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Geplante Erweiterung des Berufsschulzentrums (BSZ)

80 Bürger bei „Waldbegehung Schnepfenluck“ in Traunstein, um Rodung entgegen zu wirken

Initiative „Wir für den Wald TS“
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Die Sprecher der „Waldbegehung am Schnepfenluck“: Von links Dr. Ute Künkele, Biologin und Kreisrätin (ÖDP), Claudia Lahr von „Wir für den Wald TS“, Dr. Rainer Schenk, „Initiative Klimaaufbruch Traunstein jetzt – Traunstein klimaneutral bis 2030“, Wolfgang Wörner, Sprecher des Ortsverbandes B.90 – Die Grünen, Beate Rutkowski, Biologin und Vorsitzende BUND Naturschutz Traunstein, mit den beiden Bannerträgern Florian (lks.) und Sebastian.

Claudia Lahr von der Bürgerinitiative „Wir für den Wald TS“ hatte zu einer „Waldbegehung“ an der Schnepfenluckstraße eingeladen, um auf die geplante Waldrodung hinzuweisen, die durch die Erweiterung des Berufsschulzentrums (BSZ) beziehungsweise der Berufsschule III im Traunsteiner Stadtrat und im Kreistag bereits beschlossen wurde.

Traunstein - Als Redner kamen zu Wort Biologin und Kreisrätin (ÖDP) Dr. Ute Künkele, Biologin und Vorsitzende vom BUND Naturschutz, Beate Rutkowski, der Sprecher von B. 90/Die Grünen Ortsverband Traunstein, Wolfgang Wörner, sowie Dr. Rainer Schenk als Mitglied der „Initiative Klimaaufbruch Traunstein jetzt - Traunstein klimaneutral bis 2030“.

Rund 80 Personen folgen informativem „Waldspaziergang“

Für die Veranstalterin überraschend war, dass die hohe Zahl von etwa 80 Personen dem informativen „Waldspaziergang“ folgten, darunter auch einige Traunsteiner Stadträte, Anlieger und Interessierte aus politischen Parteien und Naturschutzorganisationen. Künkele erläuterte, das Problem bestünde nicht darin, dass sich die Berufsschule III erweitert. „Für mich und die ÖDP ist Bildung ein sehr hohes Gut, die Erweiterung der Berufsschule III begrüßen wir sehr, auf das Angebot zusätzlich zu den vorhandenen Berufszweigen Gärtner, Landwirte, Floristen, Revierjäger, Kinderpfleger, Sozialpfleger, Fachleute für Ernährung und Versorgung sowie ab 2022 Heilerziehungspfleger und Sozialpädagogen auszubilden, freuen wir uns.“

Dass für die zusätzlichen Klassen Raumbedarf besteht, sei nachvollziehbar. Die Planung sehe einen Erweiterungsbau vor, „dafür ist die größere Natur-Teilfläche (1302 Quadratmeter) vorgesehen, die nun versiegelt werden soll. Das alte Schulgebäude der Landwirtschaftsschule wird abgerissen, eine Tiefgarage wird gebaut, das neue Gebäude wird wahrscheinlich zweistöckig errichtet, die zur Verfügung stehende Fläche erhöht sich auf 3655 Quadratmeter.“

Kritik gegen geplante Parkplätze

Die Kritik richte sich vor allem gegen die Errichtung von 40 Parkplätzen auf einer Fläche von circa 1270 Quadratmetern. „Hierzu müssen die benachbarten Schrebergärten weichen sowie Wald mit zahlreichen Biotop-prägenden Bäumen“, sagte die Kreisrätin. Alternativen für neu geschaffene Parkplätze sieht Künkele in der Ausgabe von Berechtigungsscheinen (nur für Lehrkräfte, Behördenvertreter und zeitlimitierte Besucherparkplätze), in einem Shuttledienst zwischen der Berufsschule und dem Bahnhof beziehungsweise dem zukünftigen Campus und vorhandenen P+R-Plätzen, und rechtzeitiger Information gegenüber Schülern und Studierenden, dass Autos nur für Ladetätigkeiten auf dem Gelände erlaubt sind. Im zurückliegenden Schuljahr hätten das BSZ 500 Schüler in 25 Klassen besucht. Künftig sollen durch zwei neue Ausbildungsberufe noch sechs Klassen mit etwa 120 Schülern dazukommen.

Knapp 2600 Quadratmeter Wald sollen gerodet werden

Rutkowski wies darauf hin, dass für den Erweiterungsbau der Berufsschule „knapp 2600 Quadratmeter wertvoller Buchenmischwald und Waldrand gerodet werden sollen. Dazu kommt eine 25 Meter breite Baumfallzone, in der alle großen Bäume entfernt werden und ein neuer Wirtschaftsweg entlang des Waldwegs angelegt werde.“

Berufsschule III als Nachhaltigkeitsschule ausgezeichnet

Widersprüchlich erschien Rutkowski, dass an der Berufsschule III, die als Nachhaltigkeitsschule ausgezeichnet wurde, weil sie mit besonderem Augenmerk die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele lehrt, nun Waldflächen geopfert werden sollen. „Zu diesen Nachhaltigkeitszielen gehört nicht nur die soziale Verantwortung für alle Menschen auf unserer Erde, sondern auch die Verantwortung für unsere Natur.“ Aufgrund des dramatischen Klimawandels könne man „nicht weitermachen wie bisher“. „Bis ein verloren gegangener Wald an anderer Stelle wieder die gleiche ökologische Wertigkeit erreicht, vergehen 100 Jahre“.

Auch die Stadt könne nicht sagen, sie wolle bis 2040 klimaneutral werden, und gleichzeitig wertvollen Stadtwald zur Rodung und Bebauung verkaufen. „Wirtschaftliche Gesichtspunkte dürfen hier keine Rolle mehr spielen, sondern der Schutz des Waldes muss an oberster Stelle stehen.“ Die Biologin fordert übergeordnete Planungen und Konzepte für die Parkplatzsituation im Gewerbegebiet Kaserne, am Krankenhaus und am Schulkomplex des BSZ. Die Parkplätze im Gewerbegebiet könnten mit einem zweiten Stockwerk verdoppelt werden – „Parkplätze gehören unter die Gebäude oder in mehrstöckige Gebäude, aber nicht in den Wald!“ – Dafür erntete Rutkowski anhaltenden Applaus von den Anwesenden.

„Jeder Quadratmeter ist kostbar“

Rutkowski befürchtet, „wenn erst einmal an einer Stelle in den Wald eingegriffen wird, dann werden die Planungen scheibchenweise weitergehen. Der gesamte zusammenhängende Waldkomplex im Norden von Traunstein, der Sauerstoffproduzent und kühlende Mantel in heißen Sommern, der Erholungswald und Ruhespender wurde in den letzten Jahrzehnten auf diese Weise von allen Seiten immer weiter gerodet und zerstört. Es sind nur noch wenige Hektar übrig, für die wollen wir kämpfen. Jeder Quadratmeter ist kostbar und jeder Quadratmeter zählt für unsere Zukunft. - Alle möglichen Alternativen zur Verkehrsvermeidung müssen ausgenutzt werden. Vielleicht könnte auch eine räumliche Trennung von Schule und Behörde geprüft werden.“

„Nachhaltiger als wenn ab und zu ein Parteichef Bäume umarmt“

Wolfgang Wörner stellte der geplanten Waldrodung am Schnepfenluck die Waldabholzung in Brasilien und die derzeit wütenden Waldbrände in Südeuropa und der Türkei gegenüber. „Über die Waldvernichtung anderswo regen wir uns auf, aber die Abholzungen vor Ort kriegen wir gar nicht mit, weil sie in nichtöffentlichen Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen werden.“ Wörner forderte dazu auf, „weiter zu kämpfen, für die Bäume, die Wälder, das Klima, für unsere und die kommenden Generationen.“ Die sei nachhaltiger „als wenn ab und zu ein Parteichef Bäume umarmt“.

Zahnarzt Dr. Schenk verglich die geplante Waldrodung aus medizinischer Sicht mit dem Wegschneiden eines Lungenflügels am menschlichen Körper. „Wenn so etwas geschieht, herrscht Atemnot“. Schenk machte deutlich, dass sich ein vermeintlich günstig geplanter Schulumbau langfristig nicht rechne, wenn er zu Lasten der Natur passiert. „Das wurde uns mit den jüngsten Unwetterkatastrophen vor der Haustür doch deutlich gemacht, dass die Folgen des Raubbaus an der Natur wesentlich teurer kommen als von vornherein ökologisch verträglich zu bauen.“

Schenk sah auch darin einen Verlust, dass den Schrebergärtnern durch die Kündigung der Stadt Traunstein „ein Stück ihres idyllischen Natur-Paradieses genommen wird“, anstelle dessen nun Parkplätze kommen sollen. „Wir müssen uns doch klar werden, worin unsere Lebensqualität tatsächlich besteht: In immer mehr Wohlstandsgehabe zu möglichst geringen Kosten, oder in einer natürlichen Umgebung, in der mit bescheidenen Mitteln ein zufriedenes Leben möglich ist.“

Anwesende haben „gute Ideen zur Lösung“

Auch in den Diskussionen der Anwohner wurde vernehmbar, dass die Stadt gut daran täte, die Parkplatzproblematik im Raum Krankenhaus, BSZ und Kasernengelände generell zu bedenken und zu lösen, anstatt „kurzsichtig 40 Parkplätze im Wald zu schaffen, in dem sich die Bäume gegen ihre Abholzung nicht wehren können.“ Dass sich mit dem Verkauf des Waldes an den Kreis für 1,5 Millionen Euro die städtische Finanz-Bilanz aufbessern lasse, sei ein trügerischer Vorgang, der aufgrund des Naturverlustes nicht zu Ende gedacht sei. Claudia Lahr zeigte sich überrascht, dass die Anwesenden „so gute Ideen zur Lösung“ hatten, und würde sich deshalb einen Dialog mit den Verantwortlichen wünschen, damit diese Ideen in das Umbaukonzept einfließen könnten.

zaa

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