Einzelhandel leidet auch in Traunstein und Rosenheim mit der Gastro

„Kaffee ‚to go‘ auf der Bank in der Fußgängerzone ist nicht dasselbe“

Zum Einkaufserlebnis in einer Innenstadt, wie hier am Traunsteiner Stadtplatz gehöre auch das gastronomische Angebot, berichtet Jürgen Pieperhoff vom Stadtmarketing Traunstein gegenüber chiemgau24.de. Dementsprechend leide der Einzelhandel mit der Gastronomie.
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Zum Einkaufserlebnis in einer Innenstadt, wie hier am Traunsteiner Stadtplatz gehöre auch das gastronomische Angebot, berichtet Jürgen Pieperhoff vom Stadtmarketing Traunstein gegenüber chiemgau24.de. Dementsprechend leide der Einzelhandel mit der Gastronomie.

Traunstein/Rosenheim - Wie hat sich die Einschränkung der Gastronomie auf ‚to go‘ auf den Einzelhandel ausgewirkt? Wir haben nachgefragt.

„Zwei Drittel der Kunden kommen aus dem Umland. Für die spielt es schon eine Rolle, ob sie ihre Shopping-Tour zwischendrin mit einer Runde Kaffee trinken oder einem Snack auflockern oder den Tag mit einem guten Essen im Gasthaus oder Restaurant abschließen können“, erklärt Jürgen Pieperhoff vom Stadtmarketing Traunstein gegenüber chiemgau24.de. „Sich mit einem Kaffee ‚to go‘ und einem Stück Kuchen irgendwo auf eine Bank in der Fußgängerzone zu setzen oder den Schweinsbraten ‚to go‘ mit nach Hause zu nehmen, ist da nicht dasselbe.“

Gastronomie im „to go“-Betrieb trifft auch Einzelhandel in Traunstein und Rosenheim

„Die vielfältigen kulinarischen Möglichkeiten am Traunsteiner Stadtplatz sind zweifellos mit ein wichtiger Faktor dafür, dass die Leute hier gerne zum Einkaufen herkommen“, führt Pieperhoff weiter aus. „Das ist ja gerade einer der Vorzüge, die wir gegenüber dem Einkaufen im Internet bisher auffahren konnten. Das man nicht nur Waren erwirbt, sondern das man ein vielfältiges Einkaufserlebnis hat.“

Dem stimmt auch Maria Reiter vom Einzelhandelsverband Rosenheim zu. „Ich erlebe das ja täglich selbst, wir haben ja einen Würstelstand direkt vor der Tür“, so die Inhaberin der Boutique Beo Mode und Tracht. „Auch hier in Rosenheim leiden die Händler in der Innenstadt unter einem zurückgegangenen Kundenstrom. Gerade, wenn sie nicht entlang der Haupt-Einkaufsmeilen ihr Geschäft haben, sondern in einer der Nebenstraßen.“

Auch im Berchtesgadener Land pessimistische Einschätzungen

Hinzu kämen noch weitere Faktoren, die schon grundsätzlich dafür sorgten, dass weniger Leute zum Shoppen in die Stadt kommen würden. „Da ist mal grundsätzlich die Sorge vor einer Ansteckung, wegen der viele Leute so viel, wie möglich daheim bleiben wollen. Dann rechnen wohl auch nicht wenige damit, dass sie auf Grund der jetzt geltenden Höchstzahl von Personen pro Quadratmeter in Geschäften nicht eingelassen werden könnten. Das war allerdings bei uns bisher nur ein einziges Mal in der letzten Zeit der Fall.“

Michael Rupin, der Vorsitzende des Reichenhaller Unternehmer Forum (RUFO).

Auch aus dem Berchtesgadener Land gab es zuletzt pessimistische Einschätzungen. Dort war man, wegen drastisch gestiegener Infektionszahlen sogar schon früher im Lockdown. Gegenüber BGLand24.de berichtete Michael Rupin, der Vorsitzende des Reichenhaller Unternehmer Forum (RUFO), dass die Einbußen der Einzelhändler in Bad Reichenhall sich vermutlich zwischen 80 und 100 Prozent bewegen.

Große Hoffnung Weihnachtsgeschäft

Die große Hoffnung der Branche ruht aktuell darauf, dass das Weihnachtsgeschäft noch etwas herausreißen kann. Das berichten sowohl Florian Reil von der IHK München und Oberbayern als auch Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern gegenüber unserer Redaktion. „Da werden teils 20 Prozent des Jahresumsatzes gemacht“, erklärt Ohlmann. „Daher schauen derzeit auch alle sehr nervös auf den kommenden Mittwoch, wenn die Ministerpräsidenten-Konferenz möglicherweise weitere Verschärfungen beschließt.“

Maria Reiter (rechts).

Die Kundenfrequenz sei bayernweit um 50 bis 60 Prozent gesunken. „In vielen Fußgängerzonen, gerade abseits der Hauptstraßen, können sie derzeit die Kunden mit dem Fernglas suchen“, so Ohlmann. „Der Lockdown findet auch im Kopf der Menschen statt. Die Konsumlaune ist derzeit im Keller!“

Seit 2. November starke Einschränkung des öffentlichen Lebens

Als Konsequenz aus den zuletzt enorm steigenden Corona-Infektionszahlen in Bayern ist das öffentliche Leben im Freistaat seit Montag, 2. November, erneut massiv eingeschränkt. Bars, Kneipen, Restaurants und ähnliche Einrichtungen müssen dabei, wie im Frühjahr, wieder ihre Pforten schließen. Erlaubt bleibt nur die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause sowie der Betrieb von Kantinen. Clubs und Diskotheken bleiben auch weiter dicht. Das rief bereits einige Reaktionen aus der Branche hervor. So machte beispielsweise ein Siegsdorfer Wirt in einem Wut-Video seinem Frust Luft.

Der Groß- und Einzelhandel bleibt unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen insgesamt geöffnet. Es darf sich in den Geschäften aber weiterhin nur ein Kunde je zehn Quadratmeter Verkaufsfläche aufhalten.

hs

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