Erneuter Prozess nach bewaffnetem Überfall in Traunreut

Das Urteil: Schwerer Raub - Hohe Haftstrafen ausgesprochen

Zwei der drei Angeklagten bei der ersten Verhandlung im Jahr 2019: links der damals 18-jährige Afghane, rechts der damals 18-jährige Traunreuter.
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Zwei der drei Angeklagten bei der ersten Verhandlung im Jahr 2019: Links der damals 18-jährige Afghane, rechts der damals 18-jährige Traunreuter.

Traunstein/Traunreut - Drei junge Männer standen am Montag, 3. August erneut vor Gericht. Sie haben unter Einsatz einer Gaspistole und einen Baseball-Schlägers Asylbewerber bedroht, geschlagen und ausgeraubt, um Geldschulden einzufordern. Nun hat das Gericht ein erneutes Urteil gefällt und lange Haftstrafen ausgesprochen.

Update, 17.44 Uhr - Richter verkündet Urteil: „Schwerer Raub bestätigt“


Richter Erich Fuchs verkündet das Urteil. Alle drei Angeklagten sind schuldig. Wichtigste Erkenntnis sei jedoch, dass sich aus der Tat ein schwerer Raub ergibt. Das hätten die Geständnisse der Angeklagten rechtlich einfach gemacht. Der 19-jährige Afghane wurde zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der 20-jährige Traunreuter erhielt eine Jugendstrafe von sechs Jahren und der Russlanddeutsche fünf Jahre und drei Monaten. Zudem werden die letzten beiden in eine Erziehungsanstalt untergebracht.

„Die Taten sind Verhaltensweise, die von einer kriminellen Energie zeugen“, so Richter Fuchs. Dennoch gehe man bei den beiden Heranwachsenden von einer positiven Entwicklung aus, wie es die Jugendgerichtshilfen berichtet haben. 


Update, 17.20 Uhr - Plädoyers - Einsicht bei Angeklagten, dennoch höhere Strafen?

Für den Staatsanwalt habe sich bei der erneuten Verhandlung gezeigt, dass es mehrere Angriffe gegeben hat, die auf das selbe Ziel gerichtet waren und es daher ein einheitlicher Vorgang war: schwerer Raub. „Die Schwere der Schuld ist entscheidend“, so der Staatsanwalt. Alle Angeklagten seien geständig gewesen. Beim damals 17-jährigen Afghanen müsse man die Entschuldigungen, keinerlei Vorstrafen und die bisher genutzte Untersuchungshaft zu Gute halten. Zu Lasten sei er der Initiator, das Tatmotiv Selbstjustiz und die Verwendung des Baseballschlägers, die glücklicherweise zu keinen schlimmeren Verletzungen geführt haben. Daher fordere er drei Jahre und sechs Monate als Jugendstrafe.

Beim damals ebenfalls 17-jährigen Traunreuter müsse ebenfalls Jugendstrafrrecht zur Anwendung kommen. Trotz des Geständnisses und der Entschuldigungen sei seine vielen Vorstrafen und sein Aggressionspotential nicht zu vernachlässigen. „Er hat die schlimmsten Verletzungen zugefügt“, so der Staatsanwalt. Daher fordere er sechs Jahre und vier Monate.

Anders sehe es beim inzwischen ebenfalls geständigen 30-Jährigen Russlanddeutschen aus. Zwar habe er die Waffen nicht benutzt, aber eben mitgebracht. „Fünf Jahre und sechs Monate“, so die Forderung.

Die Verteidiger stimmten in größten Teilen den Ausführungen des Staatsanwaltes zu, dennoch würden sie die Strafen etwas geringer ansetzten. Drei Jahre für den Afghanen, fünf Jahre zehn Monate für den Traunreuter und fünf Jahre drei Monate für den Russlanddeutschen. „Nach Zusammenführung der Taten, müsste das Urteil etwas „billiger“ ausfallen“, so der Verteidiger des Traunreuters.

Die Angeklagten selbst betonten nochmals, dass es falsch war und sie die Strafe verdient haben. „Ich möchte ein straffreies Leben“, so der Afghane. „Ich bin ein anderer Mensch und möchte mein Leben ändern“, äußert sich der Traunreuter. Abschließender Wunsch des Russlanddeutschen wäre eine Verlegung in die Nähe seines Sohnes.

Update, 16.08 Uhr - Jugendgerichtshilfe: „Reifeprozess erkennbar“

Es folgen die Berichte der Jugendgerichtshilfen der zwei Angeklagten, die bei der Tat damals 17 Jahre alt waren. Dem inzwischen 19-jährigen Asylbewerber, der seit knapp zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzt, sei bewusst geworden, dass er selbst für alles verantwortlich war und er seine Chancen nicht genutzt hat. Diese Tatsache würde er bereuen. Ein Reifeprozess sei erkennbar und der Angeklagte beschäftigt sich mit der Zeit nach der Haft. Er suche sich Positives und würde sich auch von Rückschlägen nicht mehr entmutigen.

Zwischenzeitlich konnte er arbeiten, auch ganztägig. Dies habe er sehr zuverlässig gemacht. Leider gab es einen Rückfall und er habe ein Mal Drogen genommen. Daraufhin habe er seine Arbeit verloren. Doch er absolviere eine Therapie und mache eine Suchtberatung und hätte jetzt kein Verlangen mehr. Er habe inzwischen auch eine Lehre als Elektriker angefangen. Insgesamt sei ihm eine positive Entwicklung zu bescheinigen. Lediglich die unsichere Zukunft aufgrund des fehlenden Urteils und einer möglichen Abschiebung würde ihn derzeit noch belasten.

Auch der 20-jährige Traunreuter habe eine gute Entwicklung genommen. Er habe sich in einem Gespräch sehr reflektiert und selbstkritisch gezeigt. Des Weiteren habe er den qualifizierten Hauptschulabschluss mit guten Noten abgeschlossen und sich für eine höhere Schullaufbahn entschieden. Seine Zukunft sehe im kaufmännischen Bereich und benötige dafür mindestens die mittlere Reife. Inzwischen sei er auch Wohngruppensprecher und auch stolz darauf.

Er nehme auch an einer Therapie teil und habe derzeit kein Suchtverlangen mehr. Allerdings müsse man sein Aggressionspotential im Auge behalten. „Je nach Stresssituation, könnte es gefährlich werden. Das weiß er auch selbst. Ohne Urteil war allerdings auch keine Einzeltherapie möglich“, so die Jugendgerichtshilfe. 

Update, 14.45 Uhr - Angeklagte entschuldigen sich

Nun äußern sich einige Zeugen zur Sache: Dabei werden keine neuen Details bekannt, sondern es wurde lediglich auf einzelne Aspekte eingegangen, beispielsweise welche Handys geklaut und welche Gegenstände beschädigt wurden. Zwei der drei Angeklagten nutzen die Chance, um sich bei den zwei Geschädigten zu entschuldigen, die sie beklaut und geschlagen haben, u.a. mit einem Baseball-Schläger.

Der Asylbewerber bereut die Tat: „Ich war damals ein anderer. Ich schäme mich, was ich euch angetan habe. Ich entschuldige mich vom ganzen Herzen. Wir waren damals Freunde“. Auch der damals 17-Jährige Traunreuter entschuldigt sich für seine Taten. Beide hätten genügend Zeit gehabt, um darüber nachzudenken und haben eingesehen, dass es nicht richtig war.

Die Geschädigten akzeptieren die Entschuldigungen. Von der Tat damals hätten beide keine Auswirkungen mehr, die sie belastet. Es seien lediglich die körperlichen Verletzungen gewesen, die nach ein paar Wochen verheilt waren. Psychische Folgen würden beide Geschädigten nicht bemerken.  

Nach einer Pause folgen die Berichte der Jugendgerichtshilfen.

Update, 13.32 Uhr - Erpressung und Schläge mit Baseball-Schläger?: „In Traunreut ist das normal“

Bevor die Verhandlung startet, liest das Gericht das Urteil aus dem ersten Prozess vor. Der damals 17-jährige Traunreuter erhielt eine Strafe von fünf Jahren und sechs Monaten, der Russlanddeutsche aus Traunreut drei Jahre und der inzwischen 19-jährige Asylbewerber zwei Jahre und acht Monate. Sowohl ein Verteidiger und die Staatsanwaltschaft sind in Revision gegangen, da das Gericht damals die Bedrohung am Rathausplatz und die zwei Wohnungseinbrüche als einzelne Taten beurteilt hat.

Nach einem Rechtsgespräch einigten sich das Gericht, die Verteidiger und die Staatsanwaltschaft darauf, dass es sich im Falle eines Geständnisses aller drei Angeklagten bei der Bedrohung und den zweiten Wohnungseinbruch um einen gemeinsamen schweren Raub in Tateinheit mit schwerer gefährlicher Körperverletzung handelt. Alle drei Angeklagten stimmten dem zu.

Zudem teilt das Gericht nochmal grob den Sachverhalt und die persönlichen Verhältnisse der Angeklagten vor. Demnach hätten alle drei keine leichte Jugend gehabt und wären in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen. Alkohol- und Drogenkonsum hätte bereits in frühen Jahren stattgefunden.

Ein Geschädigter schuldete dem Asylbewerber Geld, das dieser mit den anderen zwei Angeklagten eintreiben wollte. Diese hätten sich damit etwas dazuverdienen wollen. Dabei wurde dem Geschädigten gedroht, 200 Euro innerhalb einer Stunde zu besorgen, ansonsten würden sie in der Wohnung vorbeischauen. Das hätten sie auch gemacht. Da aber der Geschädigte nicht da war, brachen sie ein und entwendeten Wertgegenstände. Danach suchten sie den Geschädigten in einer anderen Wohnung und schlugen ihn mit dem zweiten Geschädigten. Hierbei hätten sie zwei Handys entwendet und einige Sachen beschädigt. „In Traunreut ist das normal“ soll einer der Angeklagten zu einem Geschädigten gesagt haben, nachdem dieser sich gewehrt hatte.

Als nächstes sagen die ersten Zeugen aus, darunter auch die Geschädigten. 

Vorbericht - Bewaffneter Überfall in Traunreut

Szenen, die man eigentlich nur aus Filmen kennt, haben sich am 11. April 2018 in Traunreut abgespielt. Leser berichteten uns von mehreren bewaffneten Männern, von einem Großeinsatz der Polizei, manche hörten sogar Schüsse, zu denen es jedoch nicht kam. Ab Montag, den 3. August, wird der Fall erneut vor dem Traunsteiner Landgericht verhandelt, da das Urteil aufgehoben wurde.

Drei Männer wegen Überfall in Traunreut erneut vor Traunsteiner Landgericht

Damals hatte das Gericht lange Haftstrafen verhängt. Angeklagt sind ein arbeitsloser Traunreuter, ein afghanischer Asylbewerber (beide damals 17 Jahre alt) und ein 29-jähriger Russlanddeutscher.

Dem Trio wird vorgeworfen, die späteren Opfer am Rathausplatz mit einer Gaspistole bedroht zu haben. Dabei handelte es sich um eine Rückzahlung eines größeren Geldbetrages. Die Geschädigten hätten eine Stunde Zeit gehabt, um den geforderten Betrag aufzutreiben, ansonsten würden die Angeklagten zuhause vorbeischauen.

So soll es damals auch passiert sein: Die Wohnungen der Opfer wurden aufgesucht. Dabei soll das Trio mit einem Metall-Baseballschläger, der Waffe und den Fäusten zugeschlagen haben. Neben der Zerstörung einiger Einrichtungsgegenständen, sollen auch Wertgegenstände wie Handys und Schuhe entwendet worden sein. Die mutmaßlichen Täter wurden zwei Tage nach dem Überfall festgenommen.

Die drei Männer sind angeklagt wegen Nötigung, Schusswaffenbesitz, Diebstahl mit Waffen, Wohnungseinbruchsdiebstahl, Sachbeschädigung, besonders schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung. Für die erneute Verhandlung sind insgesamt zwei Prozesstage angesetzt, Prozessbeginn ist am Montag, den 3. August um 8.30 Uhr, das Urteil soll am 10. August fallen.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

jz

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