Prozess um zwei Sex-Taten in Traunstein und Kempten

Urteil gefallen: Jahrelange Haft wegen Vergewaltigung in Traunstein

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Mit gesenktem Kopf sitzt der Angeklagte am Montag im Gerichtssaal.
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Traunstein - Diese Tat schreckte auf: Auf dem Nachhauseweg von der Disco wurde eine junge Frau in einem Waldstück vergewaltigt - der selbe, mutmaßliche Täter soll für weitere Sex-Übergriffe im Traunsteiner Nachtleben und auf eine Joggerin in Kempten verantwortlich sein. Am Montag beginnt der Prozess.

Update, 17.08 Uhr - Urteil gefallen

Sieben Jahre muss der angeklagte Marokkaner in Haft, so das Urteil des Gerichts. Der 36-Jährige ist schuldig der Vergewaltigung, der versuchten Vergewaltigung und der Körperverletzung. 

Strafmildernd wirkte sich das Geständnis aus: "Wir wissen schließlich, dass die Vernehmungen der Geschädigten oft zu weiteren Traumatisierungen führen können", so der vorsitzende Richter Fuchs. 

Strafverschärfend wirkt sich dagegen aus, dass der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt ist. Fuchs beschreibt ihn als "Dauerstraftäter, der das Asylrecht seit Jahren schamlos ausnutzt". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb einer Woche können Staatsanwaltschaft oder Verteidigung Revision einlegen.

Update, 16.40 Uhr - Die Plädoyers

2013 kam der Angeklagte aus Marokko über die Türkei nach Deutschland - als Palästinenser gab er sich aus, "weil er hörte, dass man als Palästinenser nicht abgeschoben würde", wie es der psychiatrische Gutachter heute vor Gericht ausdrückte, der im Vorfeld mit dem Angeklagten sprach. Schon 2014 fiel der Marokkaner dann in Grassau negativ auf, weil er in einem Discounter Handschuhe klaute. 2015 dann das nächste Urteil gegen den heute 36-Jährigen: Körperverletzung und Nötigung, weil er eine Schaffnerin im Meridian bei Bergen mehrmals zwickte und nach dem Rauswurf den Zug zum Halten zwang.

Der erste Fall der heute angeklagt ist, die versuchte Vergewaltigung vor der Traunsteiner Disco "Kafka", wurde nun vom Gericht wieder eingestellt: Anhand der DNA-Spuren ist die Tat dem Angeklagten nicht zweifelsfrei anzulasten, das Opfer konnte den Mann im Nachhinein außerdem nicht identifizieren. Auch die Staatsanwaltschaft stimmt der Einstellung zu. Richter Fuchs kündigt aber an, dass sich das nicht strafmildernd auswirken wird, denn die beiden anderen Taten am Traunsteiner Viadukt und in Kempten würden die erste, vor dem "Kafka", ohnehin in den Schatten stellen.

Nun werden die Plädoyers gehalten: Die Staatsanwältin fordert für die Vergewaltigung in Traunstein und den Vergewaltigungsversuch in Kempten eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten. Die Vertreterin der Nebenklage schließt sich an.

Die Verteidigung betont dagegen, dass den Opfern durch das Geständnis des Angeklagten eine schwere Vernehmung erspart werden konnte. Insgesamt drei weitere Verhandlungstage standen auf dem Programm, die so gestrichen werden können. Anwalt Markus Frank fordert für die beiden Taten eine Freiheitsstrafe von insgesamt sechs Jahren und drei Monaten.

Nun fehlt nur noch das Urteil des Schöffengerichts unter Vorsitz von Erich Fuchs.

Update, 15.30 Uhr - Durch eine Notlüge entkam eine Frau der Vergewaltigung

Ein ermittelnder Polizist aus Kempten ist nun als Zeuge geladen. Am 26. November 2016 wurde der Angeklagte auch dort übergriffig: Es war ein Samstag, 6.30 Uhr in der Früh und dementsprechend dunkel. Eine damals 45-jährige Joggerin war mit Stirnlampe und MP3-Player in den Ohren am Kemptener Schuhmacherring unterwegs. "Überfallsartig", so die Staatsanwaltschaft, soll sie der Angeklagte dann zu Boden gerissen haben.

Die Frau schrie und wehrte sich, der Angeklagte soll sich dann auf sie gesetzt und ihr den Mund zugehalten haben. Der Marokkaner soll die Joggerin aufgefordert haben, ruhig zu sein - doch das blieb die Frau nicht. Sie wehrte sich weiter, biss den Mann in den Finger. Es folgten wohl Schläge ins Gesicht, sie wurde ins Gebüsch gezerrt. Was der Angeklagte wollte ist laut Staatsanwaltschaft klar: erzwungenen Sex.

Zwei Zufälle halfen der Joggerin wohl, der weiteren Qual zu entkommen: "Während der Auseinandersetzung hat die Frau gesagt, sie müsse unbedingt zu ihrem Baby heim - obwohl sie eigentlich gar kein Kleinkind zu Hause hatte", so der Kemptener Polizist nun. Nach dieser Notlüge habe der Angeklagte von ihr abgelassen. Als dann in einer Wohnung, etwa zehn Meter entfernt, auch noch das Rollo hinaufgezogen wurde und Licht anging, machte sich der Angeklagte laut dem Beamten aus dem Staub.

Nun folgt die Verlesung des Vorstrafenregisters durch den vorsitzenden Richter Erich Fuchs. Der Angeklagte fiel im Chiemgau schon vor den Sex-Taten negativ auf.

Update, 11.55 Uhr - Angeklagter gesteht

Der Angeklagte ist voll geständig: Er gibt nun offen zu, dass er zwei Frauen in Traunstein und Kempten vergewaltigen wollte und eine weitere Frau in der Nähe des Traunsteiner Viadukts vergewaltigt hat.

Die Verteidigung geht auf das Angebot des Gerichts ein - heißt: Dem Angeklagten droht für die beiden Taten in Traunstein eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren bis zu fünf Jahren und sechs Monaten vor. Für die Tat in Kempten darüber hinaus ein Jahr und drei Monate bis zu zwei Jahren Haft.

Die Opfer müssen als Zeuginnen nicht mehr vernommen werden. Lediglich Gutachter und ermittelnde Polizeibeamte werden vom Gericht noch gehört. Das Urteil könnte noch heute fallen.

Update, 11.25 Uhr - Richter will ein Geständnis

Den drei Frauen, die wohl Opfer des angeklagten Marokkaners wurden, könnte eine Aussage vor dem Landgericht erspart bleiben - und damit auch ein erneutes Wiedersehen, was wohl zweifellos keine der Frauen will. Womöglich kommt es nämlich zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht zu einer Einigung, falls der Angeklagte ein Geständnis abgibt.

Ein "konkretes Geständnis, nichts Formales oder Inhaltsleeres" will der Vorsitzende Richter Erich Fuchs vom Angeklagten hören. Für die beiden Taten in Traunstein schlägt er eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren bis zu fünf Jahren und sechs Monaten vor. Für die Tat in Kempten darüber hinaus ein Jahr und drei Monate bis zu zwei Jahren Haft.

Die Forderungen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft lagen im Rechtsgespräch natürlich um einiges unter bzw. über den Vorschlägen des Richters: Der Anwalt schlug eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren vor, die Staatsanwaltschaft neun bis zehn Jahre - natürlich vorausgesetzt, dass der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ablegt. Werden Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf das Angebot des Gerichts eingehen? Dies wird nach einer weiteren Verhandlungspause bekannt werden.

Update, 10.35 Uhr - Er heißt weder Karim K., noch ist er Palästinenser

Insgesamt drei Sex-Taten werden dem Mann zum Vorwurf gemacht, der heute vor dem Landgericht in Traunstein sitzt. Zwei im Traunsteiner Nachtleben, eine in Kempten. Doch gleich zu Beginn der Verhandlung stellt sich heraus: Der Mann heißt weder Karim K., noch ist er 34 Jahre alt und auch Palästinenser ist er keiner. Womöglich hat er bei seiner Einreise nach Deutschland falsche Daten angegeben, von denen auch die Staatsanwaltschaft bis dato noch ausging.

An diesem Waldstück von der Traun hinauf zur Wasserburger Straße in Traunstein ist die Tat am 10. April 2016 passiert

Rechtsanwalt Markus Frank stellt klar, dass sein Mandant ein Marokkaner sei, 36 Jahre alt. An der Anklage, die hier gegen ihn läuft, ändert das alles nichts: Im November 2015 soll er auf dem Parkplatz der Traunsteiner Disco "Kafka" versucht haben, eine Frau zu vergewaltigen - genauso im November 2016 eine Joggerin in Kempten. Im April 2016 vergewaltigte er eine Frau auf dem Heimweg von der Disco "Villa" in der Nähe des Traunsteiner Viadukts, so die Staatsanwaltschaft. Bei der Verlesung der Anklageschrift hört er ruhig zu und nickt bei den Übersetzungen des Dolmetschers.

Nach wenigen Minuten wird der Prozess unterbrochen, Pflichtverteidiger Frank bittet um ein Rechtsgespräch mit der Staatsanwältin und dem vorsitzenden Richter Erich Fuchs.

Vorbericht

Anwohner der Gasstraße wachten in den frühen Morgenstunden des 10. April 2016 durch ihr Wimmern auf: Die junge Frau, nach einem Schlaganfall körperbehindert, wurde auf dem Heimweg von der Disco "Villa" im Waldstück zwischen Villa-Park und Brunner-Sportanlage nahe dem Viadukt vergewaltigt. Am Montag steht der 34-jährige Karim K. als Angeklagter deshalb vor dem Traunsteiner Landgericht

Bilder vom Tatort der brutalen Vergewaltigung in Traunstein

Auf einer Wiese bei der Brunner-Anlage soll er die Frau bäuchlings am Boden fixiert, ihren Kopf hinuntergedrückt und sie vergewaltigt haben, so die Staatsanwaltschaft. Immer wieder soll die Frau zuvor versucht haben, sich wieder anzuziehen, auch Bisse halfen nicht. Schließlich soll die Frau ihren Widerstand, nach Angaben der Staatsanwaltschaft, aufgegeben und versichert haben, ruhig zu bleiben und alles zu tun, was ihr Peiniger wolle.

Auch ein Sex-Übergriff vor der Disco "Kafka" wird ihm vorgeworfen

Wie nun aus der Anklageschrift hervorgeht soll Karim K., geboren im Ghaza-Streifen, auch für einen sexuellen Übergriff vor der Traunsteiner Disco "Kafka" verantwortlich sein. Eine junge Frau, die er dort kennenlernte, soll der Mann am 15. November 2015 auf dem Parkplatz vor der Disco hinter einen Auto-Anhänger gezogen und ihr schon die Unterwäsche heruntergerissen haben. Nur weil die Frau sich heftig wehrte und um Hilfe schrie, soll der 34-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft von ihr abgelassen haben. 

Versuchte Vergewaltigung auch in Kempten?

Am 26. November soll der Mann auch in Kempten übergriffig geworden sein: Dort soll er eine Joggerin zu Boden gerissen, niedergeschlagen und in ein Gebüsch gezerrt haben. Als in einem benachbarten Gebäude Licht anging - es war 6.30 Uhr in der Früh - soll er von der Frau abgelassen haben. Doch nach Meinung der Staatsanwaltschaft war auch hier seine Absicht eindeutig: erzwungener Sex.

So kam die Polizei Karim K. auf die Schliche

Am 21. Januar 2017 konnte die Polizei den Mann schließlich fassen: Gegen ihn lag ein Haftbefehl wegen räuberischer Erpressung vor, außerdem drohte ihm die Abschiebung - also tauchte Karim K. unter. Bei einer Personenkontrolle im Zug zwischen Kempten und Buchloe fand ihn schließlich die Polizei. Während seiner Haft glich die Polizei DNA-Spuren ab, so rückten auch die drei Sex-Taten, die ihm jetzt zur Last gelegt werden, ins Licht

Angeklagt ist Karim K. nun wegen einer Vergewaltigung und zwei versuchten Vergewaltigungen, jeweils in Tateinheit mit Körperverletzung. Der Prozess beginnt am Montag um 9 Uhr, für den 5. und 13. März sind um 9 Uhr weitere Verhandlungstage angesetzt. chiemgau24.de wird aktuell aus dem Gerichtsaal berichten.

xe

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