"Nicht jetzt schon wieder alles zerreden"

Lange Diskussion um mögliche Tiefgarage am Karl-Theodor-Platz

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293 Stellplätze gibt es auf dem Karl-Theodor-Platz derzeit. Mit einer Tiefgarage könnten es um die 450 werden. Eine erste Kostenschätzung kommt auf 12,8 Millionen Euro.

Traunstein - Mit großer Mehrheit steht der Stadtrat hinter der Idee einer Tiefgarage am Karl-Theodor-Platz - angesichts der Bedeutung des Projekts gibt es aber trotzdem viel Diskussionsbedarf.

Jetzt ist es beschlossen: Ein Planungsbüro wird Vorentwürfe für eine Tiefgarage am Traunsteiner Karl-Theodor-Platz erarbeiten. Der Stadtrat stimmte am Donnerstag mit 18:5 Stimmen zu. Die Mehrheit ist sich einig, dass es mehr Parkplätze in zentraler Lage braucht - aber wie hoch werden die Kosten? Soll nach einer Tiefgarage auch die Oberfläche bebaut werden? Könnte das Grundwasser Probleme machen? Wie viele Parkplätze werden benötigt? Oder gäbe es Alternativen?


Seit Jahrzehnten wird diskutiert, jetzt fordert Kegel "Mut"

"Ja, so eine Tiefgarage kostet Geld. Aber seit Jahrzehnten findet man nicht den Mut, diesen Schritt zu wagen", so Oberbürgermeister. Für die Einkaufsstadt Traunstein sei der Karl-Theodor-Platz von höchster Bedeutung: "Um einen solch zentralen, großen Parkplatz beneidet uns wirklich jede Stadt." Der Stadtverwaltung schwebt eine zweigeschoßige Tiefgarage mit rund 450 Stellplätzen vor. Eine erste Kostenschätzung veranschlagt einen Betrag in Höhe von 12,8 Millionen Euro. Rund 60 Prozent Fördergelder könnte die Stadt erhalten. 

Trotz Zustimmung warnte Karl Schulz vor einem überhasteten Vorgehen: "Wir brauchen eine Grundlagenermittlung, ob eine Tiefgarage überhaupt möglich ist. Das Grundwasser könnte zum Killer werden. Die Grundwasserströme sind hochkompliziert, also sollten wir uns nicht unter Zeitdruck setzen lassen." Traudl Wiesholler-Niederlöhner warnte dagegen: "Je länger wir warten, umso mehr Bürger kaufen wo anders ein." Sepp Kaiser sieht keine Gefahren durch das Grundwasser: Heutzutage sei eine solche Tiefgarage "sicher machbar", man solle jetzt nicht schon wieder alles zerreden.


Ein Shuttle-Bus vom Festplatz in die Stadt als Alternative?

Die fünf Gegenstimmen kamen von der Traunsteiner Liste und den Grünen. "Ein Parkdeck ist für uns nicht vorstellbar, weil das Ensemble geschützt werden muss und eine Tiefgarage wird sehr teuer und lange dauern", so Burgi Mörtl-Körner. Thomas Graf brachte die Rathaus-Tiefgarage ins Spiel, die weniger ausgelastet ist als der Karl-Theodor-Platz und außerdem sei von privater Hand ja auch ein Parkhaus am Klosterberg geplant. Die Alternative aus Sicht der Grünen: Ein digitales Parkleitsystem und ein Shuttle-Bus vom Festplatz, der zu den Stoßzeiten alle zehn Minuten ins Zentrum fahren könnte. 

"Der größte Teil der Leute, die zum Einkaufen nach Traunstein kommen, wird es nicht machen, mit ein paar Taschen auch noch in einen Bus zu steigen", hielt Oberbürgermeister Kegel dagegen. Er sieht sonst die Einkaufsstadt Traunstein in einem "schleichenden Prozess" in Gefahr. Der Karl-Theodor-Platz würde bei einem Bau der Tiefgarage auch nicht komplett ausfallen, so Kegel: "Das kann man abschnittsweise bauen, nicht alle Parkplätze wären dann auf einmal weg." Ein Antrag von Christian Hümmer unter anderem auch noch die Anzahl der benötigten Parkplätze zu ermitteln, wurde abgelehnt.

Bebauung der Oberfläche noch kein Thema

Kein Thema in der Stadtratssitzung war eine mögliche Bebauung der Oberfläche, falls die Parkplätze unter der Erde verschwinden. Doch bereits im Planungsausschuss klang von vielen Seiten durch, dass man den Platz dann nicht unbebaut belassen will. "Über zwölf Millionen Euro in die Erde zu stecken um oben eine grüne Wiese anzulegen, macht keinen Sinn", meinte damals beispielsweise Christian Hümmer. 

Ebenfalls keine Rolle spielte in der Diskussion verschiedene Versionen eines Parkdecks am Karl-Theodor-Platz.

xe

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