Ergebnisse der "Mitte Studie" in Traunstein präsentiert

Verliert unsere Demokratie ihr Fundament?

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Auf Einladung des Netzwerk "Bunt statt Braun" sowie der evangelischen Jugend war Daniela Krause von der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Traunstein gekommen.

Traunstein - "Rechtes Gedankengut" scheint in der Öffentlichkeit stark zuzunehmen. Insbesondere die sozialen Netzwerke wirken voller Vorurteile und nationaler Äußerungen.

In den Medien ist insbesondere die Thematik der "rechten Gewalt" ständig präsent.Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat nun eine Neuauflage der sogenannten "Mittestudie" herausgegeben. Dies ist ein Langzeitvergleich der sich seit 2002 insbesondere mit der Frage nach dem "Zustand der Demokratie und ihrer Bedrohungen" befasst. Bei der Ergebnispräsentation in der Franz-von-Kohlbrenner-Schule staunten die zahlreichen Zuhörer nicht schlecht, zu welchen Ergebnissen die Forscher gekommen sind. Bei der anschließenden Diskussionsrunde wurden viele Fragen und Stimmen ausgiebig erörtert.


Auf Einladung des Netzwerk "Bunt statt Braun" sowie der evangelischen Jugend war Daniela Krause von der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Traunstein gekommen.In einem etwa einstündigen Vortag informierte sie über die Kernaussagen der Studie. Inhaltlich befasste sie sich insbesondere mit den vorherrschenden Vorurteilen, die Gruppen bilden können. Dabei zeichnete sie auch den Weg von einem reinen Vorurteil beispielsweise gegenüber "Ausländern", hin zu rechtspopulistischen oder rechtsextremem Gedanken. Vorurteile gegenüber Gruppen oder Gruppierungen gäbe es schon seit Menschengedenken, so Krause und führte diesbezüglich das Zitat "Vorurteile sind schwerer zu spalten als ein Atom" von Albert Einstein an.

Inhaltlich kamen die Forscher zu teils interessanten Ergebnissen. Zwei bis drei Prozent der Deutschen sind manifest rechtsextrem. Im Langzeitvergleich bleibt dieser Wert etwa gleich. Als besorgniserregend ist insbesondere die deutliche Zunahme von rechtsextremen Einstellungen bei den Jüngeren in unserer Gesellschaft anzusehen."Je jünger desto höher die Zustimmung", so die Zusammenfassung von Daniela Krause. Rechtspopulistische Gedanken zeigen sich bei etwa 20 Prozent aller Befragten. Dies sei über den Langzeitvergleich seit 2002 ein stabiler, wenn auch recht hoher Wert. Dabei gibt es keine großartigen Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern. Auffallend sei den Ergebnissen zur Folge, die Zunahme der Gewaltbereitschaft unter denjenigen, die eine "rechte Grundeinstellung" besitzen.


Rechtspopulistische Meinungen finden sich auch innerhalb politischer Parteien. Mit 75 Prozent am stärksten ausgeprägt ist dies bei den AfD Wählern der Fall, die damit mit großem Abstand die Statistik anführen. In der restlichen Parteienlandschaft findet sich zwischen sieben und zwanzig Prozent rechtspopulistisches Gedankengut unter den jeweiligen Anhängern. Die Forscher fassen ihre Ergebnisse folgendermaßen zusammen. "Vordergründig findet sich eine hohe Zustimmung zur Demokratie, die aber zugleich von antidemokratischen und antipluralistischen Überzeugungen begleitet wird. Die Mitte verliert ihren festen Boden und ihre demokratische Orientierung".

Zahlreiche Fragen beschäftigten die Zuhörer im Anschluss an den Vortrag. Auf die Frage"Wo müssen wir bei unseren Jugendlichen ansetzten?" antwortete Daniela Krause folgendermaßen. Die Jugendlichen sind für diese Strömungen sehr zugänglich. Dabei sind die Ursachen multifaktoriell. Ein Elternhaus mit einer soliden finanziellen Ausstattung sowie die Einbindung in eine feste Gruppe, wie es beispielsweise in Vereinen geschieht, sind daher sehr vielversprechend. Welchen Einfluss soziale Medien, also Facebook und Co., auf die Meinungsbildung haben, war eine weitere Frage aus den Zuhörerreihen. Hierzu kann laut Krause keine qualitative Aussage aus der Studie heraus gemacht werden. "Es lässt sich schlichtweg statistisch nicht messen, was fünf Stunden Facebooknutzung am Tag für Auswirkungen haben".

Eine weitere Frage zielte auf die Definition der "gesellschaftlichen Mitte". Hier gebe es keinen Konsens, da dies auf Grund unterschiedlicher Blickwinkel sehr schwierig zu fassen sei. Die gesellschaftliche Mitte kann man nährungsweise als das "Fundament der Gesellschaft" bezeichnen. Ob die Skeptiker aus unserer Mitte für immer für die Demokratie verloren sind, wollte ein weiterer Zuhörer wissen. "Wenn wir ihnen Gespräche verwehren, dann sind die Türen zu", so Krause. Wobei man durchaus auch positives aus den Entwicklungen herleiten kann.

Die AfD bewirkt eine Aktivierung von Nichtwählern und die politische Belebung wirkt sich positiv auf die Debatten aus.

Auf die Frage "Warum schlägt die Stimmung nicht nach links aus" fand die Vortragende folgende Antwort. Es ist leichter gegen Personen oder Gruppierungen vorzugehen. Ein unpersönlicher linker Protest müsste sich gegen das gesamte System oder den Staat richten. "Es ist einfacher zu sagen, der Mensch der da kommt hat die Schuld an Allem". Ihre Angst über eine soziale Überfremdung äußerte eine Frau. Daniela Krause antwortete dazu, "es finden laufend Veränderungen statt und dies wird auch in Zukunft so bleiben. Allein wir hier in Bayern sind seit Jahrhunderten ein bunt gemischtes Volk, dem es derzeit gelingt, insgesamt gut miteinander auszukommen".

Hubert Hobmaier

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