Freizeitpark Aventura als Fass ohne Boden

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Diskussionsrunde mit (von links) Ernst Haider (Vorsitzender Einzelhandelsverband Traunstein), Jürgen Pieperhoff (Traunsteiner Stadtmarketing-Koordinator), MdL Maria Noichl, Traunsteins stellvertretender Landrat Josef Konhäuser und MdB Dr. Bärbel Kofler.
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Traunstein - Die SPD-Fraktion im Stadtrat Traunstein lud zu einer öffentlichen Diskussionsrunde zum Thema "Freizeitpark Aventura in Neukirchen" nach Traunstein ein.

Eine Diskussionsrunde, die eher als Informationsveranstaltung für Aventura-Contras zu werten ist: Denn Projekt-Befürworter waren weder eingeladen noch anwesend. Deshalb verließ auch Grünen-Stadtrat Wilfried Schott vorzeitig die Runde, da ihm die Kommunalpolitik an diesem "runden Tisch" fehlte - wenngleich er ebenfalls gegen Aventura ist: "Es ist schön, dass wir hier an einem Strang ziehen". Er monierte vor allem die zusehende Flächenversiegelung: "Das Hochwasser hat uns diese Woche doch eindringlich gezeigt, was passiert, wenn wir immer mehr Flächen zubetonieren. Das Wasser kann nicht mehr versickern und sucht sich andere Wege".

Diskussionsrunde in Traunstein.

Alle Diskussionsrunden-Teilnehmer sprachen sich in den Räumen der Stadtmarketing GmbH Traunstein gegen das Sport- und Erholungszentrum Aventura an der A8 bei Neukirchen aus. Als Diskussionsleiterin fungierte SPD-Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner, 3. Bürgermeisterin Traunsteins, die versicherte, dass das Thema auch weiter offen im Stadtrat behandelt werden würde.

Flächenverbrauch Fass ohne Boden

Maria Noichl (MdL) sprach gar von einer "Blickverschmutzung", die dort entstehen könnte. Der Teisendorfer Gemeinderat hatte sich mehrheitlich für das Großprojekt - von Traunsteins Stadtmarketing-Koordinator Jürgen Pieperhoff als Pappschachtel betitelt - ausgesprochen. Noichl, die aus Rosenheim angereist war, sprach zudem von einer enormen Belastung für die Landwirtschaft: "Sie leidet unter dem hohen Flächenverbrauch. Schließlich müssen zusätzliche Ausgleichsflächen geschaffen werden - ein Fass ohne Boden", so die Landtagsabgeordnete. "Mit 'echt" hat das nichts zu tun, das ist eine Scheinwelt, die Profit bei jedem Wetter und rund um die Uhr erzielen möchte". Wir hätten hier auch ein Gebiet, das eine explizite Behandlung verdiene: "Der Alpenraum muss eine besondere Bedeutung erhalten", so Noichl weiter. Sie betitelte das Landesentwicklungsprogramm, zu dem derzeit 97 Änderungsanträge vorlägen, die der Landtag behandeln müsse, als Landeszersiedelungsprogramm. Das ist nicht zielfördernd".

"Was kommt da alles auf uns zu?"

Gastgeber Thomas Miller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Traunstein, warf zu Beginn der Gesprächsrunde die Frage in die Runde: "Was kommt da alles auf uns zu?". Er monierte, dass der Innenstadt-relevante Einzelhandel ausssterbe, wenn man derartige Projekte unterstütze und umsetze. "Wir können nicht immer mehr Flächen zubauen, und müssen auch an den Naturschutz denken. Letztlich brauchen wir soetwas wie Aventura nicht. Teisendorf braucht Einzelhandel, ein Gewerbegebiet, das schon. Wenn Aventura erst mal da ist, geht es immer weiter - dann muss eine Tankstelle her, Gastronomie und vieles mehr."

Ernst Haider, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Traunstein, stieß ins gleiche Horn: "Wir haben genug Sportartikel-Händler und - Verkäufer. Sie sind ernsthaft bedroht, wenn Aventura umgesetzt wird. Ich sehe auch die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort bedroht". Es könne schließlich nicht jeder nach Neukirchen fahren, um sich neue Turnschuhe zu holen. Und nur weil Aventura dann da ist, werden "sich die Leute auch nicht ein zweites paar Ski kaufen", unterstütze MdB Dr. Bärbel Kofler Haiders Ausführungen, der sich für den Erhalt der vorhandenen Strukturen einsetzt.

Teisendorf braucht einen Vollsortimenter, nicht Aventura

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"Traunstein ist eine Einkaufsstadt", warf dann Jürgen Pieperhoff ein, "Teisendorf ist das nicht. Teisendorf ist Erholungsgebiet. Ich habe selbst lange in Teisendorf gewohnt und kann das gut einschätzen. Teisendorf braucht einen Vollsortimenter, nicht Aventura. Teisendorf hat nicht den Auftrag, seine Randgebiete mit derartigen Betonkästen zuzubauen. Außerdem wächst die Bevölkerung dort nicht, sie bleibt stabil und wird eher älter. Für welche Zielgruppen soll denn dort Aventura gebaut werden?", fragte Pieperhoff und lieferte gleich eine Antwort: "Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, welche Art von Handel da eigentlich nach Neukirchen kommen soll. Wir wissen nur, dass es eine unansehnliche Pappschachtel werden soll". Der Stadtmarketing-Koordinator wisse auch, dass die heimische Bevölkerung nicht gerade nach Sportartikeln schreie und neuen Handel in diesem Bereich nicht unbedingt brauche.

"Genau überlegen, was kaputtgemacht wird"

"Das alles bringt keinen wirtschaftlichen Vorteil", weiß auch Bärbel Kofler. Sie begrüßte es ausdrücklich, dass Rosenheim das Projekt Aventura in Kiefersfelden verhinderte. "Deshalb bin ich jetzt natürlich auch gegen Aventura in Neukirchen". In Deutschland werden täglich 100 Hektar Fläche für immer versiegelt, "wir müssen uns also ganz genau überlegen, was dort kaputtgemacht wird", so die Bundestagsabgeordnete, die auch das angekündigte Entstehen von Arbeitsplätzen anzweifelt: "Wo sollen diese Arbeitsplätze denn herkommen?"

Reichenau bittet auch um Verständnis

Um auch ein wenig Verständnis für den Teisendorfer Gemeinderat und seine Entscheidung "pro Aventura" bat Landtagskandidat Dirk Reichenau, Stadtrat in Tittmoning: "Max Aicher will investieren und etwas bauen. Er sagt, dass er ihnen dort ein Hotel hinstellen möchte. Die Berchtesgadner Land Tourismus-GmbH sitzt ebenfalls bereits mit im Boot. Die Gemeinderäte wollen natürlich auch etwas für ihre Gemeinde tun, Dämme aufbrechen - da ist das Landesentwicklungsprogramm nicht mehr so wichtig". Gleich wohl ist der Kommunale Verwaltungsbeamte, der bei der Stadt Laufen beschäftigt ist, ohne Wenn und Aber gegen Aventura in Neukirchen.

Salzburger Beschwerde unangebracht

Hier soll Aventura entstehen, wenn es nach der Mehrheit des Teisendorfer Gemeinderates geht.

Gelächter brach aus, als bekannt wurde, dass sich Salzburg mit Wals-Siezenheim mittlerweile gegen Aventura an der A8 ausgesprochen habe. Pieperoff dazu: "Der Europark soll um 15.000 Quadratmeter vergrößert werden, IKEA um 5.000 Quadratmeter - und die Innenstadt blutet weiter aus. Sie scheinen aus ihren Fehlern nichts gelernt zu haben". Er informierte auch, dass ein Einkaufszentrum wie Aventura täglich 800 Kunden brauche, um existieren zu können - "unvorstellbar, warum sollten so viele Autofahrer ausgerechnet in Neukirchen Halt machen?".

Da alle einer Meinung waren - Aventura gehöre weder nach Kiefersfelden noch nach Neukirchen - verließen auch alle zufrieden die Diskussionsrunde und machten sich guten Mutes, die anvisierten Ziele zu erreichen, auf den Nachhauseweg.

red BGLand24

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