Zu "Sabine" war man in Traunstein auf alles vorbereitet

So arbeitet die Integrierte Leitstelle bei Hochwasser, Stürmen & Co.

Für ILS-Geschäftsführer Josef Geschwendner war die Nacht auf Dienstag anspruchsvoll
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"Die Nacht von Montag auf Dienstag war anspruchsvoll", gibt ILS-Geschäftsführer Josef Gschwendner zu.

Traunstein - Wie bereitet sich die Integrierte Leitstelle - zuständig für vier Landkreise - auf angekündigte Unwetter wie Sturmtief "Sabine" vor? Und welches Fazit zieht man im Traunsteiner Notrufzentrum?

Normalerweise sind sie zu sechst bei der Integrierten Leitstelle Traunstein (ILS). Hier laufen alle Notrufe aus den Landkreisen Mühldorf, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land ein. Doch vor dem Sturmtief "Sabine" musste man aufstocken: bis zu 16 Plätze waren dann besetzt. "Und wir können im Notfall auch auf die Verwaltung zurückgreifen. Alle haben hier die gleiche Ausbildung", so Geschäftsführer Josef Gschwendner gegenüber chiemgau24.de. 


149 Einsätze waren es am Montag insgesamt, die als Notruf in der Integrierten Leitstelle Traunstein (ILS) eingetroffen sind. Vor allem im Raum Altötting (50 Einsätze) und Mühldorf (65) waren die Rettungskräfte nach Alarmierung durch die ILS im Einsatz. In den Landkreisen Traunstein (29) und Berchtesgadener Land (5) waren es vergleichsweise wenig Einsätze.


"In der Nacht auf Dienstag war mehr los als den ganzen Montag. Zwischen 3 und 7 Uhr haben wir 78 Einsätze abgearbeitet", erklärt Geschäftsführer Josef Gschwendner gegenüber chiemgau24.de. In diesem Fall war Altötting mit 33 Einsätzen der Spitzenreiter, gefolgt von Mühldorf mit 23, Traunstein mit 13 und dem Berchtesgadener Land mit 9.

"Bei Unwetterlagen gibt es einen Mitarbeiter, der für einen Landkreis zuständig ist. Im regulären Betrieb betreut ein Mitarbeiter über alle vier Landkreise hinweg." Konkret heißt das, bis zu acht Mitarbeiter nehmen nur Notrufe an. Sie brauchen nicht alarmieren oder die Einsätze weiter betreuen. Das übernimmt dann pro Landkreis ein anderer Mitarbeiter. "Die begleiten dann die Prozesse von der Alarmierung bis zum Einrücken der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes."

Wegen Sturmtief "Sabine" - In der Nacht fünf statt drei ILS-Mitarbeiter im Einsatz

Im Falle von Sturmtief "Sabine" sei alles sehr gut plan- und händelbar gewesen, zeigt sich der Geschäftsführer der ILS zufrieden. "Nach zwei Tagen Sturmtief 'Sabine' können wir sagen, dass es eher im Durchschnitt liegt. Da hatten wir beim Pfingsthochwasser 2013 oder bei Sturmtief 'Niklas' 2017 deutlich mehr zu tun." Vor allem Sturmtief "Niklas" hat die ILS mehr oder weniger kalt erwischt.

"Da muss man die Kollegen dann aus der Freizeit holen", bedauert Gschwendner. "Aber in solchen Situationen helf ma zam." Denn eine bezahlte Bereitschaft kann sich die ILS nicht leisten. Im Falle von "Sabine" hat ein Mitarbeiter in der Dienststelle geschlafen, falls er gebraucht wird und ein zweiter war auf Abruf zuhause.

"Nachts sind regulär drei Mitarbeiter in der Schicht", erklärt der ILS-Geschäftsführer. "In der Nacht von Montag auf Dienstag waren letztlich fünf im Einsatz." Der schlafende Mitarbeiter wurde also genauso geweckt, wie sein auf Abruf stehender Kollege daheim.

Bei Notruf keine 20 Sekunden warten

Wichtig ist allen Mitarbeitern, dass man bei einem Notruf nicht länger als 20 Sekunden warten muss. "Wir können bis zu 70 Notrufe auf einmal empfangen, bei 20 Notrufe gleichzeitig landet man schon mal in der Warteschlange. Irgendwann sind die personellen Möglichkeiten einfach erschöpft."

Deshalb hat die ILS auch ihre Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen für den Dienstag (11. Februar) abgesagt. "Es gehört sich nicht, zu feiern, wenn die Feuerwehren im Einsatz sind", beteuert Gschwendner die Kameradschaft mit allen Einsatzkräften. "Es war die richtige Entscheidung. Jetzt war die Pflicht dran, die Kür kann man nachholen." Vor allem dann, wenn fast alle Kollegen mitfeiern können.

cz

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