Hunderte Unterschriften wegen Neubauplänen

Wolkersdorf gegen Rinderzuchtverband: "Scheuen kein Bürgerbegehren"

+
Peter Hierstetter (links) mit weiteren Unterstützern der Bürgerinitiative Wolkersdorf. Die Wiese, auf dem das Foto entstand, will die Stadt dem Rinderzuchtverband für einen Neubau verkaufen. 
  • schließen

Traunstein - Die Neubaupläne des Rinderzuchtverbandes bei Wolkersdorf sind umstritten. Nun hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, um das Projekt zu stoppen - womöglich auch mit einem Bürgerbegehren.

"Kann es der Stadt das wirklich wert sein, die Lebensqualität von uns Wolkersdorfern so zu schädigen?", fragt Peter Hierstetter und blickt über die großen Grünflächen südlich des Dorfes. Hier plant der Traunsteiner Rinderzuchtverband (RZV) einen Ersatzbau für die marode Chiemgau-Halle. Der Stadtrat stimmte zuletzt mit hauchdünner Mehrheit zu. Doch nun hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, mit dem einfachen Ziel, "dass das nicht kommt", so Hierstetter. 

Nächster Schritt Bürgerbegehren?

Rund 300 Unterschriften hat man in wenigen Tagen gesammelt, am Donnerstag werden sie Oberbürgermeister Kegel im Rathaus übergeben. "Die Unterschriften kamen in atemberaubender Geschwindigkeit zusammen. Jeder Wolkersdorfer sagt, dass das doch nicht wahr sein kann", schüttelt Hierstetter den Kopf. Die Unterschriften sind womöglich nur die erste Stufe. Auch ein Bürgerbegehren mit Ziel des Bürgerentscheids sei definitiv eine Option: "Wenn notwendig, werden wir diese Karte spielen. Ich scheue das nicht."

An jener Stelle will der Rinderzuchtverband den Neubau für die Viehversteigerungen errichten. Die Anordnung der Gebäude ist nur beispielhaft. 

Worum geht's? Nach dem Einsturz des Stalldaches an der Chiemgau-Halle im Februar wollte der Rinderzuchtverband seinen Standort am Festplatz aufgeben - ein Neubau für die Viehversteigerungen dreimal im Monat sollte her. Die Stadt schlug ein Tauschgeschäft vor: Die grüne Wiese südlich von Wolkersdorf war eigentlich für Wohnbebauung vorgesehen, doch sollte nun dem Rinderzuchtverband überlassen werden. Im Gegenzug wird der RZV die Chiemgau-Halle nicht mehr nutzen und vom Erbbaurecht, das ihm bis 2060 von der Stadt zugesichert wurde, zurücktreten.

"Eine der letzten Ortseinfahrten Traunsteins ohne Gewerbegebiet"

Den Wolkersdorfern fallen viele Gründe ein, warum sie die Viehhalle nicht haben wollen: "Alle Bauern aus dem nördlichen Landkreis werden zum Kälbermarkt durch Wolkersdorf durchfahren", befürchtet Peter Hierstetter - mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Abgase, Flächenversiegelung und Entwertung der Grundstücke. Auch die rund 800 Tiere, viele davon in Stresssituationen, gehe Lärm aus. Außerdem: "Das ist noch eine der letzten Ortseinfahrten von Traunstein ohne Gewerbegebiet", so Hierstetter. Manche befürchten auch, dass ein Teil des Walds gefällt werden muss und dass der RZV-Neubau später weiteres Gewerbe nach sich zieht.

Der Stall an der Chiemgau-Halle. Hier stürzte das Dach im Winter ein. Einen Wiederaufbau samt Sanierung der Chiemgau-Halle will der Rinderzuchtverband nicht. 

Die Notlage des Rinderzuchtverbandes, der auf einen Neubau pocht, sei nur "herbeigeredet", meint die Bürgerinitiative - vielleicht sei sie durch ungeschicktes Verhandeln seitens der Stadt auch erst geschaffen worden. Und wenn der RZV den Standort weg aus Traunstein verlegt? Die Dritte Oberbürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner äußerte unter anderem dieses Bedenken. Für Peter Hierstetter kein Argument: "Man darf nicht alles der Gewerbesteuer unterordnen."

Infoveranstaltung am 24. Oktober

Man wolle nun weiter mobilisieren und die Bevölkerung aufklären, heißt es von Seiten der Bürgerinitiative. Für Donnerstag, den 24. Oktober, lädt man um 18.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung im Sternbräu am Stadtplatz. 

Warum ist der Neubau in Wolkersdorf aus Sicht des Rinderzuchtverbandes unumgänglich? Dazu lesen Sie am Donnerstag einen Artikel auf chiemgau24.de

xe

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT