Expertin in Traunstein zu Gründen und Hilfe

Warum gehen Flüchtlinge freiwillig wieder zurück? "Die Idee reift langsam"

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Bei einem Vortrag der AWO am Montag in Traunstein zur freiwilligen Rückkehr von Asylbewerbern (von links): Katherine Kellein (Projekt „StartHope@Home“), Nina Hoferichter (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und Ruth Holzbauer (Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft).

Traunstein - Was bewegt Asylbewerber wieder freiwillig in die Heimat zurückzugehen? Über Hintergründe, Probleme und vielseitige Unterstützung in Deutschland - auch finanzieller Art.

Sie haben oft eine monatelange, lebensgefährliche Flucht hinter sich und wollen dann wieder weg aus dem sicheren Deutschland. Wie kommt's? Bei einer Veranstaltung der AWO-Ehrenamtskoordinierungsstelle in Traunstein klärten am Montag drei Expertinnen auf, warum Flüchtlinge wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren - und welche finanziellen Unterstützungen sie dafür bekommen können.


Vor allem mangelnde Perspektive in Deutschland treibt Menschen zurück

"Am Anfang sagen fast alle, sie wollen hier bleiben. Aber wenn der Alltag einkehrt reift die Idee langsam, zurückzukehren", so Ruth Holzbauer. Sie organisiert Qualifizierungskurse für Flüchtlinge bei den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz). Beispiel 2016: Damals entschlossen sich deutschlandweit rund 55.000 Asylbewerber die staatlichen Unterstützungsprogramme zu nutzen. Nur halb so viele wurden abgeschoben. Aus Bayern gehen übrigens dreimal so viele freiwillig zurück ins Herkunftsland, als abgeschoben werden.

Warum wollen viele Asylbewerber wieder zurück? "Vor allem ist es die mangelnde Perspektive in Deutschland", weiß Nina Hoferichter, Reintegrations-Scout bei der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Weitere Gründe seien zum BeispielTodesfälle in der Familie, eine Besserung der Situation im Heimatland und nicht zuletzt auch Heimweh. Oft gilt: Je schwieriger der Weg nach Europa war, umso geringer der Wille, wieder zurückzukehren. Alleinstehende gehen eher wieder als Familien mit Kinder. 


Hoferichter: Je länger man aus der Heimat weg war, umso schwieriger wird es - wo kann ich wohnen? Wer hat Arbeit?

Kurse in Deutschland, um im Herkunftsland wieder Fuß zu fassen

"Vor allem viele Afrikaner haben Angst, nach der Rückkehr sozial geächtet zu werden", berichtet Hoferichter, "zum Beispiel wenn die ehemaligen Flüchtlinge kein Geld mitbringen. Oft wird das als Scheitern betrachtet". Um es den Asylbewerbern nach der freiwilligen Rückkehr ins Herkunftsland einfacher zu machen, bietet das bfz allerlei Kurse an: Schweißtechnik, Haarpflege, Lackieren, kaufmännische Grundlagen oder Gartenbau. Kurse werden unter anderem in München angeboten, auch in Traunstein will das bfv damit künftig präsent sein. 

Das GIZ unterhält in einer Reihe "typischer" Herkunftsländer wie Afghanistan, Kosovo, Algerien, Nigeria, Irak, Senegal oder Pakistan sogenannte Rückkehrberatungszentren. Wenn Asylbewerber schon in Deutschland Pläne schmieden, sich in der Heimat zum Beispiel selbstständig zu machen, stehen die Zentren mit Rat und Tat zur Seite. Katherine Kellein vom Projekt „StartHope@Home“ erzählt in Traunstein zum Beispiel die Erfolgsgeschichte eines Nigerianers, mit dem sie zusammen in Deutschland Businesspläne für ein Schuhgeschäft in Abuja erstellte und der dort damit nun Erfolg hat.

Wer zurückkehrt wird mit barem Geld belohnt

Inzwischen bekommen Asylbewerber, die zurück ins Herkunftsland wollen, auch einiges an Geld vom deutschen Staat. Laut Nina Hoferichter variieren die Beträge je Land - Menschen vom Balkan bekommen zum Beispiel gar nichts. Auch wer straffällig wurde, geht leer aus. Hoferichter nennt als Beispiel die Beträge für die Rückkehr nach Nigeria oder Senegal: 200 Euro bar vor der Ausreise, 1000 Euro nach dem Einchecken am Flughafen, sechs Monate nach der Rückkehr nochmal 1000 Euro. Der Freistaat Bayern zahlt im Rahmen seines "Afrika-Programms" sogar nochmal zusätzlich scheibchenweise 3000 Euro nach der Rückkehr.

Die Organisation und finanzielle Hilfen zur Rückkehr ins Herkunftsland regeln übrigens die Rückkehrberatungsstellen, wie zum Beispiel in Mühldorf oder die Ausländerbehörden im jeweiligen Landratsamt. 

xe

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