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Traunsteins Gesundheitsamtsleiter schätzt die Lage ein

„Gegen Corona können wir nicht immun werden“ - Zahlen steigen: Was erwartet uns im Herbst?

Traunsteins Gesundheitsamtsleiter mit vager Prognose zu Corona-Geschehen im Herbst
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„Welche und ob überhaupt Mutationen im Herbst kommen, das kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt keiner präzise vorhersagen.“ Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamts Traunstein äußert sich im Gespräch mit chiemgau24.de zu den steigenden Corona-Zahlen.

Viele Coronamaßnahmen gehören der Vergangenheit an: Doch über all der Unbeschwertheit der Sommermonate schwebt eine zentrale Frage wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Menschen: Auf welche Szenarien müssen wir uns im Herbst einstellen?

Traunstein - Dr. Krämer vom Traunsteiner Gesundheitsamt ist überzeugt: „Ein Schreckensbild in den Herbst zu kreieren, das unter Umständen nicht kommt, tut uns allen nicht gut. Ich denke, dass wir nach den schweren Zeiten nun ohne schlechtes Gewissen alles tun sollten, nach dem uns der Sinn steht. Welche und ob überhaupt Mutationen im Herbst kommen, das kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt keiner präzise vorhersagen.“

„Haben etwaige Mutationen nicht in der Hand“

Klassischerweise mutiere ein Virus über die Zeit hinweg zu schwächeren Varianten, weil dies für die Viren einen Überlebensvorteil darstelle. Sie seien durchaus ansteckender, aber harmloser mit milderen Verläufen. „Das beobachten wir beim Coronavirus schon eine ganze Weile. Aus der Sicht des Virus ist sinnvoller, leichter übertragbar und so schneller vermehrbar zu sein. Den Wirt umzubringen, davon hat das Virus nichts.“

Ein guter Infektiologe, ist Dr. Krämer überzeugt, werde sich Stand heute nicht dazu hinreißen lassen, Aussagen zu tätigen, welche Eigenschaften ein Virus im Oktober, November oder Dezember haben könnte. „Das wäre keine ehrliche Prognose. Angst zu schüren für etwas, das vielleicht kommen wird, dazu sehe ich überhaupt keinen Anlass – zumal wir die Mutationen des Virus ja nicht in der Hand haben.“

Heuer stärkere Influenza-Welle?

Was jedoch zu erwarten sein wird in den Augen des Gesundheitsamtsleiters ist eine stärkere Influenza-Welle: „Das zeigt uns ein Blick nach Australien: Das Land durchläuft bereits eine relativ starke klassische Grippesaison. Das ist aber die einzige Prognose, die wir für den Herbst fällen können – unabhängig von Corona.“

Das Influenza-Virus verändere sich regelmäßig so wie es das Coronavirus auch tue. Seit Anfang der 90er Jahre seien im Abstand von etwa zehn Jahren jeweils stärkere Grippewellen registriert worden. Eine reelle Vorhersage, wie es mit dem Coronavirus im Herbst weitergehe könne in der derzeitigen Lage nicht getroffen werden: „Dafür fehlen Langzeitstudien.“

Deshalb werden Corona-Impfstoffe künftig ähnlich wie beim Grippe-Impfstoff regelmäßig angepasst: „Das Corona-Virus hat uns gezeigt, dass es nicht einen einzigen Impfstoff gegen alle Mutationen gibt und sich die Leute öfter anstecken. Gegen Corona können wir nicht immun werden.“

Lernen, wie die Welt mit dem Virus künftig leben kann, gesellschaftliche Aufgabe

Es sei „nicht von der Hand zu weisen, dass harte Zeiten mit durchaus aggressiveren Formen des Corona-Virus hinter uns liegen. Ich erinnere mehrmals an die Delta-Variante, in der wir tatsächlich zahlreiche schwere Verläufe verzeichnen mussten, die wir Gott sei Dank unter der aktuell vorherrschenden Variante nicht sehen.“

Es sei daher nicht mehr nur eine medizinische sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe, zu lernen, wie die Welt mit dem Coronavirus künftig leben könne. Dazu zähle auch die Personalplanung. In der Grippesaison werde man heuer wohl mit höheren Ausfällen in den Betrieben rechnen müssen.

„Alle Maßnahmen waren schwere Eingriffe in die Freiheitsrechte“

In Bezug auf mögliche Maßnahmen, die uns in den Herbst- und Wintermonaten ereilen könnten, zeigt sich Dr. Krämer zurückhaltend. „Alle Maßnahmen, die seit Beginn der Pandemie ergriffen wurden, waren schwere Eingriffe in die Freiheitsrechte“, betont er und wirft damit einen recht vagen Blick in die nahenden kälteren Monate.

„Die politisch Verantwortlichen müssen abwägen, ob Eigenverantwortung genügt oder ein staatlicher Eingriff wirklich notwendig ist. Sollte entschieden werden, dass uns in den Wintermonaten in geschlossenen Räumen eine Maske erhalten bleibt, dann stellt dies zwar auch eine Einschränkung dar, aber eine tolerierbarere als ein gesamtes System herunterzufahren“, unterstreicht Dr. Krämer unter dem Siegel, wie aggressiv mögliche Corona-Virus-Varianten ausfallen könnten.

„Wir kommen derzeit gut zurecht mit der wiedergewonnenen Normalität und werden die Infektionskrankheiten alle weiter beobachten. Ebenso die Kliniken, obgleich diese noch nicht im Regelbetrieb angekommen sind, in denen die Belastung nochmal eine ganz andere ist. Hier sind wie auch in Alten- und Pflegeeinrichtungen weiterhin besondere Schutzmaßnahmen notwendig.“

Influenza, Norovirus, Sommergrippe und das neue Coronavirus: „Sie alle gehören zum Leben dazu. In der jetzigen Situation tun wir gut daran, das Ganze staatlich nicht zu sehr zu reglementieren. Maßnahmen müssen immer vor dem Hintergrund der Notwendigkeit erlassen werden. Nur so glaube ich, kann die breiteste Akzeptanz bei den Bürgern erreicht werden.“ 

mb

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