ein Bekannter des Opfers sei derweil von der angeklagten Frau mit einem Messer in Schach gehalten worden. Das ganze spielte sich auf offener Straße ab

Polizei vermutete Geschäfte im Drogenmilieu

Ein Nachbar bekam das Geschehen mit, alarmierte die Rettungskräfte. Der 46-Jährige wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, der Angeklagte konnte schnell ausfindig gemacht werden und kam in Untersuchungshaft. Seine Komplizin kam wieder auf freien Fuß. Die Polizei vermutete kurz nach der Tat Geschäfte im Drogenmilieu als Hintergrund

Der Traunreuter ist nun erneut angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung. Ein Urteil könnte am Donnerstagnachmittag fallen

xe

Rubriklistenbild: © Fotomontage red/dpa

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