Ladenbesitzer fürchten in Debatte um Existenz *Umfrage*

Autos raus aus der Innenstadt? Dieser Antrag schlägt hohe Wellen

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Grünen-Stadtrat Wilfried Schott stellte den Antrag am Mittwochabend bei einer Versammlung der Werbegemeinschaft "Traunstein erleben" vor. Im Hintergrund Thomas Miller. 

Traunstein - Keine Autos mehr am Taubenmarkt und rund um St. Oswald am Stadtplatz? Ein Vorschlag der Grünen sorgt bei der Werbegemeinschaft jetzt für heftige Diskussionen - auch OB Hümmer findet klare Worte. 

Verärgerte Kunden, sinkende Umsätze, Konkurse und Leerstand: So sieht Thomas Miller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft "Traunstein erleben", die Innenstadt, falls sich der Grünen-Antrag durchsetzen sollte. "Ausgerechnet jetzt, wo viele Läden um die Existenz kämpfen, darf man nicht solche Experimente machen", ist sich Miller sicher. Zur Versammlung der Werbegemeinschaft am Mittwochabend, 17. Juni, kamen nicht nur viele Mitglieder und Interessierte, sondern eben auch Stadträte der Grünen - eine lebendige Debatte entwickelte sich.


Chance oder gefährliches Experiment?

Worum geht's genau? Folgenden Antrag wollen die Grünen in den Stadtrat einbringen: Der Bereich vom Heimathaus über die Schaumburger Straße, Taubenmarkt bis zum großen Brunnen am Stadtplatz soll autofrei werden - zumindest an Wochenenden und unter der Woche ab 18 Uhr. Für Anwohner gibt es Ausnahmen. Der Bereich rund um den Maibaum soll bleiben wie er ist. Außerdem schwebt den Grünen eine Einbahnstraßenregelung am Auberg vor, der nur noch stadteinwärts befahren werden sollte.

Die Parkplätze am westlichen Stadtplatz (hier im Bild), in der Schaumburger Straße und am Taubenmarkt sollen nach dem Grünen-Antrag am Wochenende und wochentags nach 18 Uhr wegfallen. Mit wenigen Ausnahmen sollten dort dann grundsätzlich keine Autos mehr fahren. Für den Auberg solle eine Einbahnstraßenlösung her. 

"Es soll eine Maßnahme für die Wirtschaft sein. Mehr Platz für die Außengastronomie und die Geschäfte können mehr Ware auf der Straße präsentieren", so Wilfried Schott. Die Maßnahme solle erstmal auf die Zeit der Corona-Pandemie beschränkt bleiben, mit Option auf Verlängerung. Der Vorschlag stieß bei den anwesenden Ladeninhabern der Werbegemeinschaft auf breite Ablehnung. "Mir fiele niemand ein, der dadurch einen Nutzen hätte. Eine anständige Parkplatzsituation in Innenstadtnähe muss erstmal oberste Priorität haben", so zum Beispiel Philipp Frauendörfer von der Brauerei Schnitzlbaumer. 

Etwa der rotmarkierte Bereich wäre vom Grünen-Antrag betroffen.

25 Parkplätze würden wegfallen

Nach dem Grünen-Antrag würden rund 25 Parkplätze an Stadtplatz, Schaumburger Straße und Taubenmarkt wegfallen. "Bis zu 70 oder 80 Gäste der Wirtshäuser würden dann keinen Parkplatz mehr finden. Und was ist mit älteren Leuten und ihren schweren Einkäufen vom Markt?", fragte Thomas Miller. Er prophezeite fünf Jahre Leerstand in jedem Geschäft, das jetzt schließen müsse. Nachfolger seien momentan kaum zu finden. 

Ein Bereich, in dem keine Autos fahren, in dem man die Kinder laufen lassen kann und in dem mit der Außengastronomie eine ganz besondere Atmosphäre entsteht - so stellt es sich Grünen-Stadtrat Patrick Nepper vor, aus dessen Feder der Antrag stammt. "Es wäre doch eine Chance, wenn jeder Einzelhändler überlegt, wie er den Platz vor seinem Geschäft dann neu nutzen kann." Burgi Mörtl-Körner erinnerte daran, dass in der Rathaus-Tiefgarage genügend freie Ersatzparkplätze zur Verfügung wären. Sie erhofft sich durch die Maßnahme weniger Parksuchverkehr in der Stadt. 

Hümmer: "Ich werde Antrag nicht vollziehen"

Auch Oberbürgermeister Christian Hümmer meldete sich mit einer klaren Ansage: "Auch wenn der Antrag eine Mehrheit finden sollte, ich werde ihn nicht vollziehen. Fürs Hofbräuhaus funktioniert die Logistik nicht über den Jacklturm, nur über den Auberg. Wir würden in das Funktionieren eines Gewerbebetriebes eingreifen, das ist mit mir nicht zu machen." Weniger Autos in der Innenstadt gefielen auch dem OB, "aber die Unternehmerschaft ist kein Versuchskaninchen. Und eine hohe Aufenthaltsqualität ohne Erreichbarkeit nützt nichts." Schließlich kämen nach einer neuesten Studie zwei Drittel der Kunden aus dem Traunsteiner Umland.

Weil es in der Traunsteiner Gastronomie kaum so große Säle gibt, um für viele Personen die Mindestabstände einhalten zu können, wurde die Versammlung im großen Rathaussaal abgehalten. 

Wie viele Stadträte werden die Grünen mit ihrem Antrag überzeugen können? Die kommende Sitzung findet am 2. Juli um 16.30 statt, voraussichtlich wieder im großen Rathaussaal.

xe

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