Pilotprojekt für Flüchtlinge ein voller Erfolg

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Für heimische Schüler oft selbstverständlich: Der Besitz eines eigenen Taschenrechners. In der BIJ/V Klasse an der Berufsschule werden kleine Geschenke wie hier die gesponserten Rechner zu einem großen, freudigen Ereignis.

Traunstein - Was als Pilotprojekt zum Anfang des Schuljahres 2013/2014 in der Berufsschule I in Traunstein startete, sorgt mittlerweile für eine gute Ausbildung von Flüchtlingen:

„Ich will Deutsch lernen, Freunde finden, einen Beruf lernen und gerne hier bleiben“ hat Mohammed K. (Name geändert) auf eine Karte geschrieben. Der 20-jährige Afghane, der seit rund zwei Jahren in Deutschland lebt, ist einer von 17 jungen Flüchtlingen im BIJ/V (Berufsintegrationsjahr). Diese mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds ESF geförderte Klasse wurde im September 2013 auf Initiative des bayerischen Kultusministeriums mit dem vorrangigen Ziel geschaffen, jungen berufsschulpflichtigen Asylbewerbern und Flüchtlingen das Lernen der deutschen Sprache zu ermöglichen. Im Landkreis Traunstein werden die Schüler an der Staatlichen Berufsschule I Traunstein in den Fächern Deutsch als Zweitsprache, Mathematik, Sozialkunde (Landeskunde) und Ethik unterrichtet. In der Fachpraxis werden Grundlagen der Gastronomie vermittelt.

Die Volkshochschule Traunstein, als derzeitiger Kooperationspartner, hat einen Schwerpunkt ebenfalls in der Vermittlung von Sprachkenntnissen. Zudem bekommen die Schüler Einblick in verschiedene Berufe. Projekte und Praktika, die von einigen Schülern bereits durchgeführt wurden, helfen bei ersten Erfahrungen mit dem Arbeitsalltag. Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld ist die sozialpädagogische Betreuung, welche sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, aber entscheidend dabei hilft, interkulturelle Brücken zu bauen, und die persönliche Entwicklung der jungen Menschen zu fördern. „Natürlich fehlen den jungen Menschen viele Erfahrungen – da können wir zur Seite stehen und unterstützen“, erklärt Frau Natascha Wolf, Deutschlehrerin und Sozialpädagogin der Volkshochschule.

Klassenleiter Hubert Gstettner erläutert, dass sich die Inhalte im Berufsintegrationsjahr zum Teil deutlich von denen herkömmlicher berufsvorbereitender Klassen unterscheiden. Oft leiden die Schüler an Schlaflosigkeit, oder haben Heimweh. Viele leiden unter Folterschäden oder Depressionen und müssen Medikamente nehmen. Die schwierigen Verhältnisse in den Herkunftsländern sowie die oft traumatisierende Flucht, bei der mehrere tausend Kilometer - oft unter gefährlichsten Bedingungen - zurückgelegt wurden, wirken sich oft auf das Leistungsvermögen der Schüler aus.

Im Unterricht steht darum nicht nur die Stoffvermittlung an erster Stelle. Gefragt ist vielmehr Geduld und ein sensibler Umgang mit den Menschen. Die Mühe lohnt sich. „Die Schüler und Schülerinnen sind sehr dankbar, hochmotiviert, höflich und ausgesprochen fleißig. Alles was sie brauchen ist eine Perspektive für ihr weiteres Leben“ betont Gstettner.

In ihren Herkunftsländern gibt es so etwas wie Ausbildungsberufe nicht. Integrationsfördernder und berufsvorbereitender Unterricht ist dabei ein wichtiger Schritt. Oft müssen überzogene Berufswünsche an die Realität angepasst werden, ohne dabei zu demotivieren.

Aufgrund seiner Interessen kann Mohammed K. sich vorstellen, in einem pflegerischen Beruf zu arbeiten, er hat bereits ein Praktikum in einem Seniorenwohnheim absolviert.

Problematisch sind die unklaren Zukunftsaussichten der Schüler. Noch nicht anerkannte Flüchtlinge müssen ständig damit rechnen, dass ihr Antrag abgelehnt wird und sie abgeschoben werden. Deshalb benötigen die Schüler auch eine umfassende Betreuung. „Ohne der guten Zusammenarbeit mit den zahlreichen ehrenamtlichen Unterstützern, den Betreuerinnen der Diakonie Traunstein, der Volkshochschule und dem Landratsamt Traunstein wäre dieses Projekt bei Weitem nicht so erfolgreich“, erklärt der schulische Koordinator an der BS I, Oliver Brus, und ergänzt: „Aber auch das Engagement der unterrichtenden Lehrkräfte geht weit über das normale Maß hinaus!“.

„Wichtig ist es, Vorurteile im Zusammenhang mit Einwanderung abzubauen und den jungen Menschen eine Zukunft zu geben. Der Rückgang der Erwerbstätigen, der damit schon spürbare Mangel an Fachkräften und geeigneten Auszubildenden spricht dafür, diesen hochmoti­vierten jungen Leuten - gerade in Mangelberufen - eine Chance zu geben“ erklärt Oberstudiendirektor Willi Barke.

Der Schulleiter ergänzt: „Was zum Schulanfang 2013/14 als Pilotprojekt begann hat sich zur nachhaltigen Beschulung entwickelt.“ Von der Regierung von Oberbayern wurde eine Ausweitung des Schulangebots genehmigt. Als Folge wird das bisher einjährige Berufsintegrationsjahr um ein zweites Jahr verlängert. Die bisherige Klasse kann somit fortgeführt werden und zugleich werden zwei neue „Vorbereitungsklassen“ für bis zu 32 berufschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge eingerichtet.

Im Moment läuft die Vorbereitung für den Start im September auf Hochtouren. „Glücklicherweise hat unsere Schule mit Sandra Bieringer eine ausgezeichnete Lehrerin für „Deutsch als Fremdsprache“ verpflichten können. Zusammen mit hochmotivierten Berufsschulkollegen können wir die jungen Flüchtlinge so besonders gut auf die Anforderungen im Beruf vorbereiten“.

Schulamtsdirektor Otto Mayer sagte ebenfalls Unterstützung zu. „Das ist ein interessantes Projekt, wir stehen dem offen gegenüber, es sind sicher neue Formen der Zusammenarbeit denkbar.“

In einem sind sich alle Verantwortlichen einig: Eine möglichst gute (Aus-)Bildung der jungen Menschen lohnt sich auf jeden Fall. Werden die Jugendlichen anerkannt, fördert es die Integration und die Berufsreife. Im Falle der Nichtanerkennung haben sie in ihrer Heimat bessere Startbedingungen. Man kann das auch als eine Art Entwicklungshilfe sehen.

Pressemeldung Staatlichen Berufsschule I Traunstein / Andreas Wittenzellner

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