Debatte um Industriegebiet-Erweiterung *Mit Voting*

"Es ist nicht egal, ob Wolfram in Nußdorf oder in Traunstein ist"

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Ursprünglich wollte die Stadt Traunstein nach und nach den ganzen rotschraffierten Bereich als neues Gewerbegebiet ausweisen - 22 Hektar wären es gewesen. Nun sollen nur noch neun Hektar umgewandelt werden (gelb markierter Bereich). Die Wolfram-Industrie (links) ist bald eine weitere Firma, die Traunstein in eine Nachbarkommune verlässt.
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Traunstein - Das Industriegebiet im Norden der Stadt soll wachsen - aber kleiner als gedacht: Im Stadtrat geht nun die Angst wegen abwandernder Betriebe um. 

Eigentlich war geplant, das Industriegebiet-Nord um 22 Hektar zu erweitern. Weil aber geschützte Tierarten im Wald gefunden wurden, werden es jetzt nur noch neun Hektar. Die zweite Erschließungsstraße soll dabei auch gebaut werden können, genauso wie der neue Kreisverkehr kurz vor der B304. In der jüngsten Stadtratssitzung wurde vor allem über die Firmen gesprochen, die sich wegen der zögernden Ausweisung des Industriegebiets in andere Gemeinden orientieren. 

Wald oder die Betriebe im Ort - was ist wichtiger?

"Es ist nicht egal, ob Firmen wie Wolfram und Kreiller in Nußdorf oder in Traunstein sind. Das sind Traunsteiner Firmen seit Jahrzehnten", so Karl Schulz (CSU). Die Wolfram-Industrie - momentan noch in der Permanederstraße zuhause - wird in einigen Jahren ins Gewerbegebiet nach Nußdorf auswandern, Kreiller wird dorthin expandieren, alle Firmenteile aber in Traunstein belassen. "Das Problem ist: Diese Firmen haben gar keine Möglichkeiten mehr in Traunstein", so Schulz weiter.

Burgi Mörtl-Körner (Grüne) sah es anders. Für sie steht der Wald im Mittelpunkt, der im Traunsteiner Norden gerodet werden müsste: "Er ist Wasserspeicher, bremst den Wind, hält die Luft rein und trägt zur Artenvielfalt bei. Wenn Grundstücke wo anders günstiger sind, dann lassen sich die Firmen eben dort nieder." Wenn andere Gemeinden ihre Flächen versiegeln würden, sei das das eine - doch hier in Traunstein sei man selbst verantwortlich. 

Der neue Kreisverkehr nahe der B304 wurde vom Stadtrat schon beschlossen. Die neue Erschließungsstraße würde nach unten abzweigen.

"Wir haben uns nichts vorzuwerfen", stellte Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) klar: "Auf Traunsteiner Grund haben wir 650 Hektar Wald und hier geht es um neun." Man brauche sich nur vorstellen: Sogar das neue Wohngebiet in Geißing habe zwei Zufahrten, das Industriegebiet aber nur eine. Auch Ernst Harrecker (CSU) schob nach, er könne sich noch erinnern, wie in den 1980er-Jahren in Froschham, zwischen Kammer und Otting, 36 Hektar grüne Wiese aufgeforstet worden sei. 

Die Stadt will nun bei der Regierung von Oberbayern eine Ausnahmegenehmigung einholen, um sich nicht einen Paragrafen des Naturschutzgesetzes halten zu müssen und das Industriegebiet so schneller umsetzen zu können. 

xe

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