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Grippesaison und Energiekrise: Traunsteiner Hausärztin zur Lage der Praxen

Nach Corona jetzt Influenza? „Potenzial für höhere Welle ist da“

Hausarztpraxen zur Saison Herbst/Winter und Energiekrise
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Die Hausarztpraxen haben im Herbst/Winter alle Hände voll zu tun, weiß Eva Greipel, Vorsitzende des „Hausärzte Stadt Traunstein e.V.“ und stellvertretende Bezirksvorsitzende von Oberbayern im Bayerischen Hausärzteverband.

Im Herbst und Winter haben Viren bei den Menschen ein leichtes Spiel. Das spüren auch die Hausarztpraxen in der Region - doch die Grippesaison ist nicht das Einzige, das die Niedergelassenen umtreibt.

Traunstein/Landkreise - Corona-Infektion, Grippeviren, Erkältungen, sonstige Krankheiten - Die Wartezimmer der Hausarztpraxen sind gerade in den kalten Monaten stark frequentiert.

Auch das Wartezimmer der Traunsteiner Praxis von Eva Greipel ist aktuell gut gefüllt. Als Vorsitzende des „Hausärzte Stadt Traunstein e.V.“ und stellvertretende Bezirksvorsitzende von Oberbayern im Bayerischen Hausärzteverband weiß die Allgemeinmedizinerin um die derzeitige Lage der Hausärzte.

Erste Erkältungswelle nach den Sommerferien

„Schon während der Coronapandemie waren wir für all unsere Patienten da - egal, ob das Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes waren oder ein Patient mit einem umgeknacksten Fuß. Corona kam ‚on top‘.“

Über den Sommer hat sich die Endemie eingestellt. Aktuell sehen sich die Hausärzte mit der „ganz normalen“ Herbst-Winter-Situation, wie sie vor der Pandemie Gang und Gebe war, konfrontiert: „Es kommen sehr viele Menschen mit Atemwegsinfektionen wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit - ausgelöst durch eine Corona-Infektion oder Erkältungsviren“, erklärt Greipel.

Gerade nach den Sommerferien seien viele Infektionen von den Schulkindern auch auf die Eltern übergegangen. „Da ging die erste Erkältungswelle los“, schildert die Hausärztin den arbeitsintensiven Oktober. Mittlerweile habe sich die Lage schon wieder ein bisschen entspannt.

„Das Potential für eine höhere Welle ist da“

Seit der Endemie und dem Fall der Maske nehmen auch andere Krankheiten wieder Fahrt auf. Eine Grippewelle, so die Allgemeinmedizinerin weiter, habe es in den vergangenen zwei Jahren praktisch nicht gegeben. Sie sei „mehr oder weniger ausgefallen“.

Eine Prognose für die kommenden kalten Monate zu stellen aber gestalte sich schwierig: „Wir müssen sehen, wie sich der Winter entwickelt. Das Potential für eine größere Welle ist aber da. Wir erwarten höhere Grippezahlen als die letzten zwei Pandemiejahre - auch, weil wir keine Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen mehr haben und sich die Leute wieder ganz normal treffen. Da haben freilich auch Viren wieder leichtes Spiel und es ist anzunehmen, dass sich mehr Menschen anstecken.“

Unabhängig von Corona aber gilt laut Greipel: Mit Erkältungssymptomen zuhause bleiben und niemanden anstecken. „Diese Erkenntnis ist wissenschaftlich gesehen nicht neu, seit der Pandemie aber mehr in unseren Köpfen verankert. Da hat das Bewusstsein vielleicht ein bisserl zugenommen, dass es nicht so günstig ist, krank zur Arbeit zu gehen - aus welchen Gründen auch immer.“

Wie steht es um Impfungen?

Die Impfung gegen Influenza werde heuer „sehr gut nachgefragt“. Gesellschaftlich gesehen würden Greipel zufolge allerdings immer noch zu wenige nachfragen. Sie empfiehlt eine Grippeimpfung für alle Menschen über 60 Jahre oder für jene, die unter chronischen Herz-Kreislauf, Stoffwechsel- oder Lungenerkrankungen leiden. „Ich habe schon den Eindruck, dass die Nachfrage höher ist als in den vergangenen Jahren - doch es ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.“

Coronaimpfungen indes werden deutlich wenig vergeben: In Greipels Praxis nicht mal wöchentlich und wenn doch seien es maximal sechs bis vierzehn Personen in einer Woche, was ein bis zwei Fläschchen entspreche. „Bei den Corona-Impfstoffen gibt es leider noch keine Einzeldosen, sodass wir immer mindestens sechs Leute auf einmal einbestellen müssen. Da heißt es Koordinieren.“

Noch mauer aber sehe es in den Impfzentren aus: „Die sind so wenig ausgelastet, die könnte man sofort schließen. Das ist zum Ende des Jahres ohnehin beschlossen und längst überfällig. Da wird so viel Geld durch den Schornstein geblasen.“

Steigende Personalkosten in Zeiten der Energiekrise

Geld durch den Schornstein blasen, das geht in Zeiten von steigenden Strom- und Heizkosten in Deutschland schneller als einem lieb ist. Ein Punkt, der Greipel am Herzen liegt, ist die Energiekrise. Denn die niedergelassenen Ärzte in den Praxen fühlen sich in den schwierigen Zeiten „alleine gelassen“.

In den letzten Jahren habe es mehrfach deutliche Gehaltssteigerungen für medizinische Fachangestellte gegeben, was in den Augen der Hausärztin als „finanzielle Wertschätzung auch dringend notwendig“ gewesen sei.

Heiz- und Warmwasserkosten steigen um das Zweieinhalbfache

„Nun aber steigen die Energiekosten massiv“, führt Greipel an. „Meine Heiz- und Warmwasserkosten werden wohl laut einer Prognose, die ich erhalten habe, um das Zweieinhalbfache erhöht. Damit stehe ich nicht alleine da, das passiert durch die Bank in allen Praxen.“

Gleichzeitig hätten die Krankenkassen gegen die Stimmen der Ärzte im Vermittlungsausschuss eine Honorarsteigerung von zwei Prozent durchgesetzt und wollen Steigerungen für die nächsten zwei Jahre komplett ausschließen. Die Folge: Ärztliche Honorare steigen nicht mal im Inflationsbereich. Die Ärzte seien an gesetzliche Vorgaben gebunden.

Praxen fangen Patienten ambulant vor Klinikeinweisung ab

„Viele Niedergelassenen haben jetzt Probleme, wirtschaftlich zu arbeiten, ihr Personal sowie die gestiegenen Heizkosten zu bezahlen während sich die Kassen standhaft weigern uns entgegenzukommen. Es treibt die Praxisbetreiber um, sie sind sehr unzufrieden mit den Kassen und der Politik. Krankenhäuser, Reha-Kliniken oder Pflegeeinrichtungen wird versprochen wird, ihre Energiekosten auszugleichen oder zumindest mitzufinanzieren und die Praxen fallen hinten runter und werden überhaupt nicht gesehen.“

Dabei sei es den Praxen zu verdanken, dass 90 Prozent der Erkrankten im ambulanten System und nicht in den Kliniken versorgt werden müssen.

„Die Kliniken, auf die das Geld verteilt wird, erscheinen der Politik wichtiger während unsere Bedürfnisse werden ignoriert.“ Ein Dilemma in den Augen Greipels, denn die Niedergelassenen können sich aufgrund fehlenden Streikrechts nicht wehren. „Da fällt es schwer Ansprüche durchzusetzen, so berechtigt sie auch sind. Das ist jetzt ein Problem und wird nächstes Jahr ein noch viel größeres Problem“, warnt Greipel.

mb

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