Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Wer sich fügt – der lügt“

Ein Erich Mühsam Abend in Traunstein

Von links nach rechts: Manfred Dannhorn, Liedermacher; Dr. phil Peter Seyferth.
+
Von links nach rechts: Manfred Dannhorn, Liedermacher; Dr. phil Peter Seyferth.

Der Kreisverband DIE LINKE hatte, zusammen mit der Erich-Mühsam-Gesellschaft e.V. und der Friedensinitiative, am 28. April zu einem bildungspolitischen Abend über den Schriftsteller,Pazifisten, Anarchisten, Utopisten und Revolutionär Erich Mühsam geladen. Die Co-Vorsitzende der Linkspartei Trudi Klapfenberger-Öttl freute sich über das große Interesse im voll besetzten Saal des Hofbräustüberls und bedankte sich bei den Unterstützern, u.a. der VVN-BdA, Konstantin Wecker und der Henastoibande.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Traunstein - Der 28. April war mit Absicht als Veranstaltungstermin gewählt worden. Vor genau 104 Jahren war Erich Mühsam für 6 Monate in die Verbannung nach Traunstein geschickt worden, weil er gegen das Verbot der politischen Betätigung in München verstoßen hatte. Er schrieb an einen Freund: “Ich bin nun in bayerisch Sibirien in der Verbannung“. Darüber wurde schon 2017 in einer Lokalzeitung berichtet. Als Referent konnte Trudi Klapfenberger-Öttl den politischen Philosophen Dr. phil. Peter Seyferth aus München begrüßen, der musikalisch von Manfred Dannhorn mit zwei vertonen Mühsam-Gedichten „Der Enterbte“ und „Der Revoluzzer“ unterstützt wurde.

Der Referent schilderte das bewegte Leben des in Lübeck geborenen Apothekersohns Erich Mühsam, der von Jugend an wegen seines Widerstandgeists verfolgt wurde und sein Leben den Unterdrückten, dem Proletariat und der Idee der Befreiung aus gesellschaftlichen Zwängen widmete. 1908 war er, Schüler und Freund Gustav Landauers, einer der Gründungsmitglieder des sozialistischen Bundes. „Wirtschaftliche Gleichheit muss mit politischer Gleichheit verbunden werden, nur so kann man persönliche Freiheit bei gleichzeitiger Verbundenheit der Menschen untereinander erreichen“. Als Alternative zu Staat und Kapitalismus sah er im Anarchismus die Chance zur Befreiung von Unterdrückung: „Niemand kann frei sein, solange es nicht alle sind“. Seit 1909 lebte Mühsam in München, gehörte zur „Boheme“ und wurde u.a. mit Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger Frank Wedekind und Oskar Maria Graf bekannt. Er versuchte, als Herausgeber einer eigenen Zeitschrift „Kain“ und als Schriftsteller seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Bedeutend war seine Mitwirkung an der Revolution am 7. November 1918, als er und Kurt Eisner nach der Friedensdemonstration auf der Theresienwiese in zwei Marschkolonnen zu den Kasernen die Soldaten für den Umsturz gewannen. Am 8. November war dann ohne Blutvergießen die Monarchie abgesetzt, der Krieg beendet und der Freistaat Bayern als sozialistische Republik ausgerufen wurde. Da konnte sich Dr. Seyferth den Hinweis nicht verkneifen, dass bei der 100-Jahr-Gedenkfeier der CSU-Ministerpräsident Söder den ersten bayerischen Ministerpräsident Kurt Eisner mit keinem Wort erwähnte. Nach der Ermordung Eisners gehörte Erich Mühsam zu den Anführern der Räterepublik, auch wenn er kein Amt ausübte. Er kämpfte für „alle Macht den Räten“, die frei und ohne einer politischen Partei untergeordnet walten sollten.

Er entkam nach deren Zerschlagung als Inhaftierter den Morden durch die Weißen Garden, später in Festungshaft. Nach der Freilassung setzte er seinen Kampf für eine herrschaftsfreie anarchistische Gesellschaft fort: „Anarchie bedeutet Freiheit von Zwang, Gewalt, Knechtung, Gesetz, Zentralisation, Staat. Die anarchische Gesellschaft setzt an deren Stelle Freiwilligkeit, Verständigung, Vertrag, Konvention, Bündnis, Volk“. Mühsam kritisierte das Verhalten von Menschen, die nach Herrschaft verlangen: „Sie lassen sich ausnützen, sie schimpfen, und sie wählen und küssen die Talare der Priester und die Stiefel der Fürsten, weil sie keine Selbstachtung haben“. Dr. Peter Seyferth berichtete schließlich über das Ende des Freiheitskämpfers. 1934 wurde Erich Mühsam im KZ Oranienburg, dem „Lager der Rache“ gefoltert und anschließen ermordet. Er war eines der ersten Opfer der Nationalsozialisten.

Pressemitteilung DIE LINKE KV Traunstein/BGL

Kommentare