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OV Traunstein B90/Die Grünen

Das 9-Euro-Ticket: Was hat es gebracht? Wie kann es weitergehen?

Von rechts nach links: Katharina Stadler, Victoria Broßart, Martina Wenta und Ines Nachtnebel.
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Von rechts nach links: Katharina Stadler, Victoria Broßart, Martina Wenta und Ines Nachtnebel.

Unter diesem Motto trafen sich am vergangenen Dienstag, den 6. September die Mitglieder und weitere Interessierte zum monatlichen Grünen Themenabend im Gasthaus Sailer Keller.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Traunstein - Als Referentin kam Victoria Broßart, grüne Verkehrsexpertin, nach Traunstein. In ihrem ca. zwanzig minütigen Vortrag arbeitete sie heraus, dass nicht der Preis des Tickets, sondern die bundesweite Gültigkeit die Besonderheit des Tickets waren. 

Im Juni, Juli und August konnte für nur neun Euro monatlich bundesweit der öffentliche Personennahverkehr genutzt werden. Auch der Traunsteiner Rufbus erlebte in dieser Zeit einen weiteren Aufschwung. 
Broßart zeigte anhand einer Karte das Wirrwarr der deutschen Tarifverbünde auf und erläuterte die Gründe: Getrennte Zuständigkeiten zwischen den einzelnen Bundesländern und Landkreisen. Dass das Ticket außerordentlich gut angenommen wurde, zeigte die Referentin an einigen Zahlen, beispielsweise, dass mehr als 38 Millionen Tickets verkauft wurden. Da die Evaluation jedoch noch nicht abgeschlossen ist, seien weitere Angaben, wie z.B. die angefallenen Kosten, mit Vorsicht zu genießen. In der anschließenden Diskussion meldeten sich fast alle der rund zwanzig Anwesenden Gäste zu Wort. Ein Indiz, dass es zum Thema viel Gesprächsbedarf gibt.

Luca Barakat, Sprecher der Grünen Jugend in Traunstein, merkte an, dass auch er den Tarifdschungel als Problem sieht, während der dreimonatigen 9-Euro-Ticket Phase die Barrierefreiheit in Bus und Bahn durch die Überfüllung jedoch nicht mehr gewährleistet war. Auch Phoebe Wenta machte auf die Situation psychisch und körperlich Kranker aufmerksam, denen die Mitfahrt stark erschwert wurde. Diese beiden Themen sollten nicht gegeneinander aufgewogen werden, argumentierte Broßart, und erinnerte daran, dass das günstige Ticket zunächst Pendler*innen entlasten sollte. Ein abgestuftes Preissystem und der zeitgleiche Ausbau des ÖPNV könnten ein Lösungsansatz sein. 

Ein weiteres Thema für die Diskutierenden war die Finanzierung des Tickets. Thomas Lang-Nachneben schlug eine Refinanzierung durch die CO² Steuer vor, Victoria eine Umlagefinanzierung.Katharina Stadler machte auf die Einspareffekte durch Vereinfachung des Tarifs aufmerksam. Broßart führte als Beispiel hierfür den ÖPNV in Spanien an, der völlig kostenlos sei. Fahrkartenverkauf und -kontrolle seien unnötig, die Bediensteten wären als Servicepersonal in Zügen und Bahnhöfen unterwegs. Martina Wenta, Sprecherin des Ortsverbands und Moderatorin der Diskussion führte an, dass nur ein gratis ÖPNV wirklich fair ist, um niemanden auszuschließen. Dies wäre auch die einzige Möglichkeit, Menschen dauerhaft vom Umstieg von Auto auf Bahn und Bus zu überzeugen. Das Angebot in den ländlichen Regionen müsste dementsprechend ausgebaut werden. Der Traunsteiner Stadtrat Thomas Stadler bezeichnete Traunstein bezüglich der Infrastruktur als „Problemlandkreis“.

 Was der Sinn und Zweck des Nachfolgetickets ist, wurde engagiert diskutiert. Mehrere Anwesende machten auf die steuerliche Absetzbarkeit von Pendelfahrten durch die Pendlerpauschale aufmerksam, außerdem sei das Ticket keine Maßnahme zur sozialen Teilhabe. Dem widersprach Amelie von der Grünen Jugend. Freizeitfahrten trügen stark zur Lebensqualität bei, außerdem sei die steuerliche Absetzbarkeit nicht für alle Pendelnden möglich, z.B. für Schüler*innen, die die Fahrkarte nicht vom Landratsamt bekommen. Victoria Broßart schlug als vorläufigen Kompromissvorschlag ein 49-Euro-Ticket vor. Im Laufe der Veranstaltung erinnerte Thomas Lang-Nachtnebel an den am 29.08.22 verstorbenen grünen Politiker Hans-Christian Ströbele. Er resümierte Ströbeles Verdienste um die Partei und die gesamtdeutsche linke Bewegung, z.B. als Mitbegründer TAZ. Ströbele sei ein Fixstern am grünen Himmel, dessen Verdienste unvergessen bleiben müssten. Zum Ende der Veranstaltung berichtete Thomas Stadler noch aus der aktuellen Stadtratsarbeit und beantwortete Fragen der Anwesenden.

Der nächste Themenabend des Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen findet am 4. Oktober um 20 Uhr im Sailer Keller statt. Geplant ist die turnusmäßige Vorstandswahl.

Pressemitteilung OV Traunstein B90/Die Grünen

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