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Diskussion um Wildtiere im Chiemgau

Traunsteiner Almbauern und Schafhalter: Ist der Wolf eine Gefahr oder gar Chance für Tourismus?

Bergbauern haben am Donnerstag am Rande des Jahresforums der EU-Alpenstrategie in München für einen besseren Schutz vor Wölfen demonstriert.
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Immer mehr Wölfe bevölkern die Alpen. Welche Auswirkungen hat das auf die heimische Almwirtschaft?

Eine rege Diskussion entbrannte bei Mitgliedern der Bauernverbands-Kreisgruppe Traunstein, als es um das Thema Wolf ging. Schutzmaßnahmen wie Zäune seien teuer und würden in der Praxis wenig bringen, war die einhellige Meinung. Es gab aber auch Stimmen, die den Wolf verteidigten.

Traunstein – Touristen würden sich für ihn interessieren, und sich nicht so sehr abgeschreckt fühlen, wie befürchtet. Das war ein Argument der Befürworter des Wolfs.

Aber haben angesichts zunehmender Wolfsrisse in der Region Traunstein die Almbewirtschaftung und touristische Naherholung noch eine Zukunft? Anhand einer gewaltigen Arbeits- und Kostenlawine für Schutzzäune, mit denen Wolfsangriffe auf Rinder- und Schafherden abgewehrt werden sollen, ergibt sich reichlich Diskussionsstoff. Bei einer Veranstaltung der Kreisgruppe Traunstein des Bayerischen Bauernverbands (BBV) nahmen Experten der Almbauern und Schafhalter, der Landwirtschaft, des Tourismus, des Netzwerks Große Beutegreifer und der Politik Stellung zum Thema.

Millionen Euro für Einzäunungen

Matthäus Michlbauer, Geschäftsführer des BBV aus Traunstein, machte die Situation deutlich: Er verwies auf eine Publikation der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft von November 2017, der zufolge ein Investitionsbedarf zwischen 241 bis 413 Millionen Euro nötig wäre, um alle betroffenen Weidegebiete wolfssicher einzuzäunen.

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Im Bereich der Almen sei aufgrund des schwierigen Geländes mit zusätzlichem Kosten- und Arbeitsaufwand zu rechnen. „Ist es gerechtfertigt, solche Summen zum Schutz vor dem Wolf aus Steuermitteln zu bezahlen?“ Aktuell seien bundesweit 113 Rudel, in Bayern drei Rudel und ein Einzeltier bei der Dokumentationsstelle Wolf des Bundes erfasst.

Entschädigung gibt es nur bei Wolfsrissen auf geschützten Flächen

BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer stellte sich angesichts der Wolfsrisse in Reit im Winkl und Kössen im vergangenen Jahr und der Ende Februar auf dem Scharam bei Siegsdorf fotografierten Wölfin die Frage, „ob den momentan durchziehenden Wölfen bald ein Rudel“ folge. Dann habe man ein „echtes Problem.“ Entschädigungszahlungen für gerissene Tiere innerhalb eines Wolfsgebiets seien künftig nur noch bei Errichtung eines Schutzzauns innerhalb eines Jahres möglich. Er sprach sich für wolfsfreie Zonen, Entnahmegenehmigungen und generelle Bestandsobergrenzen aus.

Rege Diskussion: Josef Harbeck, Vorsitzender der Schafhaltervereinigung Traunstein, sah vor allem im hohen finanziellen und arbeitstechnischen Aufwand für die Errichtung neuer Elektroschutzzäune gegen den Wolf eine große Belastung für die Schafhalter. Dahinter: Stephan Semmelmayr, Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus.

Josef Harbeck, Vorsitzender der Schafhaltervereinigung Traunstein, argumentierte, bei den meisten Schafhaltern handle es sich um Hobbybetriebe mit eher kleineren Herden. „Wenn die die gewaltigen Kosten für die Schutzzäune vorfinanzieren müssen, sich für zehn Jahre verpflichten und dauernd kontrollieren müssen, dann lohnt sich der Aufwand nicht mehr.“ Dies sei auch mit Blick auf den Schafzüchter-Nachwuchs ungerecht.

Lanze für den Wolf brechen

Die Einzäunung großer Flächen mit Elektroschutzzäunen hielt Kaspar Stangassinger, Bezirksalmbauer aus Berchtesgaden, sowohl aus praktischer wie aus touristischer Sicht für „nicht realisierbar“. Entschädigt würden nur die gerissenen Tiere, oft würde aber die ganze Herde versprengt und sich zum Teil verletzen. Die Errichtung, Kontrolle und Instandhaltung von Schutzzäunen sei für Nebenerwerbslandwirte zusätzlich zur Almbewirtschaftung „nicht leistbar“. Mit dem Verschwinden der Rinder, Schafe und damit der bewirtschafteten Almen leide aus seiner Sicht auch der Erhalt der Biodiversität und des Landschaftsbildes.

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Martin Stief aus Ruhpolding versuchte als Vertreter des Netzwerks Große Beutegreifer des Bayerischen Landesamts für Umwelt eine Lanze für den Wolf zu brechen. Die Erfahrung seiner Frau als Almerin habe gezeigt, dass Kälberrisse oft auf Hunde zurückzuführen seien. Er glaube nicht, dass sich aufgrund der dichten Besiedlung bei in der Region Wolfsrudel ansiedeln würde. Erste Nahrungsquelle für den Wolf sei zudem das Wild.

„Eine gut funktionierende Almwirtschaft ist auch für uns Touristiker sehr wichtig“, sagte Stephan Semmelmayr, Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus.

Nicht jeder ist gegen den Wolf

Andererseits gebe es auch Wolfsliebhaber unter den Touristen. Deshalb sollte man das Tier „weder verharmlosen noch verteufeln“. Die Berichterstattung über Wolfsrisse in Reit im Winkl sei seines Wissens „nicht nachteilig für den Tourismus gewesen“.

Touristikfachwirtin Andrea Wittmann aus Traunstein sprach sich für einen stärkeren Schulterschluss zwischen Tourismus und Landwirtschaft in puncto Wolf aus. Sie hob besonders die Bedeutung des Landschaftsschutzaspekts durch Schafbeweidung hervor.

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