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An den Umsätzen liegt es laut den Inhabern nicht...

Es wird immer leerer: Die nächsten zwei Läden in Traunsteins Bahnhofstraße schließen

Die Bahnhofstraße in Traunstein - eigentlich eine der besten Adressen in der Stadt, doch sie wird nach und nach leerer.
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Die Bahnhofstraße in Traunstein - eigentlich eine der besten Adressen in der Stadt, doch sie wird nach und nach leerer.

Kreiller, Zannantonio und Ellering sind schon weg, jetzt folgen zwei weitere Geschäfte, die seit Jahrzehnten in der Bahnhofstraße in Traunstein beheimatet waren: „Schweren Herzens“ wird geschlossen, wie die Eigentümer des einen Traditionsgeschäfts sagen...

Traunstein - Es liegt nicht an Corona, es liegt auch nicht am Umsatz - zwei angestammte Geschäfte aus der Bahnhofstraße in Traunstein werden demnächst trotzdem schließen: bei der Mode-Kette Witt Weiden ist schon diesen Samstag (17. September) Schluss, Juwelier Bahr macht Ende Oktober zu. Beide Geschäfte trennen keine 50 Meter in einer der besten Einkaufsstraßen Traunsteins. „Die Entscheidung haben wir schweren Herzens getroffen“, so Rudolf Bahr sen. im Gespräch mit chiemgau24.de.

Juwelier Bahr und Witt Weiden in Traunstein schließen

Beim Juwelier Bahr, der seit stolzen 77 Jahren in Traunstein beheimatet ist, ist der Hintergrund ein tragischer: Rudolf Bahr jun., der das Uhren- und Schmuckgeschäft führte, verstarb im Sommer im Alter von 54 Jahren. Der Vater führt dagegen die Filiale am Traunreuter Rathausplatz. „Wir sind ein klassischer Familienbetrieb und nur gemeinsam mit meiner Frau und meiner Tochter kann ich nicht beide Läden weiterführen“, so Rudolf Bahr, der selbst schon über 80 ist. Nach solch schwerwiegenden Todesfällen müsse man harte Entscheidungen treffen, „dann kann es nicht weitergehen wie zuvor“.

„Corona hat uns nicht so weh getan“, sagt Rudolf Bahr rückblickend. Mehr Probleme mache dagegen das Internet - und dass bei vielen Menschen durch die Billigpreise das Gefühl für Lohn und Arbeitszeit schwinde.

Ganz anders liegt der Fall beim Nachbarn Witt Weiden. Die Ladenfläche wurde einfach zu klein. „Wir haben in Traunstein 160 Quadratmeter, das ist nicht mehr sortimentskonform“, so Vertriebsleiter Michael Reuter gegenüber chiemgau24.de. Wie das in der Praxis aussah, verriet uns Hanni Janietz, die seit Anbeginn in der Traunsteiner Witt-Weiden-Filiale angestellt war: „Wir waren nur noch am ‚Stopfen‘. Weil der Platz nicht mehr ausreichte haben wir zum Beispiel vor einiger Zeit schon die Bettwäsche aus dem Sortiment genommen.“ 25 Jahre gab es Witt Weiden in Traunstein.

Traunstein oder Traunreut? Beim Juwelier Bahr entschied man sich nach einigem Überlegen, die Traunreuter Filiale zu erhalten und Traunstein aufzugeben. „Ich führe den Laden in Traunreut schon seit 1963“, so Rudolf Bahr. Man habe dort gute Mitarbeiter, das Geschäft laufe etwas besser als das in Traunstein und außerdem sei in Traunreut die Konkurrenzsituation entspannter. Eine Werkstatt und einen Kundenstamm hat man in beiden Orten - wegen der Umstände sind die vielen langjährigen Kunden jetzt in doppelter Hinsicht traurig.

Jetzt heißt es hier wie dort: „Alles muss raus“. Pauschal 30 Prozent auf die Moden bei Witt Weiden, zehn bis 70 Prozent auf Schmuck, Ringe und Uhren bei Bahr. 

Gestimmt hätten die Umsätze bei Witt Weiden wohl durchaus: „Von den Filialen waren wir wohl vorne dabei“, so Verkäuferin Hanni Janietz. Die nächsten Filialen liegen in Bad Reichenhall und Rosenheim, Outlets gibt es in Freilassing und Trostberg. „Wir sind auch weiter auf der Suche nach einer größeren Fläche in guter Lage in Traunstein“, so Vertriebsleiter Michael Reuter. 250 Quadratmeter sollten es mindestens sein, „dann schlagen wir zu“. Aber konkrete Angebote oder Verhandlungen habe es noch nicht gegeben. Zum Vergleich: Die neue Rosenheimer Filiale misst 380 Quadratmeter - also mehr als doppelt so viel wie in Traunstein.

Rudolf Bahrs Vater gründete schon 1948 eine Goldschmiede in Surberg, 1950 siedelte man in die Traunsteiner Gasstraße um, drei Jahre später ging es an den Kniebos und 1966 weiter in die Ludwigstraße. Seit 1987 war der Juwelier Bahr dann in der Bahnhofstraße beheimatet. 

Die beiden sind jetzt schon die Geschäfte Nummer vier und fünf in der Bahnhofstraße, die zuletzt zumachten: Im September 2021 schloss das Damenwäschegeschäft Ellering, im Januar die Kreiller-Filiale für Haushaltswaren und Foto-Zannantonio im Juli. Es schaut nicht gut aus für die Traunsteiner Bahnhofstraße - eigentlich eine der ersten Adressen in der Stadt. „Wir haben noch keine festen Interessenten für die Nachfolge in unserem Geschäft“, so Rudolf Bahr. Am liebsten sei ihnen wieder ein Anbieter für Schmuck und Uhren - „aber ich glaube, es ist momentan allgemein nicht einfach, einen Nachmieter zu finden.“

xe

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