Umstrittene Neubau-Pläne in Wolkersdorf

Debatte: Rinderzuchtverband und Stadt kommen unter Druck

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Auf dem Podium bei der Diskussionsveranstaltung im Gasthaus der Chiemgau-Halle, von links: Peter Hierstetter (Bürgerinitiative), Bernhard Reiter (Verwaltungschef Rinderzuchtverband), Hubert Hiebl (Vorsitzender Rinderzuchtverband), Oberbürgermeister Christian Kegel. 

Traunstein - Jetzt geht es in die heiße Phase: Darf der Rinderzuchtverband in Wolkersdorf neu bauen? Vor der wegweisenden Stadtratssitzung am Donnerstag kam es nun zur großen Podiumsdiskussion. 

Es ist das umstrittenste Thema momentan in Traunstein - und jetzt prallten die Argumente aufeinander: Der Rinderzuchtverband (RZV) will in Wolkersdorf eine neue Halle bauen, viele Wolkersdorfer wollen das nicht. 170 Interessierte kamen am Montagabend in den Gastraum der Chiemgau-Halle zur Podiumsdiskussion. Von den anwesenden Landwirten gab es Zuspruch für den RZV - doch sowohl der Verband, als auch die Stadt mussten sich viele Vorwürfe anhören


Rund 170 Interessierte kamen zur Podiumsdiskussion. Am Donnerstag findet im Stadtrat um 15 Uhr die entscheidende Abstimmung statt. Am Donnerstagabend lädt die Bürgerinitiative zu einer Infoveranstaltung um 18.30 Uhr im Sternbräu. 

Warum muss es ausgerechnet Wolkersdorf sein? Das war die zentrale Frage des Abends, "denn unser Widerstand richtet sich nicht gegen den Rinderzuchtverband. Wir wollen nur kein zweites Gewerbegebiet in Wolkersdorf", so Peter Hierstetter, Kopf der Bürgerinitiative. Für den RZV sprachen Vorsitzender Hubert Hartl und Verwaltungschef Bernhard Reiter. 


"Es wäre ideal": Darum will der RZV nach Wolkersdorf

"Wir wollen ein eigenes Grundstück, das uns über Generationen sicher ist. Es soll bezahlbar sein, ausreichend Parkplätze haben und gut an die Autobahn angebunden sein", so Reiter - nachdem ganze elf Grundstücke auf Traunsteiner Gebiet nach Verhandlungen ausschieden, bekam man von der Stadt das Grundstück südlich von Wolkersdorf angeboten. "Das wäre ideal", so Bernhard Reiter. Dort betrage der Abstand zwischen Vermarktungshalle und den nächsten Wohnhäusern immerhin 200 Meter - am jetzigen Festplatz sind es gerade mal 20 Meter.

An jener Stelle will der Rinderzuchtverband den Neubau für die Viehversteigerungen errichten. 15.000 Quadratmeter wäre der Grund insgesamt groß. Der Stall soll in Ost-West-Richtung gebaut werden, nicht in Nord-Süd-Richtung wie in der Grafik.

Eine Sanierung der Chiemgau-Halle kommt für den Rinderzuchtverband nicht in Frage: "Die Anforderungen an Tierwohl, Brandschutz oder Hygiene sind gestiegen. Durch die Sanierung müssten wir die Versteigerungen aussetzen, wir würden viele Kunden und Lieferanten verlieren", so der RZV-Verwalter Reiter. Die nächsten Vermarktungshallen befinden sich in Miesbach und Mühldorf, deshalb betonte auch Oberbürgermeister Christian Kegel Regionalität und Tierwohl. 

Dach brach ein: Rinderzuchtverband gesteht Fehler ein

Es waren vor allem Stadt und Rinderzuchtverband, die sich bei der Podiumsdiskussion verteidigen mussten. Der Stadtrat habe schon 2016 dagegen gestimmt, dem RZV die Flächen am Festplatz zu verkaufen, so Kegel. Bisher läuft ein Pachtvertrag zwischen den Parteien. Die Alternative Seiboldsdorf gäbe es für den Rinderzuchtverband auch nicht: Östlich der Hochstraße sprach sich der Stadtrat für Wohnbebauung aus, südlich des neuen Gewerbegebiets hätten die Rinderzüchter keine Flächen bekommen, so der Oberbürgermeister.

Peter Hierstetter von der Bürgerinitiative links und Bernhard Reiter vom Rinderzuchtverband rechts im Bild. 

Noch bis zum Winter 2018/19 hatte der RZV Pläne, den Standort am Festplatz für 1,2 Millionen Euro auszubauen - dann stürzte im Februar 2019 das Stalldach unter dem Schnee ein. "Ja, es war ein Fehler, dass wir das Dach nicht abgeräumt haben", gab Bernhard Reiter zu. So kam es zum Umdenken bei den Rinderzüchtern. "Wir mussten inzwischen Stützen in die Chiemgau-Halle einbauen, damit ein Gutachter die Standsicherheit bestätigen konnte", so RZV-Vorsitzender Hubert Hiebl. 

OB Kegel: "Das ist keine Belastung"

"Wolkersdorf bleibt ein schönes Dorf, auch wenn dort eine Halle am Waldrand steht", beschwichtigte OB Kegel. Zu den täglichen 5000 Autos durch Wolkersdorf kämen durch die Viehmarkthalle dreimal monatlich rund 150 Fahrzeuge dazu: "Das ist keine Belastung, die die Menschen nicht mehr schlafen lässt." Von den 15.000 Quadratmetern Grund würden maximal 7000 versiegelt, so Hiebl. Und OB Kegel ist sich sicher, dass die Gerüche in Richtung Osten an Wolkersdorf vorbeiziehen werden.

Einige Aktive der Bürgerinitiative Wolkersdorf. Nach der Unterschriftensammlung würden sie auch ein Bürgerbegehren mit anschließendem Bürgerentscheid nicht scheuen. Doch davor hätte nach eigenen Angaben auch der Rinderzuchtverband keine Angst. 

Dann kamen zwei Nachbarinnen der Chiemgau-Halle ins Spiel. Sie ließen kein gutes Haar am Rinderzuchtverband: Transporte in der Nacht, stinkende Misthaufen außerhalb der Markttage, Lärm aus den offenen Stallfenstern - "als würden wir mitten im Kuhstall hocken", hieß es da von Seiten einer Anwohnerin. Auch hier gestand Bernhard Reiter vom RZV Fehler ein und begründete die seltenen Fälle. Doch dann merkte ein Landwirt an: "Warum gibt es dann Widerstand, wenn der Rinderzuchtverband rausgeht aus der Stadt? Man sollte doch eher froh sein."

Der Rinderzuchtverband fragte an, doch die Stadt wollte ihm den Grund am Festplatz nicht verkaufen. Was nach einem möglichem Auszug des RZV mit dem Grund passiert, ist völlig offen. Nur die Chiemgau-Halle scheint dann keine Rolle mehr zu spielen. 

Entscheidung am Donnerstag

"Außerhalb Traunsteins haben wir vor allem Waldgrundstücke angeboten bekommen. Aber dort zu bauen ist aussichtslos, das bestätigte uns auch die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber", so Hubert Hiebl vom Rinderzuchtverband. Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat über die Änderung des Flächennutzungsplanes in Wolkersdorf. Bisher betrug die Mehrheit im Stadtrat nur eine einzige Stimme für den Rinderzuchtverband. Schon ein Patt würde das Aus für den Neubau in Wolkersdorf bedeuten.

Was meinen Sie?

Die Stadtratssitzung findet am Donnerstag um 15 Uhr statt. Der Tagesordnungspunkt zur Änderung des Flächennutzungsplans in Wolkersdorf wird gleich zu Beginn diskutiert und entschieden. 

xe

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