Deftiges Starkbierfest im Hofbräuhaus

"Jeden Tag eine Sau durch die Stadt treiben"

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Traunstein - Deftig und heiter ging es beim Traunsteiner Starkbier-Fest am Samstag Abend zu. Und kaum einer der heimischen Politiker wurde von dem beißenden Humor von Fastenprediger Albert Rosenegger verschont. Und auch Willi Schwenkmeier als Petrus schenkte den Anwesenden teilweise kräftig ein.

Schon am Nachmittag wurden die Traunsteiner an das Starkbier-Fest erinnert. Fuhr doch der Fasslwagen des Traunsteiner Hofbräuhauses durch die Stadt und erinnerte die Glücklichen, die eine Karte für das restlos ausverkaufte Fest ergattert hatten, an das beliebte Traunsteiner Politikerderblecken, das zum achten Mal stattfand. Wer es dann an den Traunsteiner Landsknechten vorbei in den historischen Saal der Brauerei in der Mittleren Hofgasse geschafft hatte, konnte sich über vielerlei freuen. Gute, zünftige Stimmung, einen vollmundigen Fastenbock mit einer Stammwürze von 19,2 Prozent und einem Alkoholgehalt von 7,8 Prozent, musikalische Einstimmung der Traunsteiner Stadtmusik und ein reichhaltiges Programm, bei dem die anwesenden Kommunal- und Bundespolitiker aufs Korn genommen wurden.

Beste Stimmung beim Starkbierfest 2017

Vor dem Auftritt der Kulturfabrik NUTS und der anschließenden Starkbierrede von Albert Rosenegger gab es zur Einstimmung Theaterklänge. Der Bräu des Hofbräuhauses, Maximilian Sailer, theater- und zauberergerecht angezogen, hatte in seinem Zylinder so manche Überraschung dabei. Und so gab es gleich Farb-Nachhilfe in Sachen der politischen Parteien. Er begann mit einer blauen Karte mit rotem Pfeil. Würden beide Farben vermischt würden diese braun ergeben. Die grüne Karte in Form einer Blume sei ja „ganz liab. Nur in Traunstein mog ma den grünen Daumen ned.“ Wenig Hoffnung machte er auch der SPD für die die rote Karte stand, bei der auch deren Kandidat Martin Schulz sein Fett wegbekam: „Des wär ja grad so, wie wenn der FC Bayern an 60er Spieler aufstellen tät.“ Und auch die CSU habe ihre liebe Not mit der „Ossi-Tussi“, der der Horst Seehofer nicht Herr werde. Bei dieser alles anders als rosigen Lage freue er sich, dass sich die anwesenden „Bierseelen und Blutwurst-Naturen“ von dem Starkbier begeistern ließen, dass schon über Jahrtausende Freunde habe. Und weil „Bier und Bleame“ gut zusammenpassten, gab es gleich noch Blumen für die bayerische Bierkönigin Sabrina-Anna Ulrich.

Petrus schimpfte über politische Missstände

Traditionell wurde ein Fassl des süffigen Gebräus auf der Bühne o'zapft. Oberbürgermeister Christian Kegel erwies sich wie schon vor einigen Wochen bei der Starkbierprobe routiniert: Zwei Schläge dauerte es, bis er den traditionellen Spruch „O'zapft is“ verkünden konnte. Dem Zuprosten mit Hopfen und Malz folgte das gemeinsame Singen der Bayernhymne, die vorsichtshalber mit kleinen Kärtchen auf den Tischen ausgelegt war. Merkte man doch, dass die Kenntnisse mit zunehmenden Strophen bei so manchem der Anwesenden abnahmen.

Das Starkbierfest nahm seinen Lauf indem Petrus, bayerisch mit weißblauem Kittel bekleidet, über die Partei mit dem „C“ schimpfte. Das stehe für Cash. „Ned für den Johnny, sondern für’n Diridari.“ So frage er sich – ganz in Anlehnung an den Trump-Wahlkampf in den USA – wann das „Bavaria first!“ (Bayern zuerst) auf den Plakaten der Partei auftauche. Den Gedanken auf das ureigene Bayerische griff auch das NUTS in einem rund 20-minütigen Theaterstück auf. Der Dialog zwischen der Resi (Christa Fuchs) und der Maria (Gabriele Trattler) über Schlagzeilen aus der Tageszeitung ging um die bayerische Sprache, nachdem der „Schlussverkauf“ eben nur noch „Final sale“ heiße. In das hin und her ob in Zeiten der Globalisierung fremde Einflüsse überhaupt aufzuhalten seien, mischte sich dann der Stani (gespielt von Franz-Josef Fuchs), der die Lösung für die beiden Streithähne in einer Grenzmauer zwischen Bayern und Österreich ganz nach amerikanischem Vorbild sah. Während die Resi aber auch weiterhin ohne Probleme nach Salzburg ins Theater fahren wollte, sah die Maria den Vorteil, dass man mit so einer Grenzanlage auch das „Gschwerl“ aus dem Land raushalten könne, was ja ganz nach den Vorstellungen des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer sei. Der Stani, der sich als Südtiroler Bio-Weinbauer zu erkennen gab, sah dann auch den „Bayxit“ als logische Konsequenz der bayerischen Zahlermentalität im Länderfinanzausgleich an. Denn was die Engländer könnten, das könnten die Bayern schon lange. Die Folge sei der Siegeszug der neuen Partei AfB, der „Alles für Bayern“. Während sich Maria dann in ihrem Ärger zum nächsten Fastfood-Restaurant aufmachte, entschied sich Resi für ein Stück Weltoffenheit – den Wein und Speck aus dem benachbarten Ausland inklusive.

Jeden Tag eine Sau durch die Stadt

Albert Rosenegger hatte für seine Fastenrede reichlich Stoff aus dem Traunsteiner politischen Stadtgeschehen zur Auswahl. Betonte doch schon Bräu Maximilian Sailer bei der Starkbierverköstigung vor zwei Wochen: „Ihr habt das ganze Jahr über so gut mitgetan, ihr habt alles gegeben.“ Da er aber ein lebenslängliches Stadtbetretungsverbot befürchte, wenn er Tacheles rede, habe er Kreide mitgebracht. Die wolle er zuerst „fressen“. In der Auswahl seiner Themen machten es ihm die verantwortlichen Kommunalpolitiker nicht einfach. Würden sie doch „jeden Tag eine Sau durch die Stadt treiben.“ Er bot den CSU-Stadträten eine Portion von der Kreide an, hätten diese doch gerade in den letzten Wochen den Mund sehr voll genommen, betonte er in Anlehnung auf die Ablehnung des städtischen Haushalts in der ersten Abstimmung. Den Grünen-Stadträten und der Landtagsabgeordneten Gisela Sengl heftete er an, dass sie nach „Grüner-Sitte“ etwas verhindern wollten. Er schlug ihnen vor, zwischen dem Rathaus und der Stadtkirche eine Windkraftanlage zu installieren. „Do ziagts eh des ganze Jahr.“

Auch die anwesenden heimischen Bundespolitiker durften im politischen Rundumschlag nicht fehlen. Für Dr. Bärbel Kofler blieben bei der nächsten Bundestagswahl nur die „Brotsamen, die vom reichgedeckten Tische Dr. Peter Ramsauers herabfallen.“ Dabei nährte er für die Wahlen das Gerücht, dass die Bleistifte in den Wahlkabinen so kurz angebunden seien, dass sie auf den Stimmzetteln gerade bis zur CSU reichten.

Kreidetabletten für den Landrat

Landrat Siegfried Walch sei in seiner bisherigen Amtszeit ohne Kreide ausgekommen. „Außer sie fahren nach Rosenheim“ spielte er auf die gescheiterte Tourismusfusion an. Das Ablassen des Wassers im Chiemsee sei vielleicht ein Mittel, um die Rosenheimer zum Einlenken zu bringen, schlug Rosenegger vor. Zauneidechsen seien problemloser umzusiedeln als Asylanten sagte er mit Blick auf den Standortwechsel einiger Asylbewerber von Bergen nach Petting. „Aber das Zuwandererproblem hams ja guat in den Griff griagt“ beschrieb er die kompromisslose Haltung des Landrats.

Oberbürgermeister Christian Kegel hingegen wechsle ständig die Hüte, um die Bürger im Glauben zu lassen, dass jeweils ein anderer für politische Missgeschicke verantwortlich sei, was auch für die Traunsteiner Elbphilharmonie, die Klosterkirche gelte. Die Güterhalle solle als „Denkmal einer hilflosen Stadtpolitik“ unter Denkmalsschutz gestellt werden.

Nicht allen Stadträten dürfte auch sein beißender Kommentar zur Altersstruktur des Rates geschmeckt haben. Er mache bei so manchem eine beginnende Demenz aus, würden sich doch eine Reihe von Stadträten oft nicht mehr an früher mitgetragene Beschlüsse erinnern. Bei einer breiten Wiederwahl in den nächsten Rat fürchte er um Engpässe aufgrund der vielen Rollatoren, mit denen die Mitglieder kämen.

Kultur-Schelte

Er prangerte „Lagerhallen mit Gebirgsblick“ an. Die Gewerbesteuereinnahmen würden indes nicht spürbar verbessern, die Leerstände in der Stadt wüchsen. Im Rückblick auf den Stadtbrand von 1851 sagte er, damals habe man zwischen den Brandstätten ein großes Konzert mit bedeutenden Interpreiten abgehalten. „De Kultur war eahna heilig, auch angesichts rauchender Ruinen.“ Dann habe man angepackt und die Stadt gemeinsam wieder aufgebaut. „Wenns aber domois a so vorganga waarn, wia’s ihr heitzutags vorgeht’s, dann stands heit no ned.“

Lang anhaltender Applaus der Anwesenden zeigte, dass Rosenegger mit seiner knapp halbstündigen Rede so richtig den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Landrat Siegfried Walch formulierte es kurz und knapp: „Spitzenmäßig“ und brachte damit die Stimmung bei den Nicht-Gescholtenen und wohl auch den meisten der Derbleckten auf den Punkt.

Orden für Klaus Steiner

Der Wert des Ordens mag diskussionswürdig sein, wie auch so mancher deftige Satz, mit denen die heimischen Politiker derbleckt wurden. Zum Ende des offiziellen Programms gab es für Landtagsabgeordneten Klaus Steiner noch einen Orden. Willi Schwenkmeier als Petrus verlieh ihm den Orden mit dem klingenden Titel „Für nichts und wieder nichts“. Auch wenn der Hofbräuhaus-Orden vom Titel her nicht unbedingt auf große Leistungen schließen lässt, lies Petrus doch durchblicken, dass der Geehrte nicht unbedingt durch seine Körpergröße besticht, wohl aber wie in einem Gedicht am Rande angeschnitten, durch andere Werte. Der Landtagsabgeordnete, dem Petrus eine starke Medienpräsenz attestierte, nahm den Orden entgegen, wie es sich für die „Für nichts und wieder nichts“-Auszeichnung gehört: Mit Humor.

Nach der Fastenpredigt brauchte so mancher einen kräftigen Schluck aus den Steinkrügen. Die Stadtmusik sorgte wieder für einen stimmungsvollen Ausklang des Starkbier-Festes.

awi

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