Diskriminierung oder Pragmatismus?

Debatte zu öffentlichen Toiletten in Traunstein: Werden hier Frauen benachteiligt?

Die öffentlichen Toiletten in Traunstein sollen künftig für alle gleichviel kosten.
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Die öffentlichen Toiletten in Traunstein sollen künftig für alle gleich viel kosten.

Gerade erst war der Weltfrauentag, der auf herrschende Ungleichheiten hinweisen und zur Gleichstellung ermahnen soll. Dass der Weg zur Gleichberechtigung noch lange nicht zu Ende gegangen ist, ist klar. Doch wo fängt Diskriminierung an? Diese Frage stellte sich wohl auch eine Bad Reichenhallerin, als sie feststellte, dass die öffentlichen Toiletten in Traunstein für Männer und Frauen unterschiedlich bepreist sind. Sie wandte sich an die Stadt. Auch chiemgau24.de hat bei der Verwaltung nachgefragt, wie sich die unterschiedliche Handhabe bei Damen- und Herrentoiletten begründet.

Traunstein - Pünktlich zum Weltfrauentag machte eine Userin ihrem Ärger auf Facebook Luft. „Fun Fact zum Weltfrauentag“, schreibt sie in einer Gruppe und berichtet, dass die öffentlichen Toiletten in Traunstein für Frauen 20 Cent Gebühr kosten. Für Männer kosten zwar die Kabinen auch 20 Cent, der Zutritt zum Pissoir sei allerdings umsonst. Die Stadt habe diesem Umstand damit begründet, dass Männer, wenn öffentliche Toiletten kostenpflichtig seien, „wildbieseln“ würden. „2021 und immer noch werden Frauen benachteiligt, während Männer für ihr asoziales Verhalten belohnt werden“, empört die Userin sich.

In den Kommentaren sind die Reaktionen durchwachsen. Manche nehmen es mit Humor und schlagen vor, dass Frauen auch einfach „wildbieseln“ könnten. Andere sehen das Problem nicht. Doch manche User verstehen auch die Empörung. chiemgau24.de gegenüber erzählt die Nutzerin, dass sie, wenn sie in Traunstein unterwegs sei, auf die öffentlichen Toiletten angewiesen sei, weil ja Gaststätten geschlossen haben. Beim letzten Besuch am Maxplatz und am Karl-Theodor-Platz sei ihr dann aufgefallen, dass an der Tür zur Damentoilette ein Automat angebracht sei, der 20 Cent zum Eintreten in das WC verlange. Dasselbe sei zwar bei der Herrentoilette der Fall, für die gebe es aber eben noch eine dritte Kabine mit Pissoirs, die kostenfrei zugänglich sei.

chiemgau24.de fragte bei der Stadt Traunstein nach, weshalb die Zutritte zu den Toiletten so unterschiedlich gehandhabt werden. Agnes Giesbrecht, Pressesprecherin der Stadt, erklärte, dass es in der Tat richtig sei, dass die für die Kabinen für Männer und Frauen 20 Cent Gebühr erhoben werden, während der Zutritt zu den Pissoirs kostenfrei sei. „Mit den Einnahmen von gut 13.200 Euro (im Jahr 2020) wird ein Teil der Unkosten gedeckt, die durch die dreimal tägliche Reinigung der Toiletten entstehen.“ Aus diesem Grund sei es leider auch nicht möglich, den Zugang zu den WCs komplett umsonst zu machen. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass Verunreinigungen dadurch stark zunehmen würden, so Giesbrecht.

Neue Bezahlpolitik nach Kritik

Dass die Pissoirs für Männer umsonst seien, habe der Stadtrat der Stadt Traunstein im Dezember 2010 beschlossen, weil es zahlreiche Beschwerden wegen Verunreinigungen rund um die Toiletten gab. Anschließend habe sich die Situation merklich verbessert, daher habe die Stadtverwaltung bisher keine Notwendigkeit gesehen, das Vorgehen zu ändern.

Allerdings haben sich in letzter Zeit verstärkt kritische Stimmen geäußert. Eine neue Regelung musste her.

„So fiel nun in der Woche des Weltfrauentags die Entscheidung, künftig für alle Toilettenbesuche, auch für die Pissoirs, einen Unkostenbeitrag zu erheben. Dies betrifft die öffentlichen Toiletten am Bahnhof, am Maxplatz und am Karl-Theodor-Platz“, erklärt Giesbrecht weiter. Wann dies zeitlich umgesetzt werden kann, stehe noch nicht fest. „Eine Anfrage für die Umrüstung wurde dem zuständigen Unternehmen aber bereits übermittelt. Die Toiletten im Rathaus sind nach wie vor zu den Öffnungszeiten kostenfrei zugänglich“, versichert sie abschließend.

jv

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